Teil 3: Die Kurzsichtigkeit der Konsumenten: Boykottiert den örtlichen Tierhandel!

Der örtliche Tierhandel – Manche Aufrufe bei Facebook veranlassen mich ja zu einem Schmunzeln, bei manchen bin ich nur verwundert und bei einigen wieder um frage ich mich „Seid ihr mit der Schaukel zu nahe an der Wand gestanden?“

So auch bei dem Aufruf mehrerer Nutzer in diversen Gruppen

Boykottiert den örtlichen Tierladen!

Zuerst saß ich nur da und lass den Text wieder und wieder bis ich soweit war um einmal nachfragen zu können was sie damit überhaupt bezwecken wollen und ob sie sich über die Konsequenzen im Klaren sind.

Die Grundidee, die hinter diesem Aufruf steht ist, dass keiner mehr in den örtlichen Tierladen geht um dort Tiere zu kaufen aber leider ist, wie bei manchen solcher Aufrufe diese Idee nicht zu Ende gedacht worden.

Was passiert bei einem Boykott des örtlichen Tierhandels?

Logischerweise, der Umsatz des Ladens bricht ein was zur Folge hat

  – kein Geld mehr für die Ladenmiete
  – kein Geld mehr für die Gehälter und Löhne der Mitarbeiter

In Folge kommt es natürlich zur Schließung des Ladens und Entlassung der Mitarbeiter.
Somit generieren wir durch diese „Aktion“ erwerbslose Menschen und brachliegende Verkaufsräume und Flächen – die aber nach wie vor Geld kosten.
Natürlich nicht mehr dem Händler der geschlossen hat, sondern allen Unbeteiligten wie auch z.B. den erwerbstätigen Steuerzahler.

War es das oder kommt noch was?

Natürlich war oder ist dies nicht die einzige Auswirkung, die so ein Boykott mit sich bringt. Denn wenn man den Faden weiterspinnt darf man dann ja nur mehr online bestellen.Tierladen, Tierhandel, Boykott, Taubertalperser, Macht der Konsumenten, Information

Bei wem? Bei Zooplus? Das Unternehmen hatte 2017 ein Wirtschaftswachstum von 22% (laut aktuell veröffentlichten Geschäftsbericht.)
Einem Unternehmen, das bereits jetzt viele kleine Onlinehändler und auch lokale Tierläden von der Bildfläche verschwinden ließ, weil die mit den „Kampfpreisen“ absolut nicht mithalten konnten?
Einem Unternehmen, das bereits jetzt in manchen Bereichen fast schon eine Monopolstellung hat?

Wollt ihr wirklich von einem einzigen Unternehmen abhängig sein? Dermaßen das dieses Unternehmen euch früher oder später die Preise diktieren kann?

Der Tierhandel der im Verborgenen blüht

Klar ist, dass es immer Haustiere geben wird. Aber wenn die Leute ihre „Tiere“ nicht im Laden um die Ecke kaufen können, dann kaufen sie diese Tiere halt über Ebay und Co, nur ein geringer Prozentsatz kauft bei seriösen Züchtern und ebenso ein geringer Prozentsatz geht sich im Tierheim umsehen.

Also wird lieber mal schnell beim „Hinterhofvermehrer“ gekauft. Wo es keine Kontrollen gibt, keine tierärztliche Untersuchung, keine Impfungen, keine Gesundheitsvorsorge.

Will man dies wirklich?

Für das Tierwohl einstehen mit Sinn und Verstand

Tierladen, Tierhandel, Boykott, Taubertalperser, Macht der Konsumenten, InformationIch verstehe den Grundgedanken, der hinter diesen Aufruf steht. Man ist bestrebt, dass es den Tieren gut geht und sie nicht einfach „nur“ Ware sind und dies finde ich äußerst lobenswert und legitim.

Ich habe mit manchen Läden auch so meine „Probleme“ und kann dies nicht wirklich gutheißen wie es dort so abläuft.

Allerdings habe ich hier fast ein Paradebeispiel für vorbildliches Handeln eines Tierhändlers im nahegelegenen Würzburg

Adoptiert man eine Katze oder Hund aus dem örtlichen Tierheim gibt es einen nicht ganz unbeträchtlichen Warengutschein.
Die Tiere, die im Laden zum Verkauf angeboten werden, haben ausreichend Bewegungsfreiheit, Beschäftigungsmöglichkeiten und vom artgerechten Futter will ich erst gar nicht schreiben.
Auch die Informationstafeln vor so einem „Verkaufskäfig“ sind äußerst informativ und klären ausgiebig über die Haltung und Bedürfnisse der Tiere auf, die teilweise mit Kastrationsauflage (Kaninchen/Meerschweinchen) bzw. bereits kastriert verkauft werden und sie werden auch nicht in Einzelhaltung abgegeben – ein Informationsblatt mit Haltungs- und Pflegeanleitung gibt’s beim Kauf noch kostenlos mit dazu.
Die Tiere im Verkauf stammen alle von geprüften und vor allem regelmäßigen Abständen überprüften Züchtern die sich an entsprechend strenge Auflagen halten müssen.

Tierladen, Tierhandel, Boykott, Taubertalperser, Macht der Konsumenten, InformationAber auch in anderen Läden wie zum Beispiel bei Fressnapf in Mannheim-Vogelstang geht mit sehr guten Beispiel voran. Hier gibt es eine Adoptierstube in Kooperation mit dem örtlichen Tierheim und alle Beteiligten sind sehr zufrieden. Es gibt Beratertage im Fressnapf mit den Mitarbeitern des Tierheimes, es erfolgt Aufklärung und Information und einfach ein Tier mitnehmen ist nicht. Hier wird zuerst überprüft und vor allem auch kontrolliert ob es für das Wohl des Tieres ist.

Soll ich wirklich so einen Tierladen, der so agiert boykottieren? Einen Tierladen, der seine Mitarbeiter entsprechend schulen lässt, sich informiert und auch mal Produkte, die nicht tiergerecht sind aus dem Sortiment nimmt? Ich denke, dass dies der absolut verkehrte Ansatz ist.

Man kann sich dafür ja einsetzen, dass alle so handeln müssen. Das nur noch Kleintiere wie Kaninchen, Mäuse, Meerschweinchen oder ähnliches verkauft werden und keine Affen, Hunde und/oder Katze wie in einem zur zweifelhaften Berühmtheit gelangten Tierladen in Duisburg.

Man kann sich auch ohne Frage dafür einsetzen, dass Tiere nicht mehr in Baumärkten verkauft werden, denn dort sind sie de facto echt falsch.

Also bitte wenn ihr boykottiert, dann bitte den/die richtigen und nicht den Tierhändler um die Ecke, der vielleicht nicht wirklich der Böse ist…..

Und wer im Übrigen meint unsere Bedingungen für die Tiere im örtlichen Tierhandel sind furchtbar, dem empfehle ich gerne mal eine Reise nach Asien und den Besuch eines örtlichen Pet-Shops, vielleicht bekommt man da noch ein klein wenig Ahnung davon was wirklich furchtbar ist.

In diesem Sinne,
die Taubertalperserchen & ihr Personal

P.S.: Als ich diese Beitrags-Serie begonnen hatte war ich mir unsicher die dies bei meinen Lesern ankommt, ich war mir bis zu den Zeitpunkt nicht so ganz bewusst was für tolle Leser ich eigentlich habe und ich möchte hier an dieser Stelle einfach „Danke“ sagen. Danke für euch, eure Rückmeldungen und das ich mit meinen Gedanken nicht alleine da stehe.
Es ist schön für solche Leser wie euch zu schreiben und das Gefühl verstanden zu werden ist unglaublich schön. Danke!

Teil 1: Quantität statt Qualiät
Teil 2: Die Verwertung des ganzen Tieres


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