Es beginnt in unserem Kopf ….

Die Tage ernten einige Unternehmen aufgrund ihrer Werbeslogans massive Kritik und einen Shitstorm nach dem anderen.

Jüngstes Shitstorm-Opfer ist wohl der Smoothiehersteller True Fruits aus Bonn, der seit Jahren mit teils knackigen, teils provokanten Sprüchen, aber auch mit einer Prise schwarzen Humors auf seinen Smoothie-Flaschen die Fangemeinde begeistert.

Ich muss ja gestehen, ich bin ein absoluter Fan der Texte und ich kann mich noch gut erinnern an die Sprüche als True Fruits auch nach Österreich seine leckeren Smoothies lieferten.

Truefruits, Smoothie, Obstsaft, Shitstorm, Lidl, Loch ist Loch, Sexismus, RassismusMit Sprüchen wie „Darf man in Klagenfurt auch loben“ oder „Was raucht man in Graz“ und dem Hashtag #wieninteressierts oder #jetztösterreichtsmirsaber fand True Fruits auch recht rasch über der Grenze seine Fangemeinde.

Okay sie haben einen eigenen teilweise leicht morbiden Humor (der Texter hat sicher Vorfahren in Wien, die ja bekannt sind dafür), der manchmal scharf an der Grenze ist aber die Smoothies sind super lecker.

Aber jetzt, zwei Jahre später (!!) beginnt man sich über diverse „Sprüche“ aufzuregen – scharf kritisiert wird der „Quotenschwarze, der es nur selten über die Grenze schafft“ in Anlehnung an die damalige Markteinführung von TrueFruits in Österreich (und es ist nun mal die einzig schwarze Flasche in ihrem Sortiment) oder aber auch der Slogan „abgefüllt und mitgenommen“.
Da gibt es doch tatsächlich so kreative Menschen die der Überzeugung sind, dass True Fruits die Rape-Culture gutheiße….

Truefruits, Smoothie, Obstsaft, Shitstorm, Lidl, Loch ist Loch, Sexismus, RassismusAlso von einem Obstsaft hin zur Vergewaltigung ist echt ein langer und breiter Weg….

Wie kommt man eigentlich generell auf die Idee solche „Szenen“ in diverse Werbeslogans hineinzuinterpretieren? Hat man keine Hobbys, Freunde, Job?

Nicht falsch verstehen, Vergewaltigungen sind scheiße, um es mal ganz deutlich zu sagen und die Opfer leiden teilweise ihr Leben lang darunter. Dies wünscht man niemanden und schon gar nicht macht man darüber Scherze.

Aber eine Obstsaftflasche in Verbindung zu bringen mit Rape-Culture gut ist echt sehr weit hergeholt zumal – Obstsaftflaschen werden nun einmal abgefüllt und dann vom Käufer mitgenommen …. die Zweideutigkeit dieser Aussage findet tatsächlich nur in den Köpfen statt.

Es tut mir echt leid aber ich kann das nicht nachvollziehen aber okay, ich habe auch kein Problem mit der Lidl-Werbung Vergleich Donut und Bagel und dem Slogan Loch ist Loch. Das ist sexistisch meinen einige. Würde dieser Satz so im Gespräch fallen wäre sicherlich eine sexistische Betrachtung möglich. Aber ich bitte euch, bei einer Abbildung eines Bagels und Donuts mit der Überschrift sollte man es eindeutig auf diese Produkte beziehen.

Ernsthaft?

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[Screenshot / Facebook]
Sind dann sämtliche Straßen in Deutschland, die mit Schlaglöchern überzogen sind auch sexistisch?

Werbung muss nun mal kurz und knackig sein, damit es sich den Leuten einprägt und ganz ehrlich – diese zwei kleinen harmlosen Wörter sind so prägnant und knackig – besser geht es nicht.

Wenn, ja wenn man nicht mit gelangweilten Menschen gerechnet hätte, die hinter einer jeden Werbeaussage Sexismus, Diskriminierung oder ähnliches wittern und zu einem Shit-Storm gegen das Unternehmen aufrufen würden.

Der Unterschied ist nur das Lidl sich entschuldigt und die Werbung zurückgezogen hat und true fruits den Schritt nach vorne gewagt hat und klar Stellung bezogen hat wie man auf ihrer FB-Seite nachlesen konnte.

Ja, man hätte auch einfach die Klappe halten können, hätte man. Muss man aber nicht, denn vermutlich ging es ihnen ähnlich wie mir.
Man schweigt lange, hört sich geduldig manches an aber irgendwann ist der Punkt erreicht wo der Geduldsfaden einfach reißt. Wo es einfach raus muss. Ob dies nun gut oder schlecht ist sei mal dahingestellt, die Formulierung – über die könnte man diskutieren.

Was ich allerdings begrüße ist, dass man hier nicht einfach die Werbekampagnen zurückzieht und sich entschuldigt. Warum auch. Sie befürworten weder das eine noch das andere aber mittlerweile diskriminieren sie – nämlich all diejenigen, die ihren Humor nicht verstehen.

Okay, kann ich mit leben. Meinen versteht auch nicht ein jeder.

Darf Werbung alles?

Nein, natürlich sind auch der Werbung Grenzen gesetzt und so haben wir in Deutschland eine wunderbare Einrichtung in Form des Werberats, die sich mit diversen Werbebotschaften beschäftigt.

Und kein einziger Werbeslogan verstieß bis jetzt gegen den Kodex. Keiner! Denn ob man es nun wahrhaben will oder nicht – die Geschichten entstehen immer in unseren Köpfen. Die Unternehmen, Firmen werfen uns nur die Wortgebilde vor – den Rest machen wir daraus.

Wie unverschämt sind wir eigentlich?

Wir unterstellen Unternehmen einfach mal Rassismus, Sexismus und weiß der Geier noch was. Wir wollen anderen Ländern vorschreiben wie sie mit ihren Ressourcen umgehen sollen, wie sie die Umweltverschmutzung in den Griff bekommen sollen, von diversen Schadstoffemissionen und Luftverschmutzung will ich erst gar nicht schreiben.

Politiker wie Paul Ziemiak als Generalsekretär der CDU amüsieren sich über das 16 jährige Mädchen Greta Thunberg, das trotz ihrem oder vielleicht auch gerade wegen ihrem Handicap Asperger, die sprichwörtlichen Eier in der Hose hat um zu sagen „Nein, hört auf, ändert was, sonst vernichten wir uns selbst“.
Vielleicht hätte er, statt sich über ein 16jähriges Mädchen zu amüsieren, einmal anfangen sollen darüber nachzudenken was dieses junge Mädchen uns sagen will.

Ganz ehrlich, vielleicht sind ihre Aussagen teilweise äußerst naiv. Vielleicht auch manches etwas blauäugig.

Aber im Gegensatz zu unseren Politikern darf sie das aber, denn sie ist 16!
Im Gegensatz zu vielen anderen Jugendlichen in ihrem Alter macht sie sich Gedanken.

Während andere Jugendliche in ihrem Alter auf Partys gehen und feiern bis in die Morgenstunden, darüber diskutieren wer jetzt gerade in der Szene angesagt ist oder nicht, fährt sie mit dem Zug über 60 Stunden zu einer Klimakonferenz.

Die Welt braucht eindeutig mehr Gretas und weniger Party-Kids.

Das ultimative Mittel zur Weltverbesserung und gegen Langeweile

Veränderungen beginnen in unserem Kopf. Erst wenn wir verstehen, dass wir bei uns anfangen müssen uns zu verändern, dann können wir auch anderen Änderungen empfehlen.

Ich wohne hier in einem der schönsten Teile von Deutschlands. Es ist wirklich wunderschön, kein Tal gleicht dem anderen, sanfte Hügel und herrlich grüne Wiesen laden zum Wandern und Verweilen ein.

Nur als ich unlängst der Tauber entlanggefahren bin dachte ich … nein falsch, ich bekam Puls.

Geht’s noch?

Umweltverschmutzung, Taubertalperser, Weltverbesserer, Truifruits, Kampagne, Werbung, SexismusWir schreiben anderen Ländern vor wie sie mit der Umwelt umzugehen haben und bei uns am Straßenrand liegt der Dreck – angefangen von unzähligen Plastiktüten bis hin zu McDonalds-Getränkebecher und mehr.

Es tut mir leid aber ich bekomme hier echt das kotzen. Das muss nicht sein und das ist eindeutig falsch. Wir regen uns über die Verschmutzung der Weltmeere auf, werfen aber einfach unseren Müll beim Autofenster raus.

Wir teilen munter traurige, schockierende Bilder von Tieren die unter unserem Plastikmüll leiden, aber wir entsorgen unseren Müll einfach am Wegesrand. Ich hätte auch ein Foto eines toten Tieres am Wegesrand aber diesen Anblick erspar ich meinen Lesern lieber.

Umweltverschmutzung, Taubertalperser, Weltverbesserer, Truifruits, Kampagne, Werbung, SexismusPlastikmüll, Glasflaschen und vieles mehr säumt die Straßen – muss man echt noch erwähnen wie gefährlich Glas bei Sonneneinstrahlung ist?
Aber hey das Thema ist wohl zu nahe. Da regen wir uns lieber über den Plastikmüll in Timbuktu auf. Okay, der hat dort genau auch nichts verloren und es ist absolut nicht okay andere Länder, eventuell Entwicklungsländer, mit unserem Wohlstandsmüll vollzuschütten.

Aber bevor wir uns darüber aufregen, sollten wir uns doch lieber die Fragen stellen

„Was mache ich um Müll zu vermeiden?“

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Die roten Punkte markieren den Müll [Durch Anklicken könnt ihr vergrößern]
„Habe ich nicht die Möglichkeit eine Fahrgemeinschaft zu bilden, um zu meiner Arbeitsstelle zu kommen?“

„Kann man nicht mal auf das Auto verzichten und mit der Bahn fahren? „

„Muss es täglich Fleisch sein? „

„Müssen unbedingt exotische Früchte im Winter frisch auf den Tisch?“

Bevor man also einen Shitstorm über Banalitäten lostritt – einfach mal vor die Türe gehen, da finden sich sicherlich genügend Bereiche, in denen man etwas zum Positiven verändern kann. Selbst ich als begeisterte Autofahrerin habe es geschafft auch mal auf mein Auto zu verzichten und bin mit der Bahn gefahren und wenn ich es kann, könnt ihr es auf jeden Fall!

Wir brauchen keine Klickaktivisten oder Pseudomoralisten, wir brauchen Idealisten und auch Visionäre.

Wie heißt es so schön?

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
Aber sie ist ein guter Anfang.

Es beginnt in unserem Kopf. Nicht nur Geschichten sondern auch Veränderungen.

In diesem Sinne, viel Spaß :-)


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