Warum hörst du auf zu züchten? – Taubertalperser

Als bekannt wurde, dass ich aufhöre zu züchten waren einige total überrascht und haben mich teils entsetzt, teils verwundert gefragt „Wieso hörst du denn auf?“

Allerdings ist die Fragestellung ein wenig falsch, vielmehr sollte man mich fragen „Warum hast du angefangen zu züchten“ und vor allem „Was hast du da erlebt?“

Alles auf Anfang oder auch wie alles begann

Als ich in den 80ern meine erste Perserkatze bekam ahnte ich noch nicht wie sich dies alles entwickeln würde. Ich stand da vor einem supersüßen kleinen Wollknäuel mit kupferfarbenen Augen das mich voller Liebe ansah.
Ein Perserkätzchen mit einer wohlgerundeten Stirn, einem entzückenden Stupsnäschen und Augen mit denen sie einem direkt ins Herz blicken konnte. Cherry, meine kleine Prinzessin, und ich wir waren ein tolles Team.  Wo ich mich aufhielt war auch die süße Maus nicht weit entfernt. Und obwohl sie auch andere Katzen als Spielkameraden hatte, ich war ihr Mittelpunkt des Universums.

Taubertalperser, Zucht, Zuchtende, KatzenZumindest konnte man das meinen wenn eine geschlossene Tür zwischen uns war. Dieses jämmerliche klagen und weinen das abrupt aufhörte wenn ich wieder in den Raum kam ….
Mit ihr erwachte auch meine Liebe zu den Perserkatzen und mir war klar, so etwas will ich wieder haben.

All die Jahre verfolgte ich die Entwicklung der Perserkatze und teilweise mit großem Entsetzen. Hat das  Gesicht der Perserkatze früher eher einen puppenhaften Ausdruck so hat es sich teilweise zu einer immer grimmig dreinblickenden Katze gewandelt.

Ich schwor mir damals als meine geliebte Cherry, so hieß die kleine entzückende Maus, starb – irgendwann will ich wieder so eine Perserkatze haben – mit ebenso einer hübschen Stirn, kleinen Stupsnäschen etc.

Aber bis dahin sollte noch einige Zeit vergehen, ich hatte genug Katzen und meine Suche nach einer passenden Züchterin gestaltete sich überaus schwierig. Überall sah ich nur Katzen deren Nasenspiegel sich zwischen den Augen befand, dass es mir absolut nicht mehr gefiel.
Ich hatte in meinem Freundeskreis Perserzüchter die mich belächelten und nach Amerika flogen um sich ihren neuen Zuchtkater zu holen ….

Süßer Kerl, total niedlich wenn er eine etwas mehr ausgeprägte Nase gehabt hätte.

Taubertalperser, Zucht, Zuchtende, KatzenWas hatte man nur aus der entzückenden Rasse gemacht? Was hat man ihr angetan? Gott sei Dank wurde die Zucht der Extrem-Perser (Peke-Face) in den meisten europäischen Ländern verboten. Aber der Schaden war schon geschehen – ein furchtbarer Imageschaden für eine der wunderbarsten Rasse.

Die Jahre zogen ins Land und nach 10 Jahren war es dann tatsächlich soweit das ich mich aktiv auf die Suche nach meiner Traumkatze machte.

Eine abenteuerliche Suche nach meiner Traumkatze

Nachdem sich mein Katzenbestand auf natürliche Art und Weise dezimiert hatte begab ich mich auf die Suche nach meiner Traumkatze. Und ich hatte hohe Anforderungen und Ansprüche. Durch meine ganzen Tierheimkatzen die ich im Laufe der Jahre hatte wollte ich, dass meine zukünftige „Prinzessin“ all dies von Beginn an mitbekommt was vielen Katzen verwehrt blieb.

Hineingeboren in eine liebevolle Umgebung und mit gesunden Eltern. Dann natürlich hatte ich auch noch eine Traumfarbe und eine gewisse Erwartungshaltung was die Ernährung betraf.

Und gerade in Bezug auf Gesundheit und Ernährung hörte ich ganz abenteuerliche Sachen. Sei es „sie sind ganz sparsam in der Haltung, sie fressen das Futter von Aldi“ bis hin zu „impfen tu ich nicht, das ist zu viel Gift im Körper und schadet nur“.

Auch – ich habe mich ja informiert in Bezug auf Farben, Verpaarung und Genetik – traf ich da die absonderlichsten Sachen. Okay, dies war meist auf die diversen „Hinterhofzüchter“ bezogen.
Die vernünftigen, seriösen Züchter achteten Großteil schon auf die wichtigsten Punkte wie Gesundheit und Impfung aber entweder war es das fehlende „Näschen“ oder die „falsche Farbe“.

Es dauerte ca. 3 Jahre bis ich dann endlich über die Züchterin meiner Traumkatze im wahrsten Sinne des Wortes stolperte. Die Webseite, naja ich hatte da schon weitaus informativere gesehen gehabt, kunstvoll gestaltete Werke aber da, da war etwas …. ich kann es nicht beschreiben.

Aber ich glaube es war die Liebe zu ihren Katzen die man merkte und da durchkam. Egal, ich habe sie sofort kontaktiert und es sollte noch ein wenig dauern bis ich dann das erste Foto von meiner Traumkatze erhielt. Bei der ersten Kontaktaufnahme war sie ja noch gar nicht auf der Welt 🙂

Taubertalperser, Katzenzucht, Zucht, PerserkatzenIch telefonierte mit Frau Neumann (Perser von guter Wille) einige Male und als ich das erste Foto sah von Iditha wusste ich es. Ich glaub ich habe noch in der gleichen Minute zum Telefonhörer gegriffen und gemeint „Sie ist es“.
Nachdem ich mit Frau Neumann schon etliche Male telefoniert hatte meinte mein Mann dann zu mir „Du sag mal was kostet die Kleine eigentlich“, da erst merkte ich das wir gar nicht über den Preis gesprochen hatten. Mir waren einfach andere Dinge wichtiger wie Aufzucht, Gesundheit, Geborgenheit und Symphatie.

Endlich, die Wochen erschienen endlos konnte ich mein Traumkätzchen abholen und ich hatte damals noch keinen Gedanken daran verschwendet ob ich mal züchten würde oder nicht. Ich träumte zwar ein wenig davon aber der aktuelle Katzenbestand verbat mir solche Träume.
Leider starb kurz darauf eine unserer „alten“ Katzen und ich machte mich wieder auf den Weg nach Berlin um meinen geliebten Schnuffelpuffel alias Dividi abzuholen.

Frau Neumann, ich bin ihr wohl ewig zu Dank verpflichtet, hat dort nicht nur ein kleines Katzenparadies sondern strahlte auch so viel Liebe und Zuneigung zu den Tieren aus, das mich nachhaltig beeindruckte aber auch beeinflusste.
Taubertalperser, Katzenzucht, Zucht, Perser, PerserkatzenAls ich meinen Dividi abholte meinte sie noch zu mir „Also wenn Sie wollen können sie auch mit ihm und Iditha züchten“. Da war er auf einmal wieder präsent mein Traum.

Mein Traum ganz offiziell mit all entsprechenden Untersuchungen und was dazugehört Perser mit Näschen zu züchten. Den ganzen Hinterhofvermehrern mit ihren unzähligen Ausreden zu zeigen „Ja es geht sehr wohl seriös und vernünftig Perser mit Näschen zu züchten“

Es sollte aber ein weiteres Jahr vergehen in dem ich mir darüber Gedanken machte, anfing darüber nachzudenken, mich mit Genetik beschäftigte, unzählige Bücher und Webseiten wälzte. Denn ich wollte es anders machen als diese „Ebay-Verramscher“. Ich wollte mich davon abheben. Meine Katzen sind reinrassig also haben sie auch das Recht auf einen Stammbaum. Sie haben alle erforderlichen Untersuchungen und vieles mehr.
Ich plante, gestaltete, lernte und bereitete mich vor. Bis zu den ersten Babys im Nest sollten fast zwei Jahre vergehen – zwei Jahre der Planung, Vorbereitung und der Weiterbildung.

Die Suche nach dem richtigen Verein

Die Suche nach dem richtigen Verein gestaltete sich wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Für mich waren verschiedene Gründe der Anlass mir einige Vereine vor Ort anzusehen. Ich wollte wissen wie sie miteinander umgehen, wie die Ausstellungen organisiert werden und vieles mehr.
Der erste Verein schockte mich gleich mal mit der Aussage „Was sie wollen Perser mit Näschen züchten? Na da werden sie niemals Erfolg haben!“
Aber was ist Erfolg? Definiert denn nicht jeder seinen Erfolg anders? Für einen ist es sicherlich Erfolg wenn er unzählige Preise bei Ausstellungen gewinnt. Für andere eher das persönliche Zuchtziel zu erreichen.
Egal, ich habe weitere Vereine besucht und wurde dann bei einem Verein in Nürnberg fündig. Nicht besonders groß aber tolerant hinsichtlich „Perser mit Näschen“ und sehr ehrlich. Ich hatte ein langes Gespräch bezüglich meiner Zuchtziele, meinen Vorstellungen und die wurden erfüllt. Manches war dann nicht ganz so wie erwartet aber dies hat sich erst im Laufe der Jahre herausgestellt aber es war für mich ein akzeptabler Weg, da hier auch die örtliche Nähe gegeben war.

Ausstellungen, Tränen und Furien

In den meisten mir als seriös erscheinenden Vereinen war davon die Sprache, dass man Zuchtkatzen ausstellen muss um mindestens drei vorzügliche Bewertungen zu erhalten und um dann damit züchten zu können.
Gesagt getan, ich war ja überzeugt von meinem Dividi und seiner Schönheit.
Ich musste angesichts seines Näschens viele bittere Pillen schlucken, bis hin zur hitzigen Diskussion mit einer Richterin die meinte „Das ist kein Perser“ – ja nee, ist klar.

Vater Perser, Mutter Perser sämtliche Vorfahren Perser was sollte er bitte dann sein?

Unzählige Male musste ich miterleben wie er nicht gewürdigt wurde aufgrund seines entzückenden Näschens, aber doch gelang es uns immer die erforderlichen Punkte und Bewertungen zu bekommen.
Selbst auf einer TICA-Ausstellung konnte er unzählige Punkte einheimsen und in einem Ring wurde er sogar mal vor einer extrem kurznasigen Perserdame „Best of breed“ ….. ich erinnere mich noch als wäre es gestern, als die Züchterin der Katze hinter mir Schnappatmung bekam.
Wir fuhren auch noch gemeinsam ins Ausland um die notwendigen ausländischen Titelpunkte zu holen.

Taubertalperser, Zucht, Zuchtende, KatzenMein Glück war vollkommen als ich eine wunderschöne Perserdame aus Wien mitnahm. Sehr kurznasig aber mit einem Charme und liebenswerten Wesen. Dem konnte man sich nicht entziehen.
Ratet mal wie schockiert ich war als eine Perserzüchterin mir genau diese Katze versuchte schlechtzureden. Sie wäre krank, würde nicht lange leben, sie sei hässlich und vieles mehr.
Wie eine Furie echauffierte sie sich bei mir am Ausstellungskäfig – okay die Richter an dem Tag sahen dies total anders und auch mein Tierarzt aber nun ja.
Meine Fitzi war auf sehr vielen nachfolgenden Ausstellungen noch erfolgreich und ihrer Züchterin, mit der ich heute noch Kontakt habe, dankbar für diese äußerst liebenswerte Katze. Einer Katze, die mein Leben ungemein bereicherte aber auch den wichtigsten Grundstein für meine Zucht „Die Taubertalperser“ legte.

Nicht immer ist Karma eine Bitch 🙂

Ein Jahr später traf ich diese Furie wieder auf einer Ausstellung und sie fragte mich mit „süffisanten“ Lächeln „Na lebt die Katze noch“ …….. kurz angebunden erklärte ich ihr „Na aber sicher doch und sie hat auch einen überaus entzückenden Wurf die alle gesund und munter wären“.

Dieser Furie wurde zweimal die Katzenzucht vom Veterinäramt aufgelöst weil sie die Tiere krank, unbehandelt und vernachlässigt rumlaufen lies und sie ist Gott sei Dank aus den Reihen der Züchter verschwunden.
Am liebsten würde ich ihr unflätige Wörter an den Kopf werfen aber meine gute Kinderstube verbietet mir dies.

Ja Karma ist oft eine Bitch aber meist fi**t sie die richtigen.

So nun wisst ihr warum ich angefangen habe zu züchten 🙂 Und sobald ich die entsprechende Zeit und Muße habe werde ich euch vielleicht über die Ausstellungsabenteuer und andere Erlebnisse der Taubertalperser berichten.


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