Rasante Vermehrung: Tierschützer fordern Kastrationspflicht in Berlin

100.000 verwilderte Katzen in Berlin

In Berlin laufen nach Schätzungen des Tierschutzvereins rund 100.000 verwilderte Katzen frei herum – und vermehren sich unkontrolliert. Trotzdem will der Senat bisher keine Kastrationspflicht.

Bisher keine Kastrationspflicht vom Senat erlassen

Tierschützer sehen in der großen Zahl freilaufender Katzen in Berlin ein Problem. Der Senat habe aber bislang keine Kastrationspflicht erlassen wollen, um die unkontrollierte Vermehrung der Tiere einzuschränken, kritisierte der Berliner Tierschutzbeauftragte Horst Spielmann. Das Thema Kastrationspflicht werde zwar regelmäßig diskutiert, eine Verordnung werde dennoch nicht erlassen. Denn in Berlin sei man der Meinung, dass „Tierschutz im Prinzip der Ehrenamtlichkeit überantwortet werden sollte“, sagte Spielmann.

Eine Sprecherin der Senatsverwaltung bestätigte, dass das Problem bekannt sei: „Wir prüfen derzeit, ob die Einführung einer Kastrationspflicht eine Variante wäre.“ Bislang sei die Prüfung aber zu keinem Ergebnis gekommen.

Rasante vermehrung in der Hauptstadt

Laut dem Berliner Tierschutzverein, der das hiesige Tierheim betreibt, vermehren sich die Katzen in der Hauptstadt rasant. Zweimal jährlich könnten Muttertiere vier bis sechs Junge werfen. Wie viele Katzen tatsächlich durch Berlin streunen, sei aber unklar. Tierschutzgruppen gehen laut Spielmann von mehreren 100.000 Katzen aus. „Das halte ich für absurd“, sagte der Tierschutzbeauftragte.

Eine Frage des Geldes

Freilaufende Katzen sind auch in anderen Bundesländern ein Problem. Die saarländische Umweltministerin Anke Rehlinger (SPD) kündigte Mitte Juli an, die Kastrationspflicht für Katzen zu prüfen. In einigen Städten wie Paderborn, Hildesheim und Bremen gilt die Verordnung bereits. Auch der Osnabrücker Stadtrat hatte Mitte 2012 die Halter von Freigänger-Katzen dazu verpflichtet, ihre Tiere zu kastrieren. Die Stadt stellte außerdem 20.000 Euro für die Operation herrenloser Tiere bereit.

Für den Eingriff, der Katzen an der Fortpflanzung hindern soll, verlangen Tierärzte laut Tierschutzverein zwischen 60 und 120 Euro. In der Finanzierung sieht Spielmann die größte Schwierigkeit: „Der Senator sollte darauf hinweisen, dass hier ein Problem vorliegt. Das ist nicht ohne Geld zu machen. Die Frage ist nur, wer das bezahlt.“

Wenn eine nicht kastrierte und herrenlose Katze aufgegriffen wird, zahlt bislang das Tierheim für die Kastration. Das Heim finanziert sich hauptsächlich durch Spenden. Im Mai hatte die Einrichtung einen „Katzennotstand“ ausgerufen. Damals mussten 30 trächtige Tiere im Mutterkatzenhaus untergebracht werden.

Weil die Jungtiere eine besondere Betreuung benötigten, werde auch der „Bedarf nach Pflegeeltern in den Wurfmonaten größer“, sagte Tierheim-Sprecherin Stephanie Eschen. Der Tierschutzverein schätzt, dass 100.000 verwilderte Katzen in Berlin leben. Da ihre Zahl ständig wachse, fordert der Verein „seit Jahren eine Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für Katzen mit Freigang – bisher ohne Erfolg“.

Grünen-Politikerin Hämmerling kritisiert Senat

Mit ihrer Forderung stehen die Tierschützer nicht alleine da. „Bei streunenden Katzen muss der Senat die Kastration übernehmen“, sagte die Berliner Grünen-Politikerin Claudia Hämmerling. Die Hauptstadt hat Hämmerling zufolge viele andere Baustellen, daher sei „kein Problembewusstsein vorhanden“. Die Politikerin kritisiert nicht nur die passive Haltung der Berliner Regierung zur Kastrationsfrage. Hämmerling sieht ein grundsätzliches Problem darin, dass das Berliner Tierheim kaum durch öffentliche Mittel bezuschusst wird. Der Betrieb des Tierheims kostet pro Tag nach eigenen Angaben rund 12.000 Euro.

Quelle: Berliner Morgenpost

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