Inselkatzen – Die vergessenen Seelen von Kreta
Kretas Straßenkatzen – Alltag auf Samtpfoten
Wer einmal durch die verwinkelten Gassen eines kretischen Dorfes geschlendert ist, kennt sie: Katzen auf Fenstersimsen, in schattigen Hauseingängen, auf warmen Steinmauern dösend oder neugierig zwischen Café-Tischen umherstreifend.
Sie sind allgegenwärtig aber auch ein wichtiger Tourismusfaktor mittlerweile. Kreta ohne Katzen absolut undenkbar. Auch in den diversen Touristenläden sieht man Souvenirs mit Katzen ohne Ende. Als Katzenmama ist es da schwer daran vorbeizugehen.
Für viele sind sie charmante Urlaubsbegleiter – doch hinter den bernsteinfarbenen Augen verbirgt sich oft ein harter Überlebenskampf.
Halbwild und doch heimisch
Die Katzen auf Kreta gehören niemandem – und gleichzeitig jedem.
Viele leben frei, werden aber regelmäßig von Anwohner gefüttert oder von Tavernen Besitzern geduldet. Manche sind zutraulich und fordern Streicheleinheiten ein, andere verschwinden beim kleinsten Geräusch in der nächstgelegenen Mauerlücke.
Es haben sich Kolonien gebildet (soviel zum Thema Katzen sind Einzelgänger) Rivalität gibt es nur unter den Katern. Ansonsten lebt man mehr oder weniger friedlichen Miteinander.
Wenn sie jung und hübsch anzusehen sind, sind sie in Hotelanlagen auch gerne gesehene Gäste – sind die Touristen doch immer wieder so verzückt über sie.
Aber wehe sie sind krank, von der erbarmungslosen Sonne Kretas gezeichnet – dann werden sie verjagt. Wer mag schon den Anblick einer Katze mit halbverfaulten Ohren beim Morgenkaffee?
Dont’t touch me!
Die Katzen Kretas gehören meist niemanden, zumindest fühlt sich niemand verantwortlich dafür mit dem Tier zum Arzt zu gehen. Über eine Kastration wollen wir erst gar nicht reden.
Aber interessanterweise will ein jeder „die“ Katze antatschen.
Als ich in Rethymno war, sah ich eine Katze selig schlafend auf einer Bar liegen – ihr ahnt gar nicht wie viele extra einen kleinen Umweg machten nur um diese eine schlafende Katze zu streicheln.
Am liebsten hätte ich einen jeden einzelnen angebrüllt mit den Worten „Was stimmt bitte bei dir nicht?“ Aber ich fürchte die meisten hätten mich gar nicht verstanden.
Aber bitte wer gibt ihnen das Recht eine schlafende Katze einfach abzugraben? Bei dieser Katze hatten die Touristen Glück, die war tatsächlich absolut „schmerzbefreit“.
Die Touristin bei einer anderen Katze hatte nicht das Glück, die musste Bekanntschaft mit den messerscharfen Krallen der Katze machen. Und die Katze hatte alles absolut richtig gemacht, aber auch hier wurde einfach sich das Recht herausgenommen sie beim Schlafen einfach streicheln zu können.
Hört auf die Katzen zu bedrängen, wenn sie gestreichelt werden wollen, werden sie es euch schon ganz deutlich signalisieren.
So wie diese Katze in der Taverne, die meinen Mann einfach auf den Schoß sprang und dort nicht mehr weg wollte 😊
Ein Leben zwischen Hoffnung und Hunger
Geboren im Müll, profitieren sie in den Sommermonaten von tierlieben Touristinnen, bei denen immer wieder das eine oder andere Stückchen abfällt. Hin- und wieder erbarmen sich auch Touristen und kaufen im nahegelegenen Supermarkt Katzenfutter. In manchen Regionen ist dies im Sommer tatsächlich das Produkt mit der höchsten Umschlaghäufigkeit.
Aber meist müssen sich die Katzen mit den Resten begnügen, mit den Resten, die überbleiben aber für sie eigentlich keinen Nutzen oder Nährwert haben. Davon wird man nicht satt und vor allem gesund satt.
Im Winter sinkt nicht nur die Temperatur – auch die Nahrungsquellen versiegen.
Die Touristen sind abgereist, die Hotelanlagen geschlossen und die Hotelangestellten sind auch zu ihren Familien gefahren, um sich für die neue bevorstehende Saison zu stärken und von den Strapazen der vergangenen Monate zu erholen.
Krankheiten, Verletzungen und unkontrollierte Vermehrung sind große Herausforderungen für die Tiere und die wenigen Helferinnen vor Ort.
Und wenn man sich die Helfer mal näher ansieht und alles nicht mehr durch die rosarote Touristenbrille betrachtet, wird man feststellen, dass die Tierschutzbemühungen nicht von den Einheimischen ausgehen, sondern von Auswanderern aus Holland, England, Belgien und Deutschland die auf Kreta eine neue Heimat gefunden haben.
Solange sich hier nichts Grundlegendes ändert – solange sich die Kreter nicht selbst bewusst werden das sie hier tierschutzrelevant agieren müssen, solange wird sich leider nichts ändern.
Wegsehen oder helfen?
Die Frage, ob man wegsehen oder helfen sollte, stellt sich vielen Urlauberinnen und Urlaubern früher oder später. Und tatsächlich gibt es Möglichkeiten, aktiv zu werden.
Dieser Beitrag ist der Auftakt einer Serie, die diesen besonderen Katzen eine Stimme geben will – leise, aber eindringlich. Lass uns gemeinsam hinter die Kulissen blicken, ihre Geschichten erzählen und vielleicht einen kleinen Unterschied machen.
Hat dir dieser Beitrag gefallen und du möchtest auch in der Zukunft keine tollen Tipps zur Katzenhaltung oder interessante Produktempfehlungen verpassen?
Abonniere einfach unseren Blog und erhalte die neuesten Beiträge einfach direkt in den Mailfach.
Gerne darfst du auch unsere Beiträge mit anderen Katzenliebhabern teilen.


