Katzen & Pheromone – Wie Duftstoffe Verhalten, Stress und Zusammenleben beeinflussen
Was sind Pheromone?
Pheromone sind chemische Botenstoffe, die von Tieren – und auch von Menschen – ausgeschieden werden, um bei Artgenossen bestimmte Reaktionen auszulösen. Sie wirken unbewusst: Man riecht sie nicht wie ein Parfüm, aber der Körper reagiert darauf.
Kurz gesagt: Pheromone sind natürliche Duftstoffe, die Verhalten, Stimmung und Kommunikation beeinflussen.
Typische Beispiele aus der Natur:
- Reviermarkierung
- Partnersuche
- Beruhigung innerhalb einer Gruppe
- Signale zur Paarungsbereitschaft
Auch Katzen nutzen Pheromone intensiv – durch Reiben, Kratzen, Markieren oder soziale Interaktion.
Die wichtigsten Pheromon-Arten bei Katzen
Gesichtspheromone (F1–F5) – für Sicherheit und Wohlbefinden
Diese Pheromone werden freigesetzt, wenn Katzen mit dem Kopf an Möbeln, Menschen oder anderen Katzen reiben.
- F3-Pheromon:
Das bekannteste. Es signalisiert „Hier fühle ich mich sicher“.
→ Wird in vielen Beruhigungsprodukten wie Feliway Classic nachgebildet. - F4-Pheromon:
Dient der sozialen Bindung.
→ Katzen markieren damit vertraute Personen oder andere Katzen als „Freunde“. - F5-Pheromon:
Wird mit Neugier und Erkundungsverhalten in Verbindung gebracht
Kratzpheromone
Beim Kratzen an Möbeln oder Kratzbäumen geben Katzen Duftstoffe aus den Pfotenballen ab.
Bedeutung:
„Das ist mein Revier“ – aber auch Stressabbau und Kommunikation mit anderen Katzen.
Harnmarkierungs-Pheromone
Beim Sprühen oder Markieren mit Urin werden Pheromone abgegeben, die Reviergrenzen, Stress oder sexuelle Bereitschaft signalisieren.
Wichtig:
Harnmarkieren ist nicht dasselbe wie normales Pinkeln – es ist Kommunikation.
Sexuelle Pheromone
Diese spielen vor allem bei unkastrierten Tieren eine Rolle.
- Kätzinnen in der Rolligkeit senden Duftstoffe aus, die Katern signalisieren:
„Ich bin paarungsbereit“. - Kater setzen ebenfalls Pheromone frei, die Stärke und Fortpflanzungsfähigkeit anzeigen.
Mutter-Kitten-Pheromone
Katzenmütter geben spezielle Pheromone ab, die ihre Babys beruhigen und ihnen Orientierung geben.
→ Diese werden künstlich nachgebildet, z. B. in Feliway „Multicat“ (oder „Friends“), um Spannungen zwischen Katzen zu reduzieren.
Wofür Katzen Pheromone nutzen
- Sicherheit & Wohlbefinden
- Reviermarkierung
- Soziale Bindung
- Stressabbau
- Paarungsverhalten
- Kommunikation zwischen Mutter und Kitten
Wann Pheromonprodukte sinnvoll helfen
- Bei Stress, Angst oder Unsicherheit
Künstliche F3‑Pheromone (z. B. Stecker oder Sprays) können Katzen helfen, sich sicherer zu fühlen.
Typische Situationen, in denen das gut funktioniert:
- Umzug oder Renovierung
- Neue Möbel oder veränderte Umgebung
- Silvester, Gewitter, laute Geräusche
- Tierarztbesuche (Transportbox vorher einsprühen)
- Neue Menschen im Haushalt
Sie schaffen eine Art „vertraute Duftumgebung“, die Katzen beruhigt.
- Bei Spannungen zwischen mehreren Katzen
Hier kommen meist Produkte zum Einsatz, die das Mutter-Kitten-Pheromon nachbilden.
Sie können helfen bei:
- Rivalität
- Rangeleien
- Anspannung zwischen zwei Katzen
- Zusammenführung von Katzen
Wichtig: Sie reduzieren Stress, aber sie lösen keine tiefen sozialen Konflikte allein.
- Bei Harnmarkieren (Stressmarkieren)
Wenn eine Katze aus Unsicherheit markiert, können Pheromone helfen, die Umgebung wieder „neutral“ und sicher zu machen.
Aber:
Wenn die Ursache medizinisch ist (z. B. Blasenentzündung), helfen Pheromone nicht – dann braucht es tierärztliche Behandlung.
- Bei Kratzmarkieren
Wenn Katzen aus Stress oder Revierunsicherheit Möbel zerkratzen, können Pheromone helfen, das Verhalten zu reduzieren – in Kombination mit guten Kratzmöglichkeiten.
Wann Pheromonprodukte NICHT helfen
- Wenn ein medizinisches Problem dahintersteckt
Beispiele:
- Schmerzen
- Blasenentzündung
- Schilddrüsenüberfunktion
- Demenz
- Parasiten
Hier wirken Pheromone nicht, weil die Ursache körperlich ist.
- Wenn das Verhalten gelernt oder belohnt wurde
Beispiel: Eine Katze miaut nachts, weil sie gelernt hat, dass sie dann Aufmerksamkeit bekommt.
→ Pheromone ändern dieses Muster nicht.
- Bei echten sozialen Konflikten
Wenn zwei Katzen sich wirklich nicht leiden können, helfen Pheromone allein nicht.
Sie können die Stimmung entspannen, aber:
- getrennte Ressourcen
- kontrollierte Zusammenführung
- Verhaltenstraining
sind trotzdem nötig.

- Wenn die Umgebung nicht katzengerecht ist
Pheromone können Stress senken, aber sie ersetzen nicht:
- Rückzugsorte
- erhöhte Plätze
- ausreichend Kratzmöglichkeiten
- saubere Toiletten
- Beschäftigung
- Wenn falsche Erwartungen bestehen
Pheromone wirken sanft, nicht wie ein Schalter.
Sie brauchen oft:
- 1–2 Wochen, bis man eine Veränderung merkt
- konsequente Anwendung
- Kombination mit anderen Maßnahmen
Kurz gesagt
Pheromone helfen gut bei:
- Stress
- Unsicherheit
- Veränderungen
- leichter Anspannung zwischen Katzen
- stressbedingtem Markieren oder Kratzen
Sie helfen nicht bei:
- Krankheiten
- echten Aggressionsproblemen
- falscher Haltung
- erlerntem Verhalten
Was für Pheromon-Produkte gibt es?
Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Pheromonprodukten für Katzen – aber sie lassen sich gut in drei Hauptkategorien einteilen. Ich erkläre dir die Varianten so, dass du schnell erkennst, wofür welches Produkt gedacht ist.
1. Produkte mit „Beruhigungs‑Pheromonen“ (F3‑Pheromon)
Diese ahmen das Gesichtspheromon nach, das Katzen abgeben, wenn sie sich wohl und sicher fühlen.
Typische Formen:
- Steckdosen‑Verdampfer (für ganze Räume)
- Sprays (für Transportbox, Liegeplätze, Möbel)
- Tücher / Pads (für Transport oder Tierarzt)
Wofür geeignet:
- Stress, Angst, Unsicherheit
- Umzug, neue Möbel, Renovierung
- Silvester, Gewitter
- Transportbox, Tierarztbesuch
- Markieren aus Stress
2. Produkte für Mehrkatzenhaushalte (sozial beruhigende Pheromone)
Diese enthalten synthetische Varianten des Mutter-Kitten-Pheromons, das Bindung und Harmonie fördert.
Typische Formen:
-
- Steckdosen‑Verdampfer
- Sprays (seltener)
Wofür geeignet:
- Spannungen zwischen Katzen
- Rangeleien, Eifersucht
- Zusammenführung neuer Katzen
- Stress in Mehrkatzenhaushalten
Wichtig: Sie reduzieren Stress, lösen aber keine tiefen Feindschaften allein.
3. Produkte gegen Kratzmarkieren
Diese kombinieren oft Pheromone mit Kratzverhalten‑Management.
Typische Formen:
-
- Sprays, die auf betroffene Stellen aufgetragen werden
- Kombiprodukte mit Kratzbrettern
Wofür geeignet:
- Stressbedingtes Kratzen an Möbeln
- Revierunsicherheit
- Umgebungsveränderungen
Zusätzliche Varianten (weniger verbreitet)
- Halsbänder mit Pheromonfreisetzung
→ wirken mild, aber kontinuierlich - Tücher für Tierarzt oder Transport
- Reinigungssprays, die Pheromone enthalten
→ zur Nachbehandlung von markierten Stellen
Kurz gesagt
Pheromonprodukte gibt es hauptsächlich als:
- Stecker (für dauerhafte Raumatmosphäre)
- Sprays (für gezielte Anwendung)
- Halsbänder (für unterwegs oder Dauerwirkung)
- Pads/Tücher (für Transport oder punktuelle Situationen)
Und sie wirken je nach Produkt auf:
- Beruhigung
- soziale Harmonie
- Stressbedingtes Markieren oder Kratzen
Wissenschaftliche Quellen zu Katzenpheromonen
- F3-Gesichtspheromon (Beruhigung, Wohlbefinden)
Diese Substanz ist am besten untersucht, weil sie in vielen synthetischen Präparaten nachgebildet wird.
Wichtige Studien:
- Pageat, P. (1996). Functions and uses of the facial pheromones in the treatment of urine marking in the cat.
→ Grundlegende Arbeit, die erstmals die therapeutische Nutzung von F3 beschreibt. - Mills, D. S., et al. (2011). A meta-analysis of studies using synthetic feline facial pheromone (F3) for stress reduction.
→ Zeigt, dass F3 in vielen Situationen Stress reduziert. - Griffith, C. A., et al. (2000). Effects of a synthetic facial pheromone on behavior of cats during transport.
→ Belegt, dass F3 Transportstress mindern kann.
- F4-Gesichtspheromon (soziale Bindung, Mehrkatzenhaushalt)
Dieses Pheromon ist weniger bekannt, aber gut dokumentiert.
Wichtige Studien:
- Pageat, P. & Gaultier, E. (2003). Current research in canine and feline pheromones.
→ Beschreibt die Rolle von F4 bei sozialem Verhalten. - Gaultier, E., et al. (2005). Comparison of the efficacy of a synthetic analogue of the feline F4 facial pheromone with clomipramine in reducing intercat aggression.
→ Zeigt, dass F4 bei Spannungen zwischen Katzen helfen kann.
- Interdigitales Kratzpheromon (Kratzmarkieren)
Dieses Pheromon wird beim Kratzen abgegeben und ist ebenfalls synthetisch nachgebildet worden.
Wichtige Studien:
- DePorter, T. L., et al. (2019). Evaluation of a synthetic feline interdigital semiochemical on feline scratching behavior.
→ Belegt, dass synthetische Kratzpheromone unerwünschtes Kratzen reduzieren können.
- Sexuelle Pheromone
Diese sind biologisch gut erforscht, aber therapeutisch weniger relevant.
Wichtige Studien:
- Mills, D. S. & Marchant-Forde, J. (2010). The Encyclopedia of Applied Animal Behaviour and Welfare.
→ Enthält eine Übersicht über sexuelle Pheromone bei Katzen.
Was sagen systematische Übersichtsarbeiten?
Es gibt mehrere Reviews, die die Wirksamkeit synthetischer Pheromone zusammenfassen:
- Frank, D., et al. (2010). Systematic review of the use of pheromones for treatment of undesirable behavior in cats and dogs.
→ Ergebnis: Pheromone können helfen, aber die Wirkung ist situationsabhängig. - Mills, D. S. & Redgate, S. E. (2016). A review of pheromone-based interventions for cats.
→ Bestätigt Nutzen bei Stress, Markieren und sozialer Spannung.
Kurzfazit
Die Forschung zeigt klar:
- F3 → gut belegt für Stressreduktion
- F4 → hilfreich bei sozialer Spannung
- Interdigitalpheromon (FIS) → wirksam gegen unerwünschtes Kratzen
- Sexuelle Pheromone → biologisch gut erforscht, aber therapeutisch kaum genutzt
Hat dir dieser Beitrag gefallen und du möchtest auch in der Zukunft keine tollen Tipps zur Katzenhaltung oder interessante Produktempfehlungen verpassen?
Abonniere einfach unseren Blog und erhalte die neuesten Beiträge einfach direkt in den Mailfach.
Gerne darfst du auch unsere Beiträge mit anderen Katzenliebhabern teilen.

