Zwischen Garküchen, Blumenständen und Tiermärkten: Ein Blick hinter die Kulissen von Shanghai
In den vergangenen Beiträgen habe ich euch bereits auf einige meiner Abenteuer in Shanghai mitgenommen. Gemeinsam haben wir Wolkenkratzer bestaunt, den Oriental Pearl Tower erklommen, Pandas besucht und sogar einen Abstecher in ein Hello-Kitty-Restaurant gemacht. Doch heute möchte ich euch eine ganz andere Seite dieser faszinierenden Metropole zeigen, nämlich jene, die man nicht auf den typischen Postkarten findet.
Denn wenn ich reise, interessieren mich nicht nur Sehenswürdigkeiten, sondern vor allem die Menschen, ihr Alltag und die Orte, an denen sich das echte Leben abspielt. Genau deshalb zog es mich an diesem Tag auf die unterschiedlichsten Märkte der Stadt, wo ich nicht nur spannende Entdeckungen machte, sondern auch manches sah, das mich zum Nachdenken brachte.
Zufällig auf dem Fake Market gelandet
Eigentlich hatte ich gar nicht vorgehabt, einen sogenannten Fake Market zu besuchen. Wie so oft auf Reisen führte jedoch der Zufall Regie und so fand ich mich plötzlich unweit der Zhonghua Road auf einem Markt wieder, auf dem es scheinbar alles zu kaufen gab, was das Herz begehrt.
Zwischen Elektronik, Haushaltsgeräten und allerlei Technikspielereien stapelten sich Produkte, die bekannten Marken verblüffend ähnlich sahen. Bei manchen Artikeln erkannte man sofort, dass es sich nicht um Originale handelte, bei anderen musste man schon genauer hinschauen.
Endgültig klar wurde mir die Sache allerdings, als ich über einen Hello-Kitty-Wecker stolperte. Unter normalen Umständen wäre dieser vermutlich direkt in meiner Tasche gelandet, doch der etwas eigenwillige Schriftzug ließ keinen Zweifel daran, dass hier kreative Freiheit wichtiger war als Markenschutz.
Ehrlicherweise sind solche Märkte nicht wirklich meine Welt. Abgesehen davon, dass ich Fälschungen ohnehin wenig abgewinnen kann, schwingt bei jedem Kauf die Frage mit, ob die Ware die Heimreise durch den Zoll überhaupt problemlos überstehen würde. Also zog ich nach kurzer Zeit weiter und machte mich auf den Weg durch die umliegenden Straßen.

Dort, wo Shanghai lebt und duftet
Und genau dort begann für mich der eigentlich spannende Teil des Tages.
Je weiter ich mich von den großen Einkaufszentren und touristischen Hotspots entfernte, desto mehr hatte ich das Gefühl, in das echte Shanghai einzutauchen. Kleine Geschäfte reihten sich aneinander, dazwischen immer wieder winzige Lebensmittelläden, Imbissstände und Garküchen, aus denen die unterschiedlichsten Düfte strömten.
Dabei stellte ich recht schnell fest, dass es offenbar eine universelle Regel gibt, die nicht nur in Deutschland funktioniert: Wo viele Einheimische Schlange stehen, gibt es meistens gutes Essen.
An nahezu jeder Ecke wurden Dumplings, Buns und die berühmten Tea Eggs angeboten, während auf kleinen Grillstationen Fleischspieße brutzelten und frischer Oktopus verkauft wurde. Besonders beliebt schienen außerdem Joghurt-Drinks und frisch gepresste Fruchtsäfte zu sein, denen man kaum entkommen konnte.
Zwar war mein Entdeckergeist durchaus vorhanden, doch auch meine Experimentierfreude hat ihre Grenzen. Während manche Stände einen überaus vertrauenswürdigen Eindruck machten, beschränkte ich mich bei anderen lieber aufs Fotografieren. Man muss schließlich nicht jede kulinarische Herausforderung zwangsläufig annehmen.

Die faszinierenden Markthallen
Besonders beeindruckt haben mich die Markthallen Shanghais, in denen die Händler dicht an dicht ihre Waren anboten. Obst, Gemüse, Gewürze, Kräuter, Fisch und Fleisch wurden mit sichtbarem Stolz präsentiert und obwohl die Kühlung teilweise nicht ganz unseren europäischen Vorstellungen entsprach, wirkte vieles erstaunlich frisch und hochwertig.
Ich musste dabei mehrfach an meinen Mann denken, der an manchen Stellen vermutlich leichte Schnappatmung bekommen hätte. Gleichzeitig konnte ich aber nicht leugnen, dass die angebotenen Produkte oft ausgesprochen appetitlich aussahen.
Für zusätzliche Unterhaltung sorgten die Marktschreier, die lautstark ihre Waren anpriesen. Obwohl ich kein einziges Wort verstand, war sofort klar, was dort gerade passierte. Die Gestik, die Lautstärke und die Leidenschaft waren exakt dieselben wie auf Märkten bei uns.
Manche Dinge scheinen wirklich überall auf der Welt gleich zu funktionieren.

Die berühmte Fressmeile von Shanghai
Am Abend verschlug es mich schließlich in eine Seitenstraße der Nanjing Road, die sich bei Einbruch der Dunkelheit in eine regelrechte Fressmeile verwandelte.
Überall dampfte, brutzelte und duftete es. Brot wurde direkt über offenem Feuer gebacken, daneben köchelten Suppen und unzählige kleine Spezialitäten warteten darauf, probiert zu werden.
Es war einer dieser Orte, an denen man stundenlang stehen bleiben könnte, einfach nur um die Atmosphäre aufzusaugen. Die Mischung aus Stimmengewirr, Essensdüften und geschäftigem Treiben erzeugte eine ganz besondere Stimmung, die mir bis heute in Erinnerung geblieben ist.
Der Markt, vor dem ich am meisten Respekt hatte
So spannend die Lebensmittelmärkte auch waren, der Ort, den ich unbedingt besuchen wollte, war ein Pflanzen- und Heimtiermarkt.
Als Tierliebhaberin war meine Neugier natürlich riesig.
Gleichzeitig hatte ich aber auch ein etwas mulmiges Gefühl.
Nachdem ich mich mit dem Taxi zur Jiang Yin Lu und Xizang Lu hatte bringen lassen, wurden meine Sinne zunächst von wunderschönen Blumenarrangements und liebevoll gestalteten Gestecken empfangen. Blumen können sie in Shanghai wirklich arrangieren, das muss man ihnen lassen.
Zwischen zwei Häusern führte schließlich ein unscheinbarer Durchgang tiefer in den Markt hinein und je weiter ich den schmalen Wegen folgte, desto mehr veränderte sich die Atmosphäre.

Begegnungen, die nachdenklich machen
Neben Pflanzen und Zubehör tauchten plötzlich immer mehr Tiere auf.
Hamster, Mäuse, Streifenhörnchen und andere Kleintiere wurden zum Verkauf angeboten, häufig in Gehegen, die aus meiner Sicht viel zu klein waren. Auch die Aquarien wirkten deutlich dichter besetzt, als wir es in Europa gewohnt sind.
Besonders schwer fiel es mir jedoch, die Käfige mit Hunde- und Katzenwelpen anzusehen.
Teilweise wirkten die Tiere noch sehr jung und saßen auf Gitterböden ohne Rückzugsmöglichkeiten oder gemütliche Schlafplätze. Als Katzenliebhaberin ging mir dieser Anblick natürlich nahe, zumal dort nicht nur Hauskatzen, sondern auch zahlreiche Rassekatzen wie British Kurzhaar, Scottish Folds oder Exotic Shorthair angeboten wurden.
Es waren Bilder, die man nicht einfach ausblendet.

Zwischen Gegensätzen und Veränderungen
Gleichzeitig wäre es aber falsch, daraus ein pauschales Urteil über die Tierhaltung in Shanghai abzuleiten, denn die Wirklichkeit zeigte sich deutlich vielschichtiger.
Nur wenige Straßen weiter begegnete ich Katzen, die offensichtlich geliebt und umsorgt wurden. Da war die Katze im Schuhladen, die entspannt auf einem Stapel Kartons lag und das Leben sichtbar genoss, oder die wunderschöne halblanghaarige Katze in einem Schmuckgeschäft, die sich geduldig ihre Streicheleinheiten abholte.
Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist mir allerdings ein rotgetigerter Kater in einem Tiergeschäft, der mit einer beeindruckenden Portion Selbstbewusstsein durchs Leben zu gehen schien. Er wusste ganz genau, wie fotogen er war, und präsentierte sich vor meiner Kamera entsprechend professionell.
Hier wurde mir bewusst, wie unterschiedlich der Umgang mit Haustieren in Shanghai sein kann.
Während Tiere in manchen Bereichen der Gesellschaft noch immer eher einem praktischen Zweck dienen, betrachtet besonders die aufstrebende Mittelschicht Hunde und Katzen zunehmend als Familienmitglieder. Gleichzeitig gibt es Menschen, die ihre Tiere regelrecht wie Statussymbole behandeln.
Vielleicht wäre ein gesundes Mittelmaß manchmal die beste Lösung.

Ein Wandel ist spürbar
Was mich letztlich jedoch positiv gestimmt hat, war die Erkenntnis, dass auch in China ein Umdenken stattfindet. Es gibt engagierte Tierschutzgruppen, die sich um Straßenkatzen kümmern, Kastrationen organisieren und kranke Tiere medizinisch versorgen.
Natürlich liegt noch ein weiter Weg vor ihnen.
Aber wenn ich eines auf dieser Reise gelernt habe, dann die Tatsache, dass Veränderungen Zeit brauchen und die Realität oft deutlich komplexer ist, als sie aus der Ferne erscheint.
Shanghai hat mich an diesem Tag gleichermaßen fasziniert, begeistert und nachdenklich gemacht. Vielleicht war es gerade deshalb einer der interessantesten Tage meiner gesamten Reise. Denn ich habe nicht nur Märkte besucht, sondern einen kleinen Einblick in den Alltag einer Stadt erhalten, die voller Gegensätze steckt und gerade deshalb so unglaublich spannend ist.
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