AllgemeinHumorRund um die Katz

Wie fotografiere ich ein Kätzchen? – Die große Fotosession mit Brummhummelchen

Ich hätte es wissen müssen. Wirklich. Jeder Mensch mit einem Restfunken Selbsterhaltungstrieb hätte es wissen müssen. Aber ich stand an diesem Morgen auf, streckte mich, sah Brummhummelchen friedlich auf dem Sofa schlafen und dachte:
„Heute mache ich ein richtig schönes Foto von ihr.“

Ein fataler Gedanke.

Kapitel 1: Der Anfang vom Chaos

Ich öffnete feierlich meine Fototasche, als würde ich einen Schatz heben.
„So, Brummhummelchen, heute wirst du berühmt“, murmelte ich.

Brummhummelchen öffnete ein Auge, sah mich an und schloss es wieder. Ein schlechtes Omen.

Ich nahm die sündhaft teure Kamera heraus, entfernte den Objektivdeckel – und hörte ein verdächtiges Knurpseln.
„Brummhummelchen…?“

Da saß sie. Mit dem USB‑Kabel im Maul. Kauend. Genüsslich.

„Gib das her!“
„Mrrrp.“
„Nein, kein ‚mrrrp‘. Das ist teuer!“
„Mrrrp.“ (Übersetzung: „Dann hättest du es nicht rumliegen lassen sollen.“)

Ich bürstete sie einmal durch, um den „Ich habe gerade Technik gegessen“-Look zu entfernen, und versuchte, professionell zu wirken. Innerlich dachte ich:
Warum tue ich mir das an? Ich könnte auch einfach Pflanzen fotografieren. Pflanzen laufen nicht weg. Pflanzen beißen nicht. Pflanzen fressen keine Kabel.

Kapitel 2: Der Socken

Ich richtete den Hintergrund ein, stellte die Kamera auf, überprüfte die Einstellungen. Alles perfekt.

„Brummhummelchen? Komm mal her, Süße.“

Stille.

Dann ein Geräusch. Ein dumpfes flappflappflapp.

Ich fand sie im Flur – mit einem schmutzigen Socken im Maul, den sie schüttelte wie eine frisch erlegte Gazelle.

„Wo hast du den denn her?!“
„Mrrrp!“ (Übersetzung: „Aus meinem geheimen Vorrat. Frag nicht weiter.“)

Ich nahm ihr den Socken ab, setzte sie auf den vorbereiteten Platz und ging zurück zur Kamera.

Brummhummelchen sprang vom Platz.

Ich ging hinterher.

Brummhummelchen beschleunigte.

Ich krabbelte.

Warum mache ich das? Warum? Ich hätte auch Briefmarken sammeln können.

Kapitel 3: Die Linse, der Hund und der Untergang

Ich stellte die Kamera mit einer Hand wieder ein und lockte Brummhummelchen mit einem Leckerli.
Sie kam näher. Sehr nah. Zu nah.

PLOPP.

Ein feuchter Nasenabdruck auf der Linse.

„Brummhummelchen! Das ist kein Fenster!“
„Mrrrp.“ (Übersetzung: „Jetzt schon.“)

Ich holte ein Taschentuch, wischte die Linse ab – und bemerkte, dass Brummhummelchen inzwischen den Objektivdeckel geklaut hatte.

„Gib. Den. Sofort. Wieder. Her.“
„Mrrrp.“ (Übersetzung: „Fang mich doch.“)

Ich warf den Deckel in die Fototasche, bevor er erneut im Katzenmagen verschwand.

Dann hörte ich Krallen auf Laminat.
Der Hund.

„NEIN! DU NICHT!“

Der Hund stürmte herein, Brummhummelchen fauchte, ich schrie, der Hund bellte, Brummhummelchen sprang auf meinen Kopf, ich verlor die Brille.

Nach einer chaotischen Minute war der Hund draußen, Brummhummelchens Nase mit etwas Gel versorgt und meine Würde irgendwo zwischen Couchkissen und Katzenhaaren verschwunden.

Tigerkatze, Flur, Taubertalperser, Katzenverhalten, KatzenblogKapitel 4: Das Quietschpüppchen‑Desaster

Ich stellte den Couchtisch wieder her, räumte Zeitschriften weg und versuchte, Ordnung zu simulieren.

„Okay, Brummhummelchen. Jetzt machen wir das Foto.“

Ich schwang ein Quietschpüppchen über meinem Kopf.
„Guck mal! Guck mal hier!“

Brummhummelchen sah mich an, als hätte ich den Verstand verloren.
Vielleicht hatte ich das inzwischen auch.

Meine Brille rutschte.
Die Kamera rollte unter das Sofa.
Brummhummelchen folgte ihr.
Ich folgte beiden.

Unter dem Sofa roch es nach Staub, Katzenhaaren und Verzweiflung.

Kapitel 5: Der letzte Tropfen

Als ich wieder hervorkroch, sah ich Brummhummelchen gerade dabei, eine ganz andere Art von „künstlerischer Performance“ zu beginnen.

„NEIN! Das machst du im Katzenklo!“

Ich hob sie hoch, rannte los und rettete die Situation im letzten Moment.

Ich stand im Badezimmer, Brummhummelchen im Arm, und dachte:
Ich wollte doch nur ein Foto. EIN EINZIGES FOTO.

Tigerkatze, Flur, Taubertalperser, Katzenverhalten, KatzenblogKapitel 6: Der Zusammenbruch

Die Wohnung sah aus wie nach einem mittelgroßen Erdbeben.
Ich rief meinen Partner.

„Kannst du bitte helfen?“
Er sah sich um.
„Was… ist… passiert?“
„Kunst“, sagte ich tonlos.

Gemeinsam räumten wir auf, während Brummhummelchen auf dem Kratzbaum thronte wie eine Königin, die gerade ein Königreich erobert hat.

Ich sank in meinen Lehnstuhl und seufzte.

„Morgen übe ich mit ihr ‚Sitz‘“, sagte ich.
Mein Partner lachte.
Brummhummelchen auch.
„Mrrrp.“ (Übersetzung: „Viel Glück, Mensch.“)

Und ich dachte:
Vielleicht fotografiere ich morgen einfach den Socken. Der hält wenigstens still


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