Der 4%-Mythos beim Katzenfutter – Taubertalperser

4%-Mythos beim Katzenfutter –  „Ihh, da sind ja nur 4% Fleisch enthalten“ gellte der entsetzte Ruf beim Anblick des einen oder anderen Futters und seiner Deklaration durch diverse Facebookgruppen.
„Was ist denn das für ein miserables Katzenfutter wenn da nur 4% Fleisch enthalten ist und vor allem was ist der Rest“ war eine von vielen weiteren Aussagen.

Angesichts dieser Aussagen frage ich mich ernsthaft warum man sich nicht vorher informiert bevor man solche Mythen und Halbwahrheiten weiter ausposaunt.

Aber solche Texte unreflektiert weiterzuverbreiten ist leider ein weitverbreitetes Übel.

Da ist es herzlichst egal wenn sich solche Leute wie z.B. meine Freundin Miriam mit ihrem tollen Blog katzen-fieber oder ich permanent um entsprechende Aufklärung bemühen.

Sowas wird gekonnt ignoriert. Warum? Weil man da vielleicht zu viel zum Lesen hat? Ich weiß es ehrlicherweise nicht aber doch verzweifle ich ein wenig bei solchen „Da sind ja nur 4%-Fleisch enthalten“-Aussagen.

Aber was ist nun dran an dieser Aussage mit den „nur“ 4% Fleisch?

Der 4%-Mythos vom Fleisch

Bei einigen Herstellern findet man die Deklaration „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (4% von XX)“ und hier fragen sich die Leute ist da wirklich nur 4% Fleisch enthalten.
Dies kann man ausnahmsweise entschieden verneinen – es sind nur 4% von XX enthalten (die Geschmackgebende Sorte wird hier erwähnt – habt ihr die Sorte Kalb in der Hand steht darauf Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse ( 4% Kalb), in Wahrheit könnten es auch 5% oder mehr sein.

Hier mal ein bildliches Anschauungsbeispiel weil man sich teilweise mit der nur gelesenen Erklärung sehr schwer tut.

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Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (u.a. 4% Huhn), Getreide, Mineralstoffe, Zucker

Es handelt sich hier um ein Alleinfuttermittel der Sorte Huhn, klar erkennbar an der Angabe in der Klammer (u.a. 4% Huhn) dies ist die namensgebende Sorte die hier benannt ist. Wäre es ein Katzenfutter mit Rind würde statt Huhn, das Rind stehen.
Es kann sich hier natürlich um mehr Huhn handeln aber niemals um weniger.

Es geht aus dieser Deklaration aber nicht hervor wieviel Fleisch wurde verwendet, wieviel an tierischen Nebenerzeugnissen und vor allem welche.
Man erfährt hier eigentlich gar nichts außer das auch noch Getreide und Zucker enthalten ist. Beides gehört nicht in den Magen einer Katze, aber das wisst ihr ja schon. Nebenbei erwähnt, diese Deklaration gehört zum „Gewinner“ des Katzenfuttertests bei Stiftung Warentest.
Kein Wunder, das den kein verwantwortungsvoller Katzenhalter mit entsprechenden Wissen den ernst nimmt.

Ihr fragt euch nun sicher wieso schreiben denn die ganzen Unternehmen nicht gleich alle ganz genau drauf was drinnen steht.
Das wäre natürlich ein super Gedanke aber das Geschäft mit der Tierliebe und auch natürlich mit dem Katzenfutter ist ein hartumkämpftes. Kleine Unternehmen mit wenigen Dosen im Monat können leichter auf eine offene Deklaration zurückgreifen da sie nicht die riesen Mengen an Rohstoffen verarbeiten wie ein großes Tierfutterunternehmen.

Ein mir bekannter Tierfutterhersteller verarbeitet über 700 Tonnen Fleisch pro Monat! Dies muss natürlich erst mal eingekauft werden und ihr ahnt es vielleicht schon auch da unterliegt der Preis natürlichen Schwankungen – Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Heute sind die Hühnerherzen billiger, morgen die Leber übermorgen die Hälse oder Kaninchen. Hat man nun eine offene Deklaration muss man genau das in die Dose „packen“ was auf der Deklaration draufsteht und die ändert sich nicht wöchentlich – da würdet ihr euch ja als Verbraucher schön bedanken.
Fällt nun natürlich leicht wenn man keine 700 Tonnen Fleisch benötigt wenn dem aber so ist versucht man schon in entsprechenden preislichen Rahmen einzukaufen um auch einen Gewinn für das unternehmen zu erwirtschaften. Bei einer geschlossenen Deklaration mit den sagenumwobenen 4% ist dies natürlich viel einfacher. Da kann man die Futterdose schon mal für 39 Cent verkaufen und macht über die Absatzmenge einen Gewinn, denn ich denke es ist klar das die meisten der Katzenhalter leider noch immer die billigen Dosen füttern und bei Futterdosen von 1,50 Euro aufwärts schon dreimal nachdenken und überlegen. Und ja wir nicht – weiß ich, weil wir wissen ja von den Folgen. Aber wir sind leider noch nicht die Allgemeinheit sondern nur ein kleiner Prozentsatz unter den ganzen Katzenhaltern.

Der Code of good labeling (Ein Standardwerk der Tierfutterhersteller in dem genau aufgeführt ist wie was zu benennen ist und an das sich alle halten ansonsten laufen sie Gefahr vom Mitbewerber eine entsprechende Anzeige zu riskieren) besagt wenn ich eine Sorte „Kalb“ nenne muss hier auch mindestens 4% von diesem Tier enthalten sein.

Hier merkt ihr schon ich schreibe vom Tier und nicht vom Fleisch denn auch der Begriff Fleisch ist ganz genau definiert.

Fleisch und tierische Nebenprodukte

Der Begriff Fleisch ist in der Tierfutterindustrie ganz klar auch definiert. Fleisch ist Muskelfleisch. Kein Bindegewebe, keine Leber, keine Niere einfach nur hochwertiges Muskelfleisch.
Aus diesem Grunde schreiben viele Hersteller preiswerterer Produkte „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse um hier ein wenig zu verschleiern wieviel Fleisch nun wirklich enthalten ist. Hin und wieder findet man auch Hersteller die schreiben „60% Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (4% Kalb)“, aber auch dies sagt noch immer nichts aus über die Qualität des Produktes, nur das insgesamt die Menge an Fleisch und tierischen Nebenerzeugnisse 60% beträgt.
Aber diese Zahl sieht erst einmal gut aus.

Nebenerzeugnisse sind alles Produkte die in der Lebensmittelindustrie keine Verwendung finden. Sei es weil die Menschen es kaum mehr selber essen (Wohlstandsgesellschaft sei Dank) oder aber für den Menschen zwar genießbar wären aber es einfach einen gewissen Gruselfaktor hätte wie Häute, Hoden, Euter und vieles mehr. Diese sind alles tierische Nebenprodukte und selbstverständlich auch Hühnerkarkassen oder auch Schnäbel. (Hühnerklauen werden in Deutschland nicht verarbeitet sondern nach Asien exportiert da diese dort eine Delikatesse sind).

Und bevor nun wieder alle „Ihhh“ rufen wenn sie die Worte Häute, Klauen und Schnäbel in Bezug auf Tierfutter lesen – eine Katze ist ein Beutetierfresser, er frisst die gesamte Beute und lässt nur wenig über, meist nicht weil es ihm nicht schmeckt sondern die Katze schlicht und ergreifend satt ist. Aber es wird die Haut, Haare, Federn, Schnäbel etc. mitgefressen (auch wenn es uns nun nicht so behagt)
Aber eine jede einzelne Komponente eines Beutetieres hat so seinen Verwendungszweck und auch seinen Sinn und wenn es nur der notwendige Ballaststoff ist damit der Darm ordentlich arbeitet.

Nicht die tierischen Nebenerzeugnisse sind bei den Herstellern das Problem sondern die Menge der selbigen und die unklare Deklaration.

Bähh……. tierische Nebenprodukte !

Ein weiterer „toller“ Mythos der sich unheimlich stark hält ist, dass im Futter Klauen, Schnäble, Hufe verarbeitet werden. Dies ist allerdings nur bedingt richtig. Horn findet viel bessere Verwendung im Garten- und Landschaftsbau und auch wir, sofern wir einen Garten unser eigen nennen können verwenden es hin- und wieder. Von was ich hier schreibe – > Hornspäne. Sie kommen sehr stark und immer vermehrt im biologischen Landschaftsbau zur Geltung und bringen dort viel mehr Geld als einfach nur in eine Katzenfutterdose gepackt zu werden für wenige Cent.

Unterschied Alleinfutter und Ergänzungsfutter

Man sollte auch noch erwähnen dass Dosenfutter nicht gleich Dosenfutter ist, abgesehen von den qualitativen Unterschieden sollte man auch darauf achten ob es sich hier um ein Alleinfutter oder ein Ergänzungsfutter handelt. Dies muss aber auf den Etiketten angegeben werden.

Folgendes schreibt die Futtermittelverordnung ganz klar vor:

Alleinfuttermittel sind gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 1 Futtermittelverordnung Mischfuttermittel, die dazu bestimmt sind, bei ausschließlicher Verwendung den Nahrungsbedarf der Tiere zu decken.

Ergänzungsfuttermittel sind gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 2 Futtermittelverordnung Mischfuttermittel, die einen gegenüber einem Alleinfuttermittel für die jeweilige Tierkategorie höheren Gehalt an bestimmten Stoffen (insbesondere Inhalts- oder Zusatzstoffen) aufweisen und die auf Grund ihrer Zusammensetzung dazu bestimmt sind, in Ergänzung anderer Futtermittel zur Deckung des Nahrungsbedarf der Tiere beizutragen.

Allgemein die Kennzeichnung von Futter – ob Einzelfuttermittel, Mineralfutter, andere Ergänzungsfutter oder Alleinfutter – ist ein wesentlicher Bestandteil der Information an den Verbraucher  und muss auf dem Etikett aufgedruckt sein (ACHTUNG: Was auf dem Etikett steht ist verpflichtend, NICHT das was manche Hersteller auf ihrer Webseite schreiben!)

Folgendes muss zwingend angegeben werden und zum besseren Verständnis werde ich euch auch das eine oder andere Etikett zeigen zum besseren Verständnis.

Zusammensetzung

Alle enthaltenen Bestandteile bzw. Einzelfutter müssen angegeben werden, und zwar in  absteigender Reihenfolge ihres Anteils. Zusätzlich können die jeweiligen Anteile in Prozent aufgeführt werden. Sie müssen genannt werden, wenn bestimmte Bestandteile besonders hervorgehoben werden und der Anspruch des Futterherstellers auf Schutz der Rezeptur und des Know-hows nicht massiv beeinträchtigt wird.

Inhaltsstoffe

Ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben ist die prozentuale Angabe der Inhaltsstoffe auf der Deklaration. Man sollte schon in etwa wissen, wie viel Rohprotein (Eiweiß), Rohfett, Rohfaser, Rohasche oder auch Mineralstoffe wie Calcium und Phosphor enthalten ist.

Manche Hersteller geben mittlerweile freiwillig den Energiegehalt des Futters auf der Deklaration an.

Zusatzstoffe

Alle im Futter enthaltenen Zusatzstoffe, für die per Gesetz ein Höchstgehalt festgesetzt ist, werden mit ihrer Menge je Kilogramm aufgelistet. Dies sind z. B. Vitamine, Spurenelemente, Aminosäuren, Enzyme, Mikroorganismen.
Zusatzstoffe ohne festgelegte Höchstgehalte werden freiwillig angegeben.

Fütterungshinweis

Neben diesen Inhaltsangaben gibt der Futterhersteller auch noch eine kurze Beschreibung, wofür dieses Futter verwendet wird. Dies enthält z. B. den Hinweis, ob es ein Alleinfutter oder eine Ergänzung zu dem Grundfutter ist. Bei Ergänzungsfutter muss außerdem eine tägliche Höchstmenge oder ein maximaler Rationsanteil angegeben werden, damit beispielsweise die Aufnahme von Zusatzstoffen nicht über die zulässigen Höchstgrenzen hinausgeht.

Zusätzlich müssen wichtige Einzelheiten zur Rückverfolgbarkeit der Futtermittel angegeben sein, wie z. B. die Kennnummer der Partie, Mindesthaltbarkeitsdatum, Name und Anschrift des Herstellers.

Freiwillige Angaben

Die oben genannten Angaben geben das Mindestmaß an Kennzeichnung von Futter an. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, weitere Informationen freiwillig zu benennen, die für die ernährungsphysiologischen Eigenschaften wichtig sind, z. B. nutzbares Rohprotein oder verdauliche Aminosäuren. In jedem Fall handelt es sich dabei ebenfalls um wissenschaftlich überprüfbare, objektive Angaben. Auch diese unterliegen wie die genannten Pflichtangaben zum Schutz der Käufer der amtlichen Futtermittelkontrolle.

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