Katzen würden Mäuse kaufen…..

Katzen würden Mäuse kaufen lautet der Titel eines der bekanntesten Bücher wenn es um Katzenernährung geht.

Erstmals erschienen 2007 hat es in der Katzenszene für ein sehr breites Publikum gesorgt und ist heiß begehrt wenn es darum geht neue Katzenhalter über die Futtermittelindustrie aufzuklären.

katzenwuerdenmäuse-00Abgesehen davon, dass der Autor als ehemaliger Spiegel-Mitarbeiter sehr polarisierend schreibt wie man schon ganz gut im zweiten Satz lesen kann, es ist erstmalig  2007 erschienen und wieviel davon wahr oder doch eher Fiktion ist daran scheiden sich die Geister.

Wer sich ein wenig mit der Herstellung von Katzennahrung auskennt und informiert hat kennt diverse strenge Auflagen und Hygienevorschriften die seitens der EU erteilt wurden und  die in der EU- Verordnung  EU 1774/2002* festgehalten sind.

Aber auch die Futtermittelverordnung in Deutschland an sich unterliegt permanenter Verbesserungen, Änderungen und Ergänzungen. Hier wird aufs extremste sensibel reagiert weil man sich sehr wohl dessen bewusst ist, dass manche Krankheiten auf den Menschen übertragen werden können und bei allein 12 Millionen Hauskatzen in Deutschland kann man sich vorstellen was hier los ist wenn verunreinigtes Katzenfutter in den Handel gelangt.

Ich konnte mittlerweile mich bei drei Firmen über die Qualitätskontrollen informieren und immer habe ich feststellen dürfen wenn nur eine minimalste Qualitätsabweichung war wurde gleich die komplette Charge entsorgt und die Qualiätsabweichungen waren echt minimalst und uns Normalverbraucher wären sie vermutlich nicht einmal aufgefallen.

Große Tierfutterhersteller kaufen im Übrigen ihr Fleisch und ihre tierische Nebenprodukte  bei ebenso großen Firmen wie zum Beispiel dem größten Zulieferer der Petfoodindustrie, dem Unternehmen Badenhop. Das heißt sie laufen nicht von einem Schlachthof zum nächsten und ihr könnt davon ausgeben das diese Firmen ebenso strengen Auflagen unterliegen. Im besten Fall wurde das Rohmaterial wie Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse bis zu 6mal kontrolliert bevor es in eine Katzenfutterdose verschwindet und in späterer Folge im Napf eures Lieblings verschwindet.

Allerdings verschwanden bei Inkrafttreten dieser EU-Verordnung auf einmal einige Hersteller von hochwertigem Katzenfuttermittel, die sich dieser Verordnung nicht beugen wollten. Und ich kann mich persönlich noch gut an den Aufschrei einiger Katzenhalter erinnern als ein amerikanischer Hersteller sich aus dem europäischen Markt zurückzog.

Altes Buch im neuen Kleid?

Am 1. Juli 2016 war es soweit und es erschien „Katzen würden Mäuse kaufen“ wieder auf dem Markt mit neuen Cover aber wie sieht es mit dem Inhalt aus? Wurde der überarbeitet? Gibt es hier Veränderungen zu dem Buch aus dem Jahre 2007?

Diesen Fragen gehen wir heute hier auf dem Grund.

katzenwuerdenmäuse-01Katzen würden Mäuse kaufen – 1. Juli 2016
  • Knaur Taschenbücher Nr.78768
  • Verlag: Droemer/Knaur
  • Seitenzahl: 315
  • 2016
  • Ausstattung/Bilder: 2016. 320 S. 190 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 125mm x 25mm
  • Gewicht: 242g
  • ISBN-13: 9783426787687
  • ISBN-10: 3426787687

Deutschlands Nahrungsmittelkritiker Nr. 1, Hans-Ulrich Grimm, hat mit „Katzen würden Mäuse kaufen“ einen schockierenden Bericht über die Skrupellosigkeit der Tierfutterindustrie verfasst. Denn glaubt man der Werbung, ist das Beste für unser Haustier gerade gut genug. Aber statt ausgewogener Nahrung bekommen unsere vierbeinigen Lieblinge eine ungesunde Mischung aus Schlachtabfällen, Streckmitteln und Stabilisatoren. Darunter auch immer wieder Skandalöses: Klärschlamm etwa. Oder neuartige Ingredienzen aus Erdgas, gewonnen mit Hilfe von Bakterien. Natürlich ganz ohne Kennzeichnung. Damit die Tiere das überhaupt zu sich nehmen, werden Geschmacksstoffe beigemischt. In „Katzen würden Mäuse kaufen“ deckt sie Hans-Ulrich Grimm auf, die unappetitliche Wahrheit über kommerzielles Tierfutter.

Augenscheinlich springt einen schon das neue veränderte Cover ins Auge und gespannt schauten wir uns gleich einmal das Inhaltsverzeichnis an – wohl dem, der noch eine Auflage aus 2007 bzw. 2008 vor einem liegen hat, denn der wird sofort merken das sich hier wenig verändert hat – ein Kapital wurde gestrichen dafür kam ein neues hinzu.

Alte Version Neue Version 
Falsche Tüte – Über Werbung und Wahrheit bei den Tierfutterproduktionen Falsche Tüte – Über Werbung und Wahrheit bei den Tierfutterproduktionen
Botox für Boxer – Mensch und Tier nähern sich an Dicker Hund – Industrielles Tierfutter als Gefahr für die Gesundheit
Der Pfui Teufel Faktor – die Tierfutterindustrie und ihre anrüchigen Erfolgsrezepte Gefährliche Annäherung – Das Tier im Haus: Chronik einer problematischen Beziehung
Dicker Hund – Industrielles Tierfutter als Gefahr für die Gesundheit Der Pfui Teufel Faktor – die Tierfutterindustrie und ihre anrüchigen Erfolgsrezepte
Geld stinkt nicht – Das weltweite Geschäft mit der Liebe zum Tier Geld stinkt nicht – Das weltweite Geschäft mit der Liebe zum Tier
Krieg oder Kuscheln – Wie das Haustier zum Partner des Menschen wurde Eine Wildwest-Branche – Die Skandale ums Tierfutter und ihre Ursachen
Blaue Lippen – Chemie im Futter bedroht die Gesundheit unserer Tiere Zweiseitiges Schwert – Die neuen Gefahren durch Hormon-Chemikalien in der Nahrung
Tödliche Keime – Wie falsches Tierfutter die Menschen krank macht Papageien und Knechte – die Tierernährungs-Experten und ihre Sponsoren
Eine Wildwest-Branche – Die Skandale ums Tierfutter und ihre Ursachen Blaue Lippen – Chemie im Futter bedroht die Gesundheit unserer Tiere
Papageien und Knechte – die Tierernährungs-Experten und ihre Sponsoren Tödliche Keime – Wie falsches Tierfutter die Menschen krank macht
Zweiseitiges Schwert – Die neuen Gefahren durch Hormon-Chemikalien in der Nahrung Schwere Atmung – Hightech im Tierfutter: Die neue Dimension der Müllverwertung
Schwere Atmung – Hightech im Tierfutter: Die neue Dimension der Müllverwertung Leuchtende Augen Eigentlich ganz einfach: Die Suche nach dem besseren Futter
Leuchtende Augen Eigentlich ganz einfach: Die Suche nach dem besseren Futter  

Die Artikel, die geblieben sind wurden modernisiert, angepasst und so finden sich mehr oder weniger neue Zahlen darin als auch neue Wörter wie Internet und Shitstorm.

Was mir persönlich absolut negativ auffällt, das war mir früher bevor ich mich mit der Ernährung meiner Vierbeiner so enorm auseinander gesetzt habe, gar nicht so bewußt – ist diese extreme polarisierende Schreibweise. Der Autor scheut sich nicht Vergleiche anzubringen mit dem Mittelalter – das Schlachthöfe damals absichtlich vor den Toren der Städte waren weil dies Keim- und Brutstätten für sämtliche möglichen Krankheiten waren verzichtet aber wohlweislich darauf den Leser darüber zu informieren wie hoch mittlerweile die Hygienevorschriften (HACCP-Standard) in solchen Betrieben sind und hier permanent eine Kontrolle von betriebsfremden Personen stattfindet. Es werden hier teilweise Szenarien geschaffen die haarsträubend sind.

Auch habe ich ein massives Problem damit Fleisch als Abfall zu bezeichnen was in dem Buch permanent getan wird. Nur weil wir es hier in Europa, hier in Deutschland nicht essen heißt es nicht gleich das es Abfall ist.
Aber natürlich ist es so, das in der Fleischindustrie mehr Produkte anfallen als der Bedarf vorhanden ist. In Deutschland wird kaum noch Lunge, Niere etc. gegessen.

katzenwuerdenmäuse-05Soll man diese guten Rohstoffe, die natürlich bei der Schlachtung von Rind, Schwein etc. anfallen wegwerfen und sie entsorgen? Nein, natürlich nicht! Es findet Verwendung in der Tierfutterindustrie und das ist auch gut so. Täglich werden tausende Tiere geschlachtet um später auf unseren Teller zu landen und genauso viele Nebenprodukte fallen an die nur zum kleinen Bruchteil in den Metzgerläden landen.

Aber natürlich ist es effektvoller wenn man von Müll schreibt der in die Tiernahrung kommt, Müll der in kleine goldene Schälchen kommt und teuer verkauft wird.

Wie sehr aber der Autor polarisiert wird in diesem Abschnitt sehr klar und deutlich:

Es war um die Weihnachtszeit, als ihn seine Frau anrief: Das Hundefutter sei aus. Frank kaufte einen Sack Purina Beneful Trockenfutter.
Drei Wochen später war ihr Hund Dozer tot. Am 23. Januar lag er tot im Garten. Seine anderen Hunde, der elfjährige Labrador Remo und Nella, ein vierjähriger Deutscher Schäferhund, litten unter Nierenversagen und Durchfall.
„Der Arzt hatte gesagt, die Tiere wurden vergiftet“, berichtete Frank. „Ich habe den Eindruck, dass es definitiv mit diesem Hundefutter zu tun hat“

Quelle: Katzen würden Mäuse kaufen – Kapitel 1 / Seite 29+30

Bei allem Respekt aber die Aussage „Ich habe den Eindruck“ ist keine Tatsache, sondern eine Vermutung.

Und so geht es das ganze Buch weiter und weiter und weiter. Ich bin hier persönlich sehr, sehr zwiegespalten. Einerseits finde ich es gut die Leute zu sensibilisieren aber ich kann mit solchen Stilmitteln, solch einer Polemik echt schwer umgehen.

Aufmerksame Leser werden auch schon festgestellt haben – ja Moment einmal – das Buch erschien erstmals 2007 im Deuticke Verlag und die EU-Verordnung 1774/2002 trat schon 2002 in Kraft ……. ein Schelm der Böses dabei denkt.

Schwarze Schafe gibt es überall, egal in welchem Bereich – sei es bei den Journalisten, sei es bei den Herstellern von Tierfutter oder aber auch Autohersteller oder was auch immer. Fehler passieren das ist normal und menschlich. Gut ist wenn man daraus lernt.

Ob dieses Buch „Katzen würden Mäuse kaufen“ wirklich so wahr ist wie wir es glauben mögen sei dahin gestellt man kann es aber auch hinterfragen.

Aber eines hat dieses Buch jedenfalls bewirkt, ob nun wahr oder doch ein wenig Fiktion  – Katzenhalter informieren sich mehr, blicken ein wenig mehr hinter die Kulissen und lesen einmal mehr die Deklaration des Futters für ihren vierbeinigen Liebling.

Doch was besagt diese EU-Verordnung eigentlich?

Diese Verordnung ist eine Hygienevorschriften für nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte tierische Nebenprodukte und permanent streng kontrolliert wird. Zu einem natürlich hausintern bei den jeweiligen Unternehmen allerdings auch massiv von den örtlichen Veterinärämtern und Gesundheitsämtern.

Tierische Nebenprodukte sind alle nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte Tierkörper oder Tierkörperteile sowie nicht für den menschlichen Genuss bestimmtes Material tierischen Ursprungs. Tierische Nebenprodukte sind dabei nicht gleich tierische Abfallstoffe – Organe wie Herz und Leber gehören zum Beispiel in eine vollwertige Katzennahrung, um den Bedarf an essentiellen Mineralstoffen zu decken. Für viele tierische Nebenprodukte wie zum Beispiel Rinderzunge besteht in Europa kaum ein Markt für den menschlichen Verzehr – diese Fleischbestandteile finden dann im Tierfutter Verwendung.

Die EU-Verordnung

Doch die Verwertung tierischer Nebenprodukte im Tierfutter ist nicht so unbedenklich, wie es klingt. Tierfreunde haben einen engen Kontakt zu ihren tierischen Familienmitgliedern – ist das Tier krank, bedeutet dies oft auch ein Risiko für den Menschen. Dasselbe gilt für zur Schlachtung bestimmte Tiere.
Um Tier und Mensch vor einer Verbreitung von BSE und anderen Seuchen zu schützen und weiterhin ein hohes Gesundheitsniveau in der EU sicherzustellen beschloss die Europäische Union darum am 3. Oktober 2002 die Verordnung Nr. 1774/2002, die seit dem 1.Mai 2003 die Definition, Sammlung, Beförderung, Lagerung, Verarbeitung, Verwendung und Beseitigung sämtlicher tierischer Nebenprodukte regelt.

Risiko-Kategorien

Die EU-Verordnung definiert so drei Risiko-Kategorien für tierische Nebenprodukte und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen für Transport, Verwertung und Beseitigung:

Tierische Nebenprodukte der Kategorie 1 stammen aus Risikobereichen wie TSE-Tieren, Heimtieren, Versuchstieren der Wissenschaft, Wildtiere mit Verdacht auf übertragbare Krankheiten und Küchen- und Speiseresten im grenzüberschreitenden Verkehr. Diese riskanten Nebenprodukte dürfen verbrannt oder in wenigen Fällen auf speziellen Deponien entsorgt werden.

Auch die Materialien der der Kategorie 2 betreffen bestimmte tierseuchenrelevante Schutzaspekte. Sie stammen zum Beispiel aus der Abwasserbehandlung von Schlachthöfen, aus Magen- und Darminhalt von Tieren, Tierkörper kranker Tiere, Gülle und Mist. Auch die Nebenprodukte der Kategorie 2 müssen verbrannt werden oder dienen zur Gewinnung von Biogas.

Zum tierischen Verzehr geeignet sind nur die Materialien der Kategorie 3, soweit sie keine Anzeichen übertragbarer Krankheiten oder Seuchen aufweisen. Blut, Häute, Hufe, Federn, Hörner, Haare, Knochen und Schlachtkörperteile können so genau wie Milchprodukte weiterverwendet und zu Tierfutter verarbeitet werden. Hufe, Federn und Hörner im Tierfutter?

Das ist leider Realität. Zum Glück verzichten viele Hersteller hochwertiger Tiernahrung auf derartige tierische Nebenerzeugnisse und beschränken sich auf „hochwertige“ Innereien, die vom Organismus entsprechend verwertet werden können wie Lunge, Pansen etc. und ja auch Pansen ist nicht unbedingt lecker anzusehen vom Geruch mal ganz zu schweigen.

katzenwuerdenmäuse-02Änderungen für Hersteller aus dem Ausland

Kurz und gut: Die Verordnung 1774/2002 bewahrt uns vor Klärschlamm und risikobehaftetem Material in Tierfutter und dient somit nur unserer eigenen Sicherheit.

Doch die Definition der unterschiedlichen Kategorien ist nur ein kleiner Teil der Verordnung 1774/2002. Um Kreuzkontamination zwischen belastetem und unbelastetem Material verschiedener Risikogruppen zu vermeiden, schreibt die EU Tierfutterherstellern zum Beispiel die „völlige Trennung der Gebäude“ zwischen Schlachthof und Verarbeitungsbetrieb vor.

Alle Verarbeitungsanlagen müssen von der „zuständigen Behörde“ zugelassen werden, so die Verordnung. Das gilt nicht nur für Tierfutterhersteller in Europa, denn für die Einfuhr von tierischen Nebenprodukten aus Drittländern gelten die gleichen Bedingungen wie innerhalb der EU.

Interessant zu wissen ist auch, dass die meisten großen Herstellungsbetriebe nach HACCP zertifiziert sind und auch danach arbeiten. Dieser Standard ist europaweit den Betrieben vorgeschrieben die Lebensmittel be- und verarbeiten.

Mein persönliches Fazit

Wer dieses Buch bereits kennt muss sich die Neuerscheinung nicht zwingend kaufen. Kann es aber tun. Wer dieses Buch in seiner Erstauflage nicht kennt und sich ein Bild machen möchte kann es sich gerne bei Amazon
oder einem anderen Buchhandel seiner Wahl kaufen. Sollte aber wirklich bedenken das hier wirklich sehr polarisierend geschrieben wurde und man manches vielleicht ein wenig differenzierter betrachten sollte.

Quellen:

Zitat aus Katzen würden Mäuse kaufen (Kapitel 1/Seite 29+30)
Verordnung 1774/2002 des europäischen Parlaments
Rechtliches zu HACCP
Futtermittelverordnung
Zulassungsverordnung für Betriebe die mit Lebensmittel tierischen Ursprunges umgehen



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