Brauchen Katzen Trockenfutter?

Brauchen Katzen Trockenfutter? Und eigentlich lässt sich diese Frage kurz und bündig mit einem klaren Nein beantworten.

Aber ihr würdet hier in meinem Blog nicht lesen, wenn ihr nicht genau wüsstet da kommt noch ein wenig mehr und genauso ist es auch dieses mal.

Woher kommen unsere Hauskatzen?

Bei einigen hat sich die Idee manifestiert, das unsere europäische Hauskatze bereits ein einheimisches Wildtier ist, da es von der europäischen Wildkatze abstammt. Dies ist aber nicht richtig, erstens stammt unsere Hauskatze, so wie wir sie kennen von der Falbkatze ab, wie Genetiker nun eindeutig beweisen konnten und sie ist auch kein einheimisches Wildtier, sondern ein von uns Menschen domestiziertes Haustier.

Die nordafrikanische Falbkatze (Felis silvestris lybica) ist ein Wüstentier und hat sich perfekt dem ariden Klima angepasst (arides Klima = trocken, dürr)

Wasser ist dort ein rares Gut und Katzen haben im Laufe der Evolution gelernt, ihren Flüssigkeitsbedarf vorwiegend aus der Nahrung zu decken um konkrete Zahlen zu benennen, wir reden hier von einem Wert von 70-80%. Der restliche Bedarf wird über Tauwasser, etc. aufgenommen.

Die Falbkatze ernährt sich von Insekten, Spinnen und Skorpionen, Vögeln, Amphibien und Reptilien sowie auch kleineren Säugetieren bis hin zu Jungantilopen. Hauptnahrungsquelle sind Nagetiere.

Trockenfutter und der Flüssigkeitsbedarf einer Katze

TF_01Jeder Katzenhalter, der seine Katzen mit reinem Fleisch ernährt, wird bestätigen können, das seine Katzen wenig, bis gar nichts trinken (Bevor nachfragen kommen, die Katzen die bei einer reinen Fleischfütterung nichts trinken, sind nicht krank, sondern hier wurde das Fleisch mit zusätzlich mit Wasser angereichert.)

Trockenfutter enthält jedoch nur eine maximale Restfeuchtigkeit von 10%. So betrachtet, ist es einem wohl klar, dass seine Katze bei einer reinen Trockenfutterfütterung niemals genug Flüssigkeit aufnehmen kann wie bei einer reinen Nassfütterung.

Um den entsprechende Differenz auszugleichen müsste eine Katze die 120 Gramm Trockenfutter am Tag zu sich nimmt, noch einmal 360 ml Wasser aufnehmen – 360 ml zusätzlich zu der Flüssigkeit, die sie benötigt um auf ihren Tagesbedarf zu kommen.

Man geht bei einer Katze von einem durchschnittlichen Flüssigkeitsbedarf von 70-80 ml /kg Körpergewicht aus, dies wären bei einer durchschnittlich schweren Katze ca. 300 ml.
Bei einer einfachen Berechnung von Feuchtfutter mit einer Feuchtigkeit von 80% erkennt man rasch, das auch hier noch zusätzlich Wasser, wenn auch wenig zugefügt werden sollte.

Bei Trockenfutter ist dies aber nicht ein wenig, sondern weit über 360 ml und dies bei einem von Natur aus trinkfaulen Tier?

Eine einfache Faustregel besagt auch, wenn eine Katze Trockenfutter frißt, sollte sie mindestens die 3fache Menge an Wasser trinken.

Das würde bedeuten bei 200g Trockenfutter mindestens 600 ml Wasser. Achtung, bitte auch zu berücksichtigen, das Katzen an heißen Tagen auch wesentlich mehr Flüssigkeit benötigen.

 Trockenfutter und seine Zutaten

 Wie bereits die genetischen Vorfahren unserer Hauskatze, so ist auch unsere Hauskatze eine Beutetierfresserin.Eine Maus wird von ihr quasi mit Haut und Haaren gefressen.

Und nun gucken wir uns doch mal die Zutaten bei Trockenfutter einmal näher an:

 Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (Geflügelprotein (getrocknet), tierisches Eiweiß (hydrolysiert), Tierfett), Mais, Lignozellulose, Maiskleberfutter, Weizen, Pflanzenproteinisolat, Mineralstoffe, Rübentrockenschnitzel, Sojaöl, Hefen, Fisch und tierische Nebenerzeugnisse (Fischöl), Psyllium (Flohsamen und Hüllen), Fructo-Oligosaccharide.

Analytische Bestandteile Rohprotein: 34%, Fettgehalt: 12%, Rohasche: 7,8%, Rohfaser: 9,1%.

Zusatzstoffe / ernährungsphysiologische Zusatzstoffe je kg
Vitamin A: 20300 I.E., Vitamin D3: 700 I.E., E1 (Eisen): 39mg, E2 (Jod): 3,9mg, E4 (Kupfer): 6mg, E5 (Mangan): 51mg, E6 (Zink): 153mg, E8 (Selen): 0,07mg, L-Carnitin: 200mg,

Wer meine vorherigen Artikel zum Thema Tierfutterindustrie und Woran erkenne ich gutes Futter aufmerksam gelesen hat, wird schon bei der ersten Komponente sagen „Ah….diese Füchse“ – hier steht Fleisch _und_ tierische Nebenerzeugnisse, aber nichts Konkretes über die Menge an Fleisch bzw. an tierischen Nebenerzeugnissen.

TF_02Wer sich noch an die Beiträge erinnern kann, wird auch gleich feststellen, dass hier der Futterhersteller bei den Inhaltsangaben einiges beschönigt. Hier wird schön der Mais aufgeteilt in Mais und Maiskleber, was darauf schließen lässt das hier eigentlich der Mais wenn man beide Bezeichnungen addiert an erster Stelle rutschen würde.

Aber Moment, dies ist ja noch nicht alles, was an Getreide in diesem Futter enthalten ist, wir hätten hier noch Weizen, Rübentrockenschnitzel, Pflanzenproteinsalat – bei dieser Deklaration frage ich mich ernsthaft ob man damit Hasen oder wirklich Fleischfresser, so wie es unsere Katzen von Natur aus sind füttern soll.

Katzen brauchen keine Kohlenhydrate in Form von Getreide (Mais, Weizen, Reis etc.) in ihrer Nahrung.

Der Katzendarm ist als Verdauungstrakt eines Fleischfressers sehr kurz (Verhältnis Darmlänge zu Körperlänge 3:1; im Vergleich Mensch 6:1, Schaf 24:1); Getreide kann dadurch nicht richtig aufgespalten und verwertet werden. Die Folge ist eine zu lange Verweildauer des Futters im Darm und dadurch entstehende Verdauungsprobleme sowie Blasensteine aufgrund ungünstiger ph-Werte im Urin der Katze.

Katzen brauchen auch keine pflanzlichen Proteine wie Soja, diese sind für Katzen schwer bekömmlich.

Und wozu Sojaöl? Katzen benötigen tierische Fette, pflanzliche können sie nicht verwerten. Dass sich der Hersteller im Übrigen ausschweigt wie er das Trockenfutter konserviert sagt meiner Meinung nach auch schon genug aus.

Ganz toll finde ich persönlich auch noch die Lignozellulose, ein Bestandteil den man eigentlich Hauptsächlich in der Bauindustrie wiederfindet aber auch als Rohstoff für Biokraftstoffe.

Als würde es nicht reichen, dass Trockenfutter an sich schon unsere Katzen krank machen kann so wird dies noch durch die Zusammensetzung des Trockenfutters gesteigert.

Aber die Tierfutterindustrie ist ja clever, zuerst bekommt Mieze das normale Trockenfutter und ist sie erst einmal krank – schwups – gibt es das passende Trockenfutter für gerade eben diese Erkrankung.

Interessant sind hier sicherlich die Zahlen von VPI (Veterinary Pet Insurance Co.)

Erkrankungen bei Katzen (ernährungsbedingte Erkrankungen sind hier farbig dargestellt)

  1. Bladder or Urinary Tract Disease (Blasen- oder Harnwegserkrankungen – hier geläufiger als FLUTD bekannt)
  2. Periodontitis/Dental Disease (Paradontitis/Zahnerkrankungen)
  3. Chronic Kidney Disease (Chronische Nierenerkrankung)
  4. Excessive Thyroid Hormone (Schilddrüsenüberfunktion)
  5. Upset Stomach/Vomiting (Magenverstimmung/Erbrechen)
  6. Diabetes (Diabetes)
  7. Intestinal Upset/Diarrhea (Darmstörung/Durchfall)
  8. Lymphoma (Lymphom)
  9. Upper Respiratory Infection (Infektion der oberen Atemwege)
  10. Skin Allergies (Haut-Allergien)

 Warum gibt es Trockenfutter für Katzen?

Trockenfutter ist die vermeintliche eine Antwort der Industrie auf die Bedürfnisse für berufstätige Katzenhaltern und keine artgerechte Ernährung für Katzen, es ist sozusagen von Menschen für Menschen erfunden worden.

Aus unserer Sicht hat es vielfältige Vorteile: es riecht viel weniger unangenehm, es sieht für uns appetitlicher aus und wir können es bequem den ganzen Tag stehen lassen, während wir bei der Arbeit sind und wissen die Katze versorgt.

Doch wer sich ein wenig intensiver mit der Ernährung der Katze auseinander setzt wird schnell erkennen, je höherwertiger das Futter, sprich je höher der Fleischanteil und je besser die Fleischqualität ist, umso weniger riecht es unangenehm.

Mögen Katzen Trockenfutter und vor allem warum?

Hier schrieb mal der Katzenpapst Paul Leyhausen:

 „wer glaubt, sich bei der Ernährung seiner Katze auf deren »Instinkt« verlassen zu können, wird unter Umständen böse Überraschungen erleben. Anders als die alles fressende Ratte, die sehr schnell lernen muss, was sie von der Vielfalt des Angebots an Essbarem vertragen kann und was nicht, »weiß« die Nahrungsspezialistin Katze oft nicht, was ihr bekommt“.

(Leyhausen 2005)

Ja, leider ist dies oftmals der Fall das Katzen Trockenfutter mögen und so sehr darauf fixiert sind, dass sie anderes Futter dann verschmähen. Wir mögen auch oft Dinge, die uns nicht gut tun. Allerdings wird natürlich auch hier von der Tierfutterindustrie sehr stark nachgeholfen. Damit eine Katze etwas frisst, das nicht ihre Natur entspricht wird das Trockenfutter nachträglich mit Fett besprüht. Netterweise gibt es auch einige Akzeptanzstoffe, die auch dem Futter beigemischt sind umso die Akzeptanz bei Katzen entsprechend zu steigern.

Damit dieses Fett nicht in den Sommermonaten „ranzig“ wird, kommen hier im übrigen Konservierungsstoffe zum Einsatz, die man auch etwas näher betrachten sollte.

Die Konservierungsstoffe für Fette nennt man „Antioxidantien“. Und hier wird schon der eine oder andere hellhörig werden. Wenn also der Futterhersteller schreibt „Keine Konservierungsmittel“ ist dies oft richtig – aber die Fette sind konserviert mit „Antioxidantien“, über die man dann nicht spricht (spitzfindige Formulierungen, aber gesetzlich so gewollt: mehr Industrieschutzgesetz denn Verbraucherschutz!) Wer behauptet BEIDES nicht im Futter zu haben, lügt schlichtweg, oder hat keine Fette im Futter; auch nicht so nett.

TF_03 Konservieren kann man Fette z.B. mit Ethoxyquin ( E 324 – nicht in Lebensmitteln erlaubt und auch als Pflanzenschutzmittel hat wurde ihm europaweit seine Zulassung entzogen, aber in der Tiernahrung (!!!) ist es noch erlaubt), einer sehr effektiven und darum billigen Chemikalie. Nach diversen Horrormeldungen aus der englischen Hundewelt fühlte sich der weltgrößte Hersteller von Ethoxyquin (Monsanto) genötigt, eigene Studien zur Giftigkeit dieser Chemikalie durchzuführen, um anschließend mit den Studien zu belegen, dass bestimmte Mengen nicht überschritten werden sollten, weil sonst Leberveränderungen entstehen können.

Etwas ungefährlicher ist die Konservierung mit BHA / BHT oder Propylgallat. Es sind von der EU zugelassene Konservierungsmittel, die lange unter Verdacht standen, beim sensiblen Tier Allergien auszulösen. Der Verdacht ist vom Tisch, die allergieauslösende Wirkung wurde bestätigt (Tiermedizinische Hochschule Hannover).
Trotzdem sind BHA / BHT oder Propylgallat heutzutage die meist verwendeten Konservierungsmittel in der Trockennahrung; in der Deklaration elegant umschrieben als „Konservierungsmittel laut EG-Richtlinie“ – wenn denn überhaupt darüber geschrieben wird!

BHA (Butylhydroxyanisol) = E 320 / BHT (Butylhydroxytoluol) = E 321: “ Im Tierversuch traten Veränderungen am Immunsystem, der Schilddrüse und der Leber auf. Der Stoff reichert sich im menschlichen Fettgewebe an und gelangt in den Fötus. Er ist als Allergieauslöser bekannt.“

ACHTUNG: Viele von Tierärzten verordnete Spezialfutter für allergie-empfindliche Tiere enthalten BHA / BHT. Das ist wie Wasser in die Donau tragen, aber da sieht man einmal was die Futterlobby einen Einfluss auf die Tierärzte hat.

Gut wäre die Konservierung der Fette mit natürlichen Vitaminen, z.B. Vitamin C und besser noch Vitamin E (mit den Gamma-Tocopherolen des Vitamin E, sehr wirksame Freie-Radikale-Fänger; reichern sich nicht im Körper an). Auch chemisch erzeugtes Vitamin kann man benutzen, wenn auch die Wirksamkeit teilweise um ca. 30% niedriger ist.

Einer gesunden Katze braucht man auch Trockenfutter nicht völlig zu verweigern, auf die Dosis und die Relation zu sonstigem Nassfutter kommt es an. Trockenfutter kann man nur als reines Leckerchen und als spezielle Belohnung wie z.B. beim Clickertraining verwenden (ähnlich einem vernünftigen Gebrauch von Süßigkeiten beim Menschen), wobei hier auch Trockenfleisch zu empfehlen wäre. Einige Anbieter gibt es auch, die gefriergetrocknete Leckereien anbieten, die wären auf jeden Fall herkömmlichen Trockenfuttern vorzuziehen.



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