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Die Katze im modernen Satanismus

Immer wieder liest man gerne Warnungen wenn man schwarze Kätzchen abzugeben hat. Einer der beliebtesten Warnungen ist, dass diese Kätzchen als Tieropfer für Satanisten das Objekt der Begierde ist

Diesem Mythos geht in diesem Beitrag unsere Gastautorin Daniela Molnar auf den Grund

Die Katze im modernen Satanismus

PentagrammImmer wieder liest man Meldungen darüber, dass Katzen von Satanisten als Tieropfer dargebracht wurden. Handelt es sich hierbei um eine Tatsache oder um einen modernen Mythos? Einen Mythos, der die Rolle von Tieropfern in Religionen und im modernen Satanismus falsch versteht?

Um diese Frage beantworten zu können, sollte man die Stellung der Katze in der christlich geprägten Religion betrachten.

Die Katze findet in der Bibel (Einheitsübersetzung) in dem Buch Baruch Kapitel 6, Vers 21 lediglich eine Erwähnung als Randnotiz zum Erkennen, der falschen Götter.

Die Katze wird in der christlichen Frühzeit etwa um 623, in Isidors Etymologiae das erste Mal bewusst erwähnt[1]. Isidor von Sevilla hebt ihre Bedeutung als Jägerin hervor und schenkt, dem außergewöhnlichen Sehvermögen besondere Beachtung.

Johannes Diaconus auch bekannt als Johannes Hymmonides, bekannt durch die Vita Gregorii, berichtet er von einem Eremiten der nichts besaß. Er nannte nur eine Katze sein, eigen die er als Mitbewohnerin auf seinem Schoss streichelnd wärmte. Johannes Diaconus lebte zwischen 825 -880. Die nächste Erwähnung der Katze, findet sich im Christentum als gut zweihundert Jahre Später[2].

In dieser Frühzeit kommt es zu einer Vermischung des Christentums, mit dem Keltentum und dem Götterbild der Germanen. Das Book of Kells, welches um 791 entstanden ist, werden Katzen das erste Mal deutlich dargestellt.

In dieser Frühzeit, wird in der Chronicon Salernitanum von Katzen im Rahmen einer Hungersnot berichtet. Die Hungersnot war so groß das es zum Verzehr von Katzenfleisch kam[3].

In der frühchristlichen Neuzeit, schien die Katze keine besonders große Rolle zu spielen, weder als Jägerin noch als Zeichen einer Hexe. Dass die Katzen im alten Ägypten als Götter in Tempel zu Ehren der Göttin Bubastis verehrt wurden, schien vergessen. Auch der Brauch, die geliebte Katze dem Toten in Form einer Kanope mit in das Grab zu geben.

Noch im 12 Jahrhundert war die Ausbreitung der Hauskatze in Europa recht gering. Die meisten Knochenfunde aus der Zeit deuten darauf hin, dass die Katze eine besondere Bedeutung wegen ihrem Fell hatte. Ihre Eigenschaften als Jägerin, zum Schutze der Kornspeicher waren eher zweitrangig.

SatansbrautMit einem Mal änderte sich das Bild der Katze im Christentum, doch warum?

In der frühen christlichen Kirche, kam es zu einem Schisma. Die Katharer spalteten sich ab und galten fortan an als Ketzer oder Häretiker. Die damals entstandenen Natur Enzyklopädien wie z.B von Albertus Magnus waren christlicher Moral und Anstand unterworfen.

Negativ besetzt wurde das Bild der Katze, als die germanische Göttin Freya auf ihrem von Wildkatzen gezogenen Streitwagen, zu einer Dämonenbuhle erklärt wurde[4],[5].

In der Bulle Papst Gregors IX aus dem Jahre 1233, schildert der Papst eine Zusammenkunft von Ketzern. Bei diesem Treffen soll einem schwarzen Kater der Hintern erst geküsst worden sein und dann angebetet. Im Anschluss gaben sich der Ketzer der Unzucht hin[6].

Durch diese Vorstellung und jener weiterer christlicher Gelehrter, wandelt sich das Bild der Katze. Insbesondere der Kater wird ein Sinnbild für den Teufel und all seine Sünden und der Unzucht.

In dem Werke Dialogus Miraculorum von Caesarius von Heisterbach, wird die Vorstellungswelt des Mittelalters in Bezug auf Teufel und Dämonen verdeutlicht. Heisterbach war Novizenmeister in einem Zisterzienserkloster.

In Dialogform, ähnlich der Schule der Epikurer, vermittelt Heisterbach den Novizen, den Einfluss des Teufels in Gestalt eines einer Katzen. Dieses Sinnbild vereint, alles Negative: Hochmut, Lüsternheit, das Prinzip Gut und Böse.

Unbenannt-10Die Katze entwickelt sich in der christlichen Glaubenswelt immer weiter zu etwas dämonischem. Durch die Vorstellungswelt, wird die Katze auch Sinnbild für das damals negative weibliche[7].

Im Jahre 1478 erschien schließlich das Werk Malleus Maleficarium, auch bekannt als Hexenhammer. Verfasst des Dominikaners Heinrich Kramer zur Legitimation der Hexenverfolgung.

Im Hexenhammer finden sich immer wieder Erzählungen von Katzen, die auf eine gauklerische Art und Weise, den unschuldigen Christen nach dem Leben trachten, oder sie verführen wollen um ihre Seele in die Hölle zu reißen.

Im Rahmen der Inquisition, gab es immer wieder Geständnisse, von Frauen die sagten der Teufel sei ihnen als Kater erschienen, eine Katze habe sie verführt.

Ebenso auch Behauptungen das Katzen, Kinder töten würden oder das Hexen jemanden in eine Katze verwandelt hätten. Die Anzahl der Tierprozesse jener Zeit ist unüberschaubar[8].

Wilhelm Gottlieb Soldan, hat in seinem Werk: Geschichte der Hexenprozesse, unzählige Berichte über Katzen und ihrem verderbten Charakter zusammengetragen.

Das Christentum hat also die Katze selbst in die Nähe des Teufels gerückt.

Die Katze ist also ein Trugbild des Teufels. Doch warum sollte heute ein moderner Satanist, der das Christentum als ein Übel ansieht eine Katze opfern? Entspräche doch eine Opferung, genau dem was das Christentum in zahlreichen Tierprozessen gemacht hat.

Was sind Tieropfer eigentlich?

Satanismus_02Tieropfer finden sich auch im Christentum. Den Darstellungen der Bibel, lässt es sich entnehmen das Opfergaben nicht unüblich waren. In den antiken Religionen wurden den Göttern Tiere geopfert um sie zu besänftigen oder ihnen zu danken. Die Tiere wurden zu diesem Zwecke reich geschmückt, gereinigt und gepflegt um ihnen den Makel des Alltages zu nehmen. In einer Prozession wurden sie in den entsprechenden Tempel gebracht und Schnell getötet. Die besten Stücke Fleisch wurden über Feuer gebraten und den Opfern gebracht. Alle anderen Stücke wurden von den Gläubigen sofort verzehrt[9].

Auch in den modernen Religionen finden sich noch Tieropfer. Das koschere Schlachten im Judentum oder das Schächten. In den heutigen Vodookulten, sind Tieropfer durchaus üblich um böse Geister fernzuhalten oder die Götter zu besänftigen. Es ist eine kultische Handlung, die dazu dient sich der Gunst der Götter zu versichern.

Tieropfer im Satanismus? Ein Wiederspruch

In den Medien liest man immer wieder von Tieropfern im Satanismus. Doch warum? Der moderne Satanismus, der erst im frühen 20. Jahrhundert entstanden ist, kennt kein Konzept von einem Tieropfer. Denn man erringt nicht die Gunst eines Gottes, lehnt man doch alles göttliche ab.

Satanismus_03Dennoch wird der Satanismus immer wieder mit Gewalttaten gegen Tiere in Verbindung gebracht. Hier wird ein Mythos geschaffen, der auf der Vorstellungswelt des Bösen, aus dem Mittelalter basiert. Der Teufel selbst ist böse, alles was verwerflich erscheint muss also dem Teufel zugeordnet werden.

Der Mythos Satanismus wird also durch die Medien
neu geschaffen und in dieses Licht gerückt.

Der Satanismus und das Bild des Teufels sind also in Bezug zueinander gesetzt.[10]

Wie den Hexen, wird dem Satanismus unter dem Deckmantel der Weltanschauung, Gewalt unterstellt. Moderner Satanismus habe Sektencharakter, gibt es doch Berichte über eben jene Tieropfer und schwarze Messen. Der moderne Satanismus wird zu einem Feindbild pauschalisiert.

Die Medien bedienen sich in ihrer Satanismus Darstellung zahlreicher Stereotype, die sich seit dem Mittelalter nicht verändert haben[11]. Wurden sie da noch Hexen und dem Judentum entgegengebracht, finden sie heute Anwendung auf den modernen Satanismus.

Der moderne Satanismus geprägt durch LaVey und Aleister Crowley, kennt keine Tieropfer. So sind die meisten modernen Satanisten tatsächlich Vegetarier.

SatanismusDenn eine der neun satanischen Regeln, besagt das man nur das Fleisch von Tieren verzehren darf die man selbst erlegt hat. Schon allein diese Regel würde das Vorhandensein von Tieropfern im Satanismus ad Absurdum führen.

Im modernen Satanismus, verehrt man sich selbst, als stärkste Kraft. Man zwingt sich die christliche Doktrin zu hinterfragen.

Die in den USA als Kirche anerkannte Church of Satan, setzt sich für die vorurteilsfreie Resozialisierung von verurteilten Straftätern ein, während christliche Verbände die Todesstrafe fordern.

Das was im modernen Satanismus geopfert wird, ist das eigene selbst. Man verpflichtet sich dazu Dinge zu hinterfragen, nichts als gegeben hinzunehmen und sich auszuleben. Die eigene Bedürfnisbefriedigung steht im Vordergrund. Aber sie findet ihre Grenzen, dort wo man andere Verletzen, erniedrigen oder demütigen würde. Alles basiert auf Einwilligung. Ein moderner Satanist, opfert keine Tiere. Steht es doch im Wiederspruch zu seiner Lehre, das der Mensch das abscheulichste aller Tiere ist[12].

Bei all diesen Dingen darf nicht außer Acht gelassen, dass auch der moderne Satanismus Züge einer Religion hat und diese auch mit Vorsicht zu genießen sind.

Es bleibt festzustellen, dass Katzen durch das Christentum in die Nähe des Teufels gerückt wurden und das Tieropfer durchaus üblich waren im Christentum. Im modernen Satanismus wird alles Göttliche abgelehnt, Gewalt gegenüber Tieren wird abgelehnt.

Es ist ein moderner Satansmythos, basierend auf Jahrhundertelangem Aberglauben das Satanisten Katzen opfern würde. Zudem, warum sollten sie eine Katze Opfer, die im Christentum als Werkzeug des Teufels dient? Tatsächlich haben Christen mehr Katzen auf den Scheiterhaufen gebracht, misshandelt, gequält als moderne Satanisten.

[1] Originum seu etymologiarum libri XX, Isidor von Sevilla

[2] Vita Gregorii Johannes Diaconnus

[3] Chronicon Salernitanum a. a. 747-97

[4] Alanus ab Insulis, De fide catholica contra haereticos libri IV, ed.

[5] Eine seltsame Gefährtin: Katzen, Religion, Theologie und Theologen

[6] Quattuor epistolae Gregorii IX papae de haereticis Alamaniae,

[7] Historicum.net : Die Katze im Mittelalter

[8] Das fremde Mittelalter: Gottesurteil und Tierprozess, Peter Dinzelbacher

[9] Antike Religion von Bernhard Linke

[10] Satanismus als Neomythos

[11] Satanismus als Neomythos

[12] Anton Szander LaVey Die satanische Bibel



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