Political Correctness – Maulkorb und Einheitsmeinung?

Die Frage die sich mir persönlich stellt ist, wo fängt political correctness an und wo hört sie auf?

Es wird Pipi Langstrumpf umgeschrieben und nun ist die arme Kleine keine Tochter mehr eines Negerkönigs sondern er ist nun Südseekönig . Die Zigeuner aus dem Buch „Die kleine Hexe“ werden Messerwerfer und das die „10 kleinen Negerlein“ dieser „Überkorrektheit“ zum Opfer fielen – nun tragen wir sie halt zu Grabe unsere Kinderreime und Lieder.

Das hier teilweise Kulturgeschichte umgeschrieben, das hier Geschichte beschönigt wird – nun dieser Einwand wird rigoros vom Tisch gewischt. Es war nun mal zu der Zeit als die Werke entstanden, der absolut normale und übliche Sprachgebrauch ob es gut oder nicht gut war, steht außer Frage.

Das Wort Zigeuner nicht unbedingt negativ behaftet, negativ ist nur dies was wir daraus machen. Es gab viel früher die Rufe der Dorfbevölkerung „Räumt die Wäsch‘ rein, die Zigeuner kommen“ was selbstverständlich als negativ zu werten ist. Lauschen wir aber den Klängen der Musik und Zigeunerweisen so entsteht vor unserem inneren Bild eine wunderbare Lagerfeueratmopshäre, Lebensfreude, Lachen und Zusammenhalt und wer denkt nicht beim Zigeunerbaron an einen heißblütig, temperamentvollen schwarzgelockten Mann?

Kulturgeschichte adé?

Aber weil wir schon bei Kulturgeschichte sind, wollen wir nicht auch gleich Emmerich Kálmáns Operette „Die Csardasfürstin“ umschreiben? Immerhin entspricht das Lied „Komm Zigan“ ja nicht mehr dem absoluten Gutmenschentum mit dessen Mäntelchen wir uns kleiden wollen.

Und oh mein Gott – da gibt es ja noch den Zigeunerbaron von Johann Strauss und über den Zigeunerprimas von Emmerich Kálmán sollten wir dann auch noch mal nachdenken.

Bezeichne einen Sinti als Roma und er wird beleidigt sein, bezeichne ihn als Zigeuner wird er lachen und umgekehrt. Und moment mal, die bekanntesten Vertreter der „Zigeuner“ sind sicherlich Roma und Sinta aber es gibt noch weitaus mehr und sie sind auf allen Kontinent vertreten aber mal ehrlich wer kennt die Jenischen? Auch sie gehören dieser Bevölkerungsgruppe an.

Faszinierend zu beobachten ist auch, das sämtliche Gruppen sich selber als Zigeuner bezeichnen und dies nicht als Diskriminierung auffassen, ganz im Gegenteil.

Interessant zu beobachten ist, dass dieser Hype um policital correctness erst in den 80ern seinen Ursprung in Amerika hatte, einem Land das sich in der Geschichte nicht wirklich rühmlich bekleckert hatte und 1991 das erste Mal in Deutschland political correctness in einem Beitrag der Südwest-Presse „ Multi-kultureller Joghurt – In amerikanischen Universitäten greift ein neuer Sprach-Terror um sich“ erwähnt wurde. Der Verfasser dieses Artikels wusste damals sicher nicht wie recht er mit seiner Titelzeile behalten sollte.

Einheitsmeinung, Einheitsbrei?

Interressant ist auch eine Rede von Christoph Blochers auf dem Jahreskongress der Schweizer Presse, in der er sagte, es gebe in der Schweiz eine Reihe von „Tabuthemen“, die von den Medien systematisch ausgeklammert würden. Als Ergebnis herrsche eine „feige Einheitsmeinung vor, diktiert von einer totalitär verstandenen ‚political correctness‘.

Zu einer Zeit als wir auf einer Welle ganz oben schwammen, es gab genug Arbeit, Geld, etc. es ging uns wirtschaftlich nie so gut wie in diesen Jahren. Ja da hat man schon die Zeit und Muße sich solchen Dingen zu widmen. Vielleicht sollte man sich eher den aktuellen Dingen widmen und nicht nachträglich versucht werden Geschichte zu ändern, denn mir persönlich stellt sich dann die Frage – wo fängt man an, wo hört man auf? Heute sind es die Kinderbücher, was ist morgen dran?

Wir haben doch alle mal in der Schule gelernt, dass einzelne Wörter an sich nicht böse sein können. Nur im Zusammenhang mit anderen Wörtern oder im Satz kann es böse sein. Wer denkt denn bitte daran dass das Wort Schwein böse ist? Zunächst einmal ist es ein liebenswertes Borstentier das uns liebenswerter Weise als Schnitzel, Kotelett oder Filet-Lieferant dient. Setzt man aber ein dumm vor das Schwein oder sagt einfach seinem Gegenüber „Du Schwein“ ich glaube die Empörung wäre groß.

Aber political correctness erstreckt sich ja nicht nur auf einzelne Wörter sondern interessanterweise auch auf politische Anschauungen.

Während man ohne weiteres mal kurz den Papst kritisieren darf, ist Kritik am Islam absolut verpönt.

Warum, auch im Islam gibt es positive aber auch negative Aspekte wie im Christentum und radikale Fundamentalisten gibt es überall man möge doch nur mal bitte an diverse Selbstmordattentäter denken oder an die Kreuzzüge und so weiter. Und an die Missionierung „Eingeborener“ sollten sich so manche Christen erinnern wenn sie mal wieder über die bösen Islamisten und ihre „Predigen“ ablästern.

Ich persönlich werde weiterhin mich begeistert meinen Zigeunerschnitzel widmen, verbinde ich damit doch eher Feuer, Leidenschaft und leckeres Essen und keine diskriminierte Volksgruppe.

 

In dem Sinne

Mahlzeit :-)


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