Die Wildkatze – zurück auf leisen Sohlen in Deutschland

2018 hatte die deutsche Wildtierstiftung die Wildkatze als das Tier des Jahres ausgewählt gehabt. Hintergrund war dabei sicherlich um die Bevölkerung über dieses tolle Lebewesen, dass immer mehr die deutschen Wälder erobert zu informieren.

Aber für uns Katzenliebhaber ist eigentlich immer Wildkatzen-Jahr.

Zu meiner absoluten Freude und Begeisterung gibt es unweit von mir den wunderbaren Wildpark Bad Mergentheim, der nicht nur zu den beliebtesten Touristenzielen in Deutschland zählt. Sondern neben vielen einheimischen Tierarten auch Wildkatzen beheimatet.

Ratet doch mal was ich dort im Wildpark liebend gerne fotografiere.

Die Wildkatzen im Wildpark Bad Mergentheim

Ehrlich, ich könnte stundenlang vor dem großen Wildkatzenareal sitzen (nein man kann es echt nicht Gehege nennen).

Genial war es im Wildpark Bad Mergentheim, als sie Nachwuchs bei den Wildkatzen hatten. Ich konnte bei dieser Gelegenheit so viele Ähnlichkeiten mit unseren Katzen feststellen. Spielen toben, raufen und dümmlich aus der Wäsche gucken – das hatten die genauso gut drauf wie unser vierbeiniger Nachwuchs.

Wildkatze, Felis silvestris silvestris, Taubertalperser, Katzenblog, unabhängiger Blog, InformationswebseiteApropos Nachwuchs, wusstet ihr, dass die Hybridisierungsrate hier in Deutschland Gott sei Dank relativ gering ist?

Sie liegt hier gerade mal bei knappen 3% Prozent, im Gegensatz zu Schottland.

Dies ist in Schottland allerdings auf die enorme Dezimierung der Wildkatze zurückzuführen, sie stand kurz vor der Ausrottung, und dem Fehlen der entsprechenden Paarungspartner.

Spät aber doch hat man dieses Problem erkannt und ein aufwändiges Zuchtprogramm ins Leben gerufen um den Artenerhalt der Wildkatze zu gewährleisten.

Das so ein „Blendling“ wie die Wildkatzenmixe genannt werden, in Deutschland äußerst selten ist hängt mit aber mit mehreren Faktoren zusammen. Im Übrigen sind Blendlinge nicht mit bloßem Auge zu erkennen.

Zum einen liegt es natürlich an der Paarungszeit, die bei den Wildkatzen bereits im Winter einsetzt und natürlich auch dem Lebensraum.

Während sich Wildkatzen hauptsächlich im Wald aufhalten, streifen Hauskatzen rund um Siedlungen und Feldern herum und lieben eher das offene Habitat. Klarheit erfolgt hier nur über einen entsprechenden Gen-Test.

Verbreitungsgebiete der Wildkatze

Wildkatze, Felis silvestris silvestris, Taubertalperser, Katzenblog, unabhängiger Blog, InformationswebseiteIn Deutschland haben die Wildkatzen zwei Hauptverbreitungsgebiete. Hunsrück, Eifel, Pfälzer Wald und Taunus beheimaten ca. 1.3000 – 2.800 Wildkatzen.

Das zweite große Verbreitungsgebiet umfasst Wälder im Harz, Solling, Kyffhäuser und den Hainich.  Im Hainich gibt es übrigens eine Wildkatzenscheue mit einer entsprechenden Ausstellung n Wildkatzenpfad sowie ein Wildkatzendorf um interessierte Besucher mehr über die Lebensweise von Wildkatzen zu informieren.

Der Nationalpark Hainich ist auf jeden Fall einen Besuch wert, ist er immerhin Deutschlands größter zusammenhängender Naturpark mit wunderschönem Baumbestand und traumhaften Wanderwegen.

In Bayern ist es auch mittlerweile gelungen im Spessart wieder Wildkatzen anzusiedeln und auf leisen Pfoten haben sie es schon bis zu uns ins Taubertal gebracht.

Sichtungen wurden schon im Main-Tauber-Kreis gemeldet aber auch bei Aalen wurden schon verifizierte Meldungen zu Wildkatzen erfasst.

Gefahrenquelle Straßenverkehr

Die größte Gefahr für die europäische Wildkatze ist und bleibt der Straßenverkehr. Vielfach zerschneiden Straßen und Autobahnen ihre Reviere und auf der Suche nach Paarungspartner oder Nahrung kommt es immer wieder für die Wildkatzen zu tödlichen Begegnungen.

Zahlreiche Totfunde sprechen eine sehr deutliche Sprache, regionsweise macht dies sogar 5% der Population im Jahr aus.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich hier einige Organisationen sehr stark um den Schutz und Erhalt der Population bemühen und zahlreiche Studien und Forschungen vorantreiben um den Erhalt der Wildkatzen zu sichern und auszubauen.

Forschungsprojekte

Wildkatze, Felis silvestris silvestris, Taubertalperser, Katzenblog, unabhängiger Blog, InformationswebseiteEin äußerst interessantes Forschungsprojekt wurde im Übrigen kofinanziert durch die Landesjagdabgabe. Leider finden solche äußerst positiven Dinge nicht den Weg durch die sozialen Medien, da wird nur lieber auf die Jäger geschimpft, das von denen aber nur ein geringer Prozentsatz „Idioten“ ist kehrt man gerne unter den Tisch.

Aber ich schweife ab, in diesem Projekt wurde über 5 Jahre lang,  die Wildkatze in den Rheinauen und am Kaiserstuhl untersucht in einer intensiv genutzten Kulturlandschaft.

Ein äußerst interessantes und faszinierendes Projekt. Aber auch hier im Projektzeitraum  wurde von zwei jungen Wildkatzen (Hänsel & Gretel) berichtet, die irrtümlich für verwaiste Hauskatzen gehalten wurden.
Die zwei Wildkätzchen wurden bei Bühl/Baden im Wald gefunden und nach der artgerechten Aufzucht mit GPS-Sendern versehen und ausgewildert.

Dieses Projekt diente zur Erforschung des Lebensraum und des Bewegungsradius der europäischen Wildkatze in einer genutzten Landschaft (Landwirtschaft etc.) Wildkatzen wurden gefangen, mit GPS-Sendern versehen und dann wieder freigelassen. Mithilfe der GPS-Daten konnte man ganz genau sehen wo und wie die Katzen sich bewegten, es konnte auch eine erfolgreiche Reproduktion festgestellt werden sowie leider auch Todfunde von besenderten Wildkatzen, die Opfer des Straßenverkehrs wurden.
Anhand der GPS-Daten konnte man aber genau ersehen, dass die Wildkatze bewohnte Gebiete meidet und den Wald als ihre Heimat und Revier ansieht.

Eine Wildkatze war sogar dabei, die durch den Rhein auf eine Insel geschwommen ist um später dann wieder zurückzuschwimmen. Also der Rhein bildet keine Barriere für die Wildkatzen und so kommt es auch auf der deutschen Seite im Saarland zu entsprechender Wildkatzenpopulation und Ausbreitung.

Diese durchaus faszinierende Projektarbeit liefert für viele weitere Vorhaben wertvolle Hinweise und wird gerne herangezogen um entsprechende Wildkatzenkorridore zu errichten.

Wildkatzenkorridore

Aufgrund der erfreulicherweise steigenden Population der europäischen Wildkatze kommt es leider auch verstärkt zu Todesopfer im Straßenverkehr. Wir haben in Deutschland nicht mehr viele zusammenhängende Waldflächen und viele sind mit Straßen oder Autobahnen durchzogen.

So ist nun BUND daran Wildkatzenkorridore zu errichten damit hier Wildkatzen oder auch anderes Wild gefahrlos andere Wälder, Regionen und Reviere erreichen können.

Projekt Wildkatzensprung

Im Rahmen des seit 2012 laufenden Projektes „Wildkatzensprung“ schafft der BUND aktuell in sechs Bundesländern Korridore und wertet Biotope auf:

  • Hessen: Rothaargebirge – Knüll
  • Rheinland-Pfalz: Westerwald/Taunus – Rothaargebirge
  • Niedersachsen: Harz – Solling
  • Baden-Württemberg: Schwarzwald – Schwäbische Alb
  • Thüringen: Rhön – Haßberge (Verbindung der Wildkatzenkorridore mit dem Grünen Band)
  • Nordrhein-Westfalen: Biotopverbesserung in der Nordeifel
  • Für Sachsen ist eine Korridorplanung vorgesehen. Diese dient als Grundlage für künftige konkrete Verwirklichungen von grünen Korridoren.

Ihr könnt die Arbeit vom BUND auch unterstützen entweder selber tatkräftig mitanpacken, es werden immer freiwillige Helfer benötigt oder aber durch eine Wildkatzen-Patenschaft. Wäre doch eine nette Geschenkidee auch für einen Katzenfreund, oder?

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Gefahrenquelle Mensch

Leider muss man schon sagen, leider blenden manche Menschen die Tatsache das es bereits Wildkatzen in Deutschland gibt rigoros aus und denken

„Unmenschen hätten da kleine Kätzchen mitten im Wald ausgesetzt“.

Und schon ist man auf „Retten“ programmiert. Kleine Kätzchen sind aber auch sowas von niedlich.

Sie fauchen und spucken?

„Meine Güte was haben die armen Dinger erlebt das sie so reagieren?“

Sie habe noch gar nichts erlebt außer, dass sie nun ihrer Mutter entrissen werden. Kleine Wildkatzen können schon ganz schön biestig reagieren und sind von den kleinen verschmusten Stubentigern so weit entfernt wie wir zum Mond.

Nein, die Chance, dass es sich hier tatsächlich um ausgesetzte Kätzchen handelt liegt ungefähr bei 0,1%.

Aber wie erkenne ich nun ob es sich um ausgesetzte Kätzchen oder Wildkatzen handelt?

Diese Frage ist äußerst schwierig zu beantworten,  hier sollte man vielleicht nach dem Logik-Prinzip verfahren:

  • Wo wurden die Kätzchen gefunden? Mitten im Wald? Oder eher am Waldrand? Während die Wildkatze sich eher mitten im Wald aufhält und auch dort ihre Höhle mit dem Nachwuchs hat, sind verwilderte Hauskatzen eher Waldrand zu finden.
  • Auch nimmt kein Mensch den Weg mitten in den Wald auf sich nur um sich von ungewolltem Katzennachwuchs zu entledigen. Rein in einen Karton, beim fahrenden Autofenster raus und fertig. Alternativ steuert man noch einen Parkplatz an der Bundesstraße gelegen an.
  • Sind die Kätzchen getigert und haben etwas längeres Fell als „normale getigerte Hauskatzen“? – Finger weg, ihr habt tatsächlich das große Glück gehabt Wildkatzenkinder zu sehen.
  • Sind die Kätzchen bunt gefärbt? Bei bunt gefärbt (schwarz-weiß, rot-weiß etc.) mitnehmen und ins nächste Tierheim/Tierschutzhaus damit den Fund melden und eventuell abgeben oder als Pflegestelle anbieten.

Wollt ihr aber kein Risiko eingehen BITTE nicht einfach die Tiere mit nach Hause nehmen!

Geht zu allererst bitte damit zum Tierarzt und lasst es entsprechend prüfen (Tierärzte vor Ort wissen im Übrigen von Wildkatzenpopulationen und sind hier eher geeignet als ein Tierarzt 300km entfernt, der von Wildkatzen nur aus Studien und Büchern weis)

Wildkatzen stehen in Deutschland unter strengsten Schutz und nur am Rande

„Unwissenheit schützt nicht vor Strafe“.

Woran erkennt man aber eine Wildkatze?

Wildkatze, Felis silvestris silvestris, Taubertalperser, Katzenblog, unabhängiger Blog, InformationswebseiteKörperbau, Kopfform, Fellfarbe und Schwanzlänge und Musterung sind fast gleich wie bei getigerten Hauskatzen, so dass für einen Laien es äußerst schwer ist diese Tiere zu unterscheiden.
Selbst die Pfotenabdrücke sind absolut gleich.

Selbst Fachleute greifen auf mehrere Indikatoren zurück und für die absolute Gewissheit hilft nur eine DNA-Analyse.

Kommen wir zu den Körpermerkmalen, die Wildkatze hat ein etwas längeres Fell (Winterfell) als die normalen getigerten Hauskatzen und wirkt dadurch größer, schwerer und auch kurzläufiger als unsere Stubentiger aber tatsächlich unterscheiden sie sich weder im Gewicht noch in der Größe.
Die Fellzeichnung der Wildkatze wirkt verwaschen getigert ausgenommen der kurze Schwanz der Wildkatze, der meist schon abgegrenzte schwarze dunkle Ringe zeigt, die in sich geschlossen sind und das stumpfe Schwanzende ist auch schwarz gefärbt. Auf dem Bild könnt ihr sehr gut das wunderschöne Muster auf dem Schwanz der Wildkatze sowie deren verwaschenes Muster am Körper der Wildkatze erkennen. Auf dem Foto ist ein weibliches Tier abgebildet, darum ist die Kopfform nicht so „bollig“ wie man es bei adulten Kater sieht.

Interessant ist auch die Kopffärbung, hier zeigen sich auf der Stirn der Wildkatze maximal 6 Längsstreifen die sich zu vier deutlich sichtbaren Streifen  im Nackenbereich vereinigen. Hauskatzen weisen dagegen oft nur verwaschene Streifen auf oder haben sogar einen komplett schwarzen Fleck.
Die Kopfform der Wildkatze ist auch breiter und wuchtiger als die einer getigerten Hauskatze allerdings weiß man bei der Hauskatze _nichts_ über eventuelle Vorfahren etc. also auch kein 100% sicheres Erkennungsmerkmal.

Ihr seht also, es ist nicht einfach Wildkatzen von getigerten Hauskatzen zu unterscheiden

Wohnt ihr auch in einer Wildkatzenregion? Habt ihr selber schon welche entdecken können?

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Quellen:

Projektbericht der Forstlichen Versuchs- und Foschungsanstalt Baden-Württemberg „Die Wildkatze (Felis silvestris silvestris) in den Rheinauen und am Kaiserstuhl“
Diplomarbeit Sarah Friembichler (2009) – die potentielle Verbreitung der Wildkatze (Felis silvestris  silvestris) in Österreich als Entscheidungsgrundlage für weitere Schutzmaßnahmen
MÖLICH, T. & S. KLAUS (2003): Die Wildkatze (Felis silvestris) in Thüringen. Sonderheft Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen 4, 109-134.
MÖLICH, T. & M. HÖRTSTERMANN (2007): 20.000 Kilometer Wanderkorridore. Ein Rettungsnetz für die Wildkatze. Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland,

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