Katzen lieben es lieber zu zweit….

Wer mich näher kennt weiß das ich nicht nur Züchterin bin, sondern auch langjährige Katzenfreundin und auch extrem dem Tierschutz- vor allem dem Katzenschutz zugewandt.

Seit mehr als 30 Jahren habe diese Fellnasen mein Herz erobert und ich möchte diese Erfahrungen, diese tollen Momenten mit ihnen nicht mehr missen und ich kann ohne zu zögern bestätigen das sie mein Leben gewaltig bereichert haben.

Aufklärung das A und O

Selbstverständlich versuche ich mit vielen anderen ambitionierten Katzenliebhabern in diversen Foren, Facebookgruppen Aufklärungsarbeit zu leisten. Sei es wenn es um das Thema Ernährung, Gesundheit aber auch Sozialverhalten geht.

Wir predigen vermutlich seit Jahrzehnten das man, wenn man sich ein kleines Kätzchen anschafft, doch bitte vorzugsweise zwei Kätzchen nimmt. Abgesehen von den gemeinsamen Spielen der zwei Kleinen ist es wahnsinnig süß und niedlich anzusehen wie sie sich gegenseitig das Fell putzen, mit einander kuscheln aber auch mal mit einander sich balgen.

Es kann sich vermutlich nun jeder vorstellen wie ich, wie vom Blitz gestreift da saß als ich folgenden Artikel zu Gesicht bekam.

Katzen sind meist Einzelgänger

Katzen sind Einzelgänger und fühlen sich in Gesellschaft von Artgenossen nicht wohler. Wenn sich mehrere Tiere ein Revier teilen müssen, kann es zu Rivalitäten kommen.

Katzen leiden oft unbemerkt, wenn sie die Wohnung mit einem Artgenossen teilen müssen. «Es ist ein verbreiterter Irrglaube, dass Katzen zu zweien oder mehreren glücklicher sind», sagt Heidi Bernauer-Münz von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT). «Welpen spielen noch miteinander, aber wenn sie erwachsen werden, beanspruchen sie eigene Reviere und gehen sich aus dem Weg.» Zwar gäbe es Tiere, die sich unter einem Dach gut arrangieren. Doch oft dominiert eine Katze die andere – und viele Halter erkennen nicht, wie das unterlegene Tier leidet.

Besonders schlimm ist die Situation für Hauskatzen, die sich nicht aus dem Weg gehen können: «Häufiges Markieren, kahlgeleckte Stellen im Fell und aggressives Verhalten untereinander sind ein Hinweis auf Stress. Ursache dafür kann das erzwungene Zusammenleben mit Artgenossen sein», erklärt Bernauer-Münz. Auch wenn sich ein Tier grundsätzlich zurückzieht, sollten die Halter aufmerksam werden. Dass sich die Katzen bislang gut verstanden haben, besagt indes nur wenig: Verändert sich die häusliche Situation, etwa durch ein Neugeborenes, werden aus Freunden schnell Rivalen.

Bei auffälligem Verhalten sollten die Halter mit einem Tierarzt sprechen. Er weiß in der Regel Rat. «Besser noch: Katzenwelpen nur alleine aufnehmen und für ausreichend Freilauf und Beschäftigung sorgen», empfiehlt Bernauer-Münz. Andere Katzen als Spielpartner zu halten, sei selten eine gute Lösung.

Quelle: Katzen sind meist Einzelgänger 

Ich wäre vermutlich weniger schockiert wenn diese Aussage von Max Müller oder so kommen würde, von einer Sprecherin der Tierärztlichen Vereinigung von Tierschutz (TVT) erwarte ich mir aber nicht nur fachlich richtige Aussagen sondern auch entsprechende Differenzierung und Weitblick.

In diesem Artikel vermisse ich aber wirklich alles.

Zunächst einmal – Katzen sind keine Einzelgänger, sie sind Einzeljäger, was ein riesen Unterschied ist. Sie werden maximal von uns Menschen aufgrund der Haltungsbedingungen zu Einzelgänger gemacht. Selbst freilebende Katzen auf Bauernhöfen, Friedhöfen etc. bilden matriarchalische Gruppen, die sich ein Lager teilen, sich gemeinsam bei der Jungenaufzucht aber auch  bei deren Verteidigung unterstützen.

Katzen haben also durchaus das Bedürfnis nach sozialen Kontakten

Wie stark das Bedürfnis nach sozialen Kontakten ausgeprägt ist, ist zwar individuell unterschiedlich, hängt jedoch im Wesentlichen von den Erfahrungen der Katze in der Sozialisierungsphase (den ersten zwei bis drei Lebensmonaten) ab. Ein Teil dieses Bedürfnisses kann durch die Beschäftigung des Menschen mit der Katze abgedeckt werden, aber nicht alles und sollte die Zuwendungszeit nicht ausreichend vorhanden sein, sollte man dazu tendieren zwei oder mehrere Katzen zu halten.

Man sollte auch unterscheiden ob es sich bei der Katzenhaltung um eine reine Wohnungshaltung handelt oder aber die Katze Tags über Freilauf genießen kann. Hier muss dann nicht zwingend eine weitere Katze gehalten wäre, obwohl es natürlich wünschenswert wäre, aber hier hat die Katze die Möglichkeit Sozialkontakte außerhalb der Wohnung zu pflegen.

Um auf den Satz

„es ist ein verbreiterer Irrglaube, dass Katzen zu zweien oder mehreren glücklicher sind“

von der Dame zurückzukommen – offensichtlich hat die Dame weder Ahnung, noch Erfahrung in Katzenhaltung und meint nun auch noch klüger zu sein als der Verhaltensforscher Prof. Paul Leyhausen der mehr als 40 Jahre das Verhalten der Katzen erforschte.

Machtkämpfe oder Rangordnung

Eine weitere Aussage von ihr

„…Doch oft dominiert eine Katze die andere – und viele Halter erkennen nicht, wie das unterlegene Tier leidet.“

muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, wie Eingangs schon erwähnt bilden Katzen matriarchalische Gruppen, Gruppen haben immer eine Gliederung, einer der die Gruppe führt /anleitet und welche die angeleitet/geführt werden.

Befinden sich mehrere Katzen in einer Region/Haushalt, so kommt es eigentlich nur selten vor, dass ein Tier die absolute Machtstellung einnimmt. Es ist in der Regel individuell festgelegt, wer wem bei welcher Gelegenheit welche Vorrechte einzuräumen hat. Wo dies noch nicht klar ist, wird es nach den bestehenden Kampfregeln, in weitgehend ritualisierten Kämpfen, ausgefochten. Bei Kater sehen die Machtkämpfe ziemlich gefährlich aus und es herrscht meistens eine starke Rauferei, während die Katzendamen ihre Rangordnung untereinander nicht so stark einhalten. Sie basiert in erste Linie auf der Mutterrolle. Hat die Katze geworfen und muss sich um ihre Jungen kümmern, steigt der soziale Status automatisch an. Bei Kätzinnen kann die soziale Verbundenheit so weit gehen, dass sie sogar ihre Kinder gemeinsam großziehen. Katzendamen, die untereinander befreundet sind, teilen sich nicht nur ein Wurflager, wenn sie zur gleichen Zeit werfen. In manchen Fällen gehen sie soweit, dass sie die Babies der anderen säugen, wenn die Mutter unterwegs auf Jagd ist. Sie kümmern sich solange liebevoll und voller Verantwortung um den fremden Wurf, bis die Mama wieder zurückgekehrt ist.

Wird eine Katze nach einigen Würfen kastriert, rutscht sie im Rang jedoch rasch nach unten. Kätzinnen, die kastriert wurden, bevor sie zum ersten Mal geworfen hatten, haben keine Chance, jemals höher in den Rang einzusteigen.

Zu solchen kleinen Machtgerangeleien kann es auch kommen wenn die häusliche Ordnung verändert wird, sei es weil ein neuer Partner ins Leben tritt oder wenn Nachwuchs ins Haus gekommen ist. Hier wurde aus kätzischer Sicht das „Rudel“ verändert und bisher in der Gruppenhierarchie weiter unten angesiedelte Tiere versuchen nun die „Chefrolle“ zu übernehmen.

Ein wenig anders sieht das Sozialverhalten gegenüber dem Menschen aus. Hier wird die Lebensgrundlange in den ersten Lebenswoche gelegt. Katzen mit zahlreichen und längerdauernden Kontakt zum Menschen sind diesem weitaus aufgeschlossener und somit auch meist schmusiger gegenüber

Ebenso ist in den ersten Lebenswochen sehr wichtig das sie soviel wie möglich kennen lernen, so hat man dann in der Regel wesensfeste kleine Kätzchen daheim, die nicht beim Anblick eines Fremden gleich mal unter der Couch verschwinden.

Unsauberkeit, Putzzwang und Aggresivität

Zu der Aussage

«Häufiges Markieren, kahlgeleckte Stellen im Fell und aggressives Verhalten untereinander sind ein Hinweis auf Stress“

diese Aussage ist nur bedingt richtig, es kann genauso aus Gründen von Krankheit wie Blasenentzündung, Futtermittelunverträglichkeit oder aber Zahnproblemen genau zu solchen Reaktionen kommen. Hier gilt es zuerst sämtliche organischen Gründe abzuklären und auszuschließen.

Die schlimmste Aussage des ganzen Artikels überhaupt

Ich bin ja nahe dran Sonja Zietlow und Daniel Hartwich zu zitieren mit ….die schlimmste Aussage …ever, ever, EVER!

Denn die Aussage

«Besser noch: Katzenwelpen nur alleine aufnehmen und für ausreichend Freilauf und Beschäftigung sorgen»

schlägt so ziemlich den Fass den Boden aus. Ich habe jetzt schon ausführlich über das Sozialverhalten geschrieben aber nun noch ein etwas anderer Aspekt – viele Katzen sind, weil es die Gegebenheiten nicht zu lassen nun mal Wohnungskatzen.

Sollen wir nun, obwohl wir es besser wissen unsere Fellnasen vor die Tür setzen und riskieren das sie zu Michelin-Katzen mutieren?

Sollen wir dies ernsthaft machen? Davon mal abgesehen sollten Katzen erst nachdem sie sich ordentlich eingelebt, vollständig geimpft und kastriert sind Freigang bekommen sollten

Die Gründe warum wir als Katzenliebhaber dies empfehlen sind naheliegend – erstens ist dann das kleine Kätzchen schon älter und etwas reifer und nicht mehr ganz so unbedarft unterwegs. Während wir in der Wohnung das kleine Kätzchen vor lauernden Gefahren bewahren und beschützen können ist uns dies bei einer Freigänger Katze nur bedingt möglich.

Fahrende Autos, Katzenhasser, Jäger und vieles mehr können für das kleine Kätzchen zu einer tödlichen Gefahr werden. Kastrierte Tiere sind in der Regel nicht mehr so auf Wanderschaft aus, während ein kastriertes Kätzchen sich meist im Umkreis von 500 Meter aufhält, legen nicht kastrierte Tiere oft mehrere Kilometer zurück.

Auch sollte man wissen ob man am Rande eines Naturschutzgebietes lebt, dort trifft man meist geschützte Tierarten, die gerne mal die Beute unserer Fellnasen werden können zum Leidwesen anderer Tierschützer. Man möge da nur an die Husumer Katzen denken, die nur durch eine Protestaktion vor dem Abschuss durch Jäger gerettet werden konnten.

In einer Facebook-Gruppe „Katzen – Haltung, Ernährung und Zucht“ deren Hauptaugenmerk auf die artgerechte Haltung und Ernährung der Katzen liegt habe ich die doch über 100 Mitglieder umfassende Gruppe gebeten, mir doch ein paar Fotos für meinen Blog zu diesem Thema zur Verfügung zu stellen und hier möchte ich nun, noch das eine oder andere wirklich tolle Bild zum Thema „Katzen sind keine Einzelgänger“ präsentieren.

 

 Katzen lieben es zu zweitVanessa Mandel stellte das Foto von Dante und Maya zur Verfügung. 10 Monate und 7 Monate. Die zwei leben seit Oktober gemeinsam in einem Haushalt und beide können nicht mehr ohne einander sein.

Dante kam als Pflegekatze zu Vanessa und Maya wurde bei ihr abgegeben weil der Vorbesitzer leider nicht wußte das er eigentlich allergisch gegen Katzen ist.

 

Una und ZoltanVon Selina Calabria bekam ich das tolle Foto von Zoltan und Una, die beiden werden im Mai 3 Jahre alt und leben bei ihr seit sie 8 Wochen alt sind. Die zwei kamen direkt aus dem Tierschutz zu ihr

 

 

 

PuschelVon Jacqueline Boj kommt das total entzückende Foto von Puschel (Rot-weiß 7 monate) und Urmel (Weiß 4 monate). Die zwei sind ein Herz und eine Seele seit dem ersten Tag. Puschel wohnt seit Ende Dezember bei ihr und Urmel zog Mitte Februar bei ihr ein. Das Foto entstand drei Tage nach dem Einzug von Urmel.

 

1489099_585804591516369_790301297_nUnd von Christiane Rehring kam die Audienz des Streunerkaters mit ihrer Katzengruppe – die haben sich sicher einiges zu erzählen :-)

 

 

 

 

KatzenUnd dann hätten wir noch von Cathrin Centner von der Cattery Moongem’s wo ein total süßer liebenswerter getigerter Hauskater liebevoll die kleinen Babys mit aufzieht, versorgt, mit ihnen spielt aber auch mit ihnen kuschelt.

 

 

 

Und bei all diesen wunderbaren Bildern fällt es wahrlich schwer zu glauben was manche Leute so von sich geben. Ich hoffe inständig, das der eine oder andere doch mal darüber nachdenkt und sich vielleicht statt einem Kätzchen, doch gleich zwei adoptiert. Es bedeutet nur einen geringen Mehraufwand aber es bringt ungleich mehr Freude und Leben ins Haus :-)

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3 Gedanken zu „Katzen lieben es lieber zu zweit….

  • 4. April 2014 um 17:33
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    Oh ja, dieser Bericht ist überfällig.
    Es ist tragisch, dass gerade von „Profiseite“ eine Falschaussage verbreitet wird, wogegen wirkliche Katzenfreunde – sei es der Tierschutz oder die Züchterseite – seit Jahren mit aller Kraft genau die Gegenseite beschwören. Keine Katze mit vernünftiger Sozialisation sollte ihr Leben in Einzelhaft verbringen müssen. Denn kein Mensch wird es schaffen, sie mit verhaltenstypischen Spielen dauerhaft bei Laune zu halten.

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  • 8. Mai 2015 um 23:16
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    Mich regt das genauso auf (deswegen muss ich mir mal Luft machen).
    Die gute Frau soll mir mal erklären, warum meine Katze so an meinem Kater hängt. Als er mal für ne Zahnsanierung ein Tag beim Tierartz war hat sie jammernd jede Ecke nach ihm abgesucht.
    Normal klebt sie eher am Kater aber als er ein paar Stunden nicht da war wich sie nicht von unserer Seite. Und mit 5/6 Jahren sind die beiden auch keine Welpen mehr…

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  • 25. Juni 2017 um 15:17
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    Hoffe nur das solche Leute keine Katzten in ihrem näheren Umfeld haben. Also den Katzen zu liebe!!!.
    Seit drei Wochen haben wir ein Geschwisterpärchen (Katze Cooky und Kater Skippy, 8 Monate) vom privaten Tierschutz aufgenommen. Weil ich weiss, wie sehr eine Katze trauert um den Verlust ihres Lebensgefährten, möchte ich gerne eine dritte Katze ( oder vielleicht zwei :-) ) dazu nehmen, für den Fall, dass einer was zustösst. Gibt es da eine gute Regelung? Kater oder Katze, jüngeres oder älteres Tier? Teddy zum Beispiel wird im Gartenhaus gefüttert, mit vielen anderen Streunerkatzen. Er lässt sich anfassen und war auch schon im Haus. Scheint zu klappen mit den Geschwistern. Er will nur immer nach dem Fressen wieder raus.
    Wünsche allen viel Freude mit ihren Tieren.
    Tiere sind und bleiben für mich die besseren Menschen.
    Claudia

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