Das stille Leid der Streunerkatzen….

… und keiner weint um sie ….

Triggerwarnung: Achtung in diesem Beitrag sind Fotos veröffentlicht, die nicht schön, sondern eher schockierend und auch verstörend sind.

Bitte lest diesen Beitrag dann nicht weiter, sondern lest meinen Alternativbeitrag zum Feral Cat Day in Großbritanien am 16.10.

Seit Jahren ziehe ich mit meiner Kamera bewaffnet durch die umliegenden Teilorte, um Bauernhofkatzen zu fotografieren.

Wir wohnen hier ausgesprochen ländlich und rühmen uns als Landkreis mit der größten Dichte an landwirtschaftlichen Bio-Betrieben.

Okay, soweit so gut und selbstverständlich gehört zum Bild eines Bauernhofes auch die eine oder andere Katze. Manchmal sind es auch mehr, aber war es mir vor 5 Jahren noch fast unmöglich kleine Bauernhofkätzchen zu fotografieren so hat sich dieses Bild dramatischerweise in den letzten Jahren sehr gewandelt.

KastrationsaktionUnglaublich viele Katzen ….

Auf meiner Fototour habe ich dieses Jahr noch nie so viele Katzen vor die Kamera bekommen wie all die Jahre zuvor. Sind großartige Fotomotive und bei einigen Betrieben ist es auch augenscheinlich, dass man sich sehr wohl auch um die Katzen kümmert. Sie sehen gesund und wohlgenährt aus und sind auch relativ zutraulich.

Aber dann gibt es noch die anderen ……

Die, denen die Katzen gelinde gesagt am Allerwertesten vorbeigehen. Die einfach mit der Schulterzucken, wenn man sie drauf anspricht und fragen

 „Magst eine haben?“

Denen es einfach egal ist, wenn der Bruder die Mutter oder Schwester besteigt und so weiteres Elend in die Welt gesetzt wird.

Krankes Katzenkind mit verklebten Augen
Kätzchen mit verklebten Augen

Kranke Katzen ohne Ende

Ich habe bei meiner Fototour so viele kranke Katzen gesehen. Kleine Kätzchen mit verklebten Augen deren Tage definitiv gezählt waren,

Kitten die tot im Vorgarten lagen, wo sie einen Tag zuvor noch mit der Mutter gemeinsam die Sonnenstrahlen genossen und ältere Katzen abgemagert wo man jeden Moment meinen könnte sie fällt auseinander.

Katzenmumie
Katzenmumie

Ich habe skelettierte Katzen gefunden und auch mumifizierte Katzen. Für Fotos sicher toll aber als Katzenliebhaberin dreht sich bei dem einen oder anderen Anblick der Magen um und es schnürt einem den Hals zu.

StreunerkätzchenManchmal hilft aber auch reden …

Und da war dieser alte Bauernhof. Teilweise die Gebäude im desolaten Zustand, die Alt-Bauern verstorben und die Jungen haben ihren Vollzeit-Job und an Landwirtschaft- und Viehzucht zeitlich kein Interesse.

Wir entdeckten dort bei unseren Touren zahlreiche Katzen, alte Katzen, kleine Katzen und eine Katze in einem bedauernswerten Zustand.

„Das kann so nicht bleiben, da muss was passieren“ war mein erster Impuls. Okay fühlt sich nur keiner zuständig.

Ich habe dann aber durch die Katzenhilfe Würzburg eine super kompetente Ansprechpartnerin vermittelt bekommen, die mich tatkräftig unterstützte und beim örtlichen Tierheim eine Kastrationszusage für alle Katzen ausgehandelt hatte.

Lebendfalle hatte Lea, meine großartige Unterstützung, und jetzt brauchten wir nur noch die Erlaubnis des Grundstücksbesitzers, dass wir aufs Grundstück dürfen und die Katzen einfangen.

Ich kann euch verraten – ich hatte mordsmässigen Bammel. Also so richtig Bammel, denn ich rechnete damit mit weniger freundlichen Worten empfangen und mehr oder weniger vom Hof gejagt zu werden.

Streunerkatzen FütterungIch erlebte dort meine größte Überraschung diesbezüglich. Man war begeistert und war sich der Problematik bewusst, aber sie wussten nicht, wie sie dieses Problem bewältigen sollten, zumal die Katzen auch unheimlich scheu waren.

Also ein deutlicheres „Ja“ hätten wir nicht bekommen können.

Die Kastrationsaktion beginnt….

Wir hatten vor Ort den lieben Marc, der sich aufopferungsvoll täglich aufmachte, um die Streunerkatzen auf diesem Hof zu füttern und an die menschliche Nähe zu gewöhnen.

LebendfalleJeden Tag ging er mit Futter bewaffnet hin und versorgte sie, so dass sie sich mehr und mehr an die menschliche Nähe gewöhnten und wussten „Da gibt’s was zum Fressen“.

Und dann war es so weit und Lea stellte die Falle auf und wartete …… sie hatte eine Engelsgeduld und die wurde dann auch mehrfach belohnt.
Eine Katze nach der anderen konnte eingefangen werden. Viele mit der Falle aber bei einigen brauchte es einen beherzten Griff.

Begeistert war keine von ihrer Gefangenschaft, aber da mussten sie durch.  Und Marc hatte einige ausgesprochen tiefe und sicher sehr schmerzhafte Kratzer abbekommen.

Eine Katze nach der anderen konnte somit zum Kastrieren zum Tierarzt gebracht werden und zwei Tage später durften sie wieder in ihr altes Revier kommen. Wobei nicht ganz, zwei junge Kätzchen sind gleich bei Marc eingezogen 😊

Die Seifenblasenkiste ….. (Author leider unbekannt)

„Jedes Tier auf dieser Erde bekommt von Petrus zu seiner Geburt eine Kiste voll mit Seifenblasen geschenkt. Diese Kiste begleitet jedes von ihnen ihr gesamtes Leben lang,
doch dieses Geheimnis kennen nur unsere geliebten Vierbeiner und Petrus.
Die Kiste ist am ersten Tag noch bis zum Rand gefüllt und jedes Mal,

wenn wir Menschen unserem geliebten Tier etwas Gutes tun, ihn mit so viel Liebe anschauen,
dass es uns selbst im Innern schon weh tut, platzt eine der Seifenblasen.
Am Tage, an dem unser Freund den letzten Weg geht, auf dem wir ihn noch nicht folgen können, gelangt er an die Tür von Petrus und Petrus öffnet jede einzelne Kiste.

Er sah schon Tiere, jung an Jahren die über die Regenbogenbrücke zu ihm kamen, noch nass vom Schweiß,
die Striemen der Schläge noch deutlich zu erkennen, ein Bein gebrochen und als Petrus die Kiste öffnete,
war diese noch randvoll mit Seifenblasen, nicht eine war geplatzt!

Traurig berührte er das arme Geschöpf, heilte seine Wunden und ließ es ein in sein Reich…

Er brauchte sich nicht die Mühe machen zu fragen, wie es dem Tier auf unserer Welt ergangen war.

Doch es gab auch Tiere, die im hohen Alter zu ihm kamen, zufrieden und doch mit einem traurigen Blick in den Augen, denn sie haben ihren Menschen zurücklassen müssen!!

Und als Petrus diese Kisten öffnete, platzte in diesem Augenblick die letzte Seifenblase!

Diese stand für die Tränen die der Freund auf Erden weinte, da er nach so vielen Jahren seinen treusten Freund verlor..
Zufrieden streichelte er unsere Vierbeiner und fragte sie, wie sie ihr Leben gelebt hatten.

Diese schauten zurück zur Regenbogenbrücke und sagten, sie würden hier bei Petrus auf uns warten,  denn das Leben an unserer Seite war voll von Harmonie und Glückseligkeit.

Petrus nickte, denn die Kiste, die nun leer vor ihm stand, spiegelte genau das wieder und auch sie ließ er ein in sein Reich, blickte herunter zu uns und lächelte, denn er wusste, dass eines Tages, genau an dieser Stelle unser geliebter Vierbeiner auf uns warten würde….

Oma LissyOma Lissy oder auch KrankI genannt …..

Liebe Oma Lissy, deine Kiste ist noch reichlich gefüllt. 12 Jahre lebtest du ungeliebt und unbeachtet.

Als ich dich gesehen habe, wusste ich das ich handeln musste und du warst der Auslöser für diese Kastrationsaktion.

Dein Leben konnten wir retten dank des entschlossenen „Nein“ als man mir die Frage stellte, ob man dich euthanisieren soll.
Dein Körper übersät mit Flöhen und Zecken und deine Ohren ein Bild des Jammers. So zart, so geschunden aber doch ein ausgesprochen freundliches Wesen.

Oma Lissy KatzenkorbZwei Tage später nach einigen Infusionen und gepäppelt warst du nicht nur kräftig genug sondern auch kämpferisch genug, dass die Tierärztin grünes Licht für deine Kastration gab.

Im übrigen, du hast weder FIP noch FIV und auch deine Blutwerte sind angesichts deines Alters und der Umstände im absolut grünen Bereich gewesen. Man hätte also eine gesunde Katze eingeschläfert. Ich bin froh dass ich nein gesagt habe auch wenn dieses Nein mich um 360 Euro ärmer gemacht hat. Das Tierheim hatte sich ja nur bereit erklärt für Kastrationskosten aufzukommen. Leben zu retten war nicht geplant.

Wir hatten auch lange diskutiert und wir hätten einen Lebensplatz sicher für dich gefunden aber wir hätten dich aus deinem Revier, von deiner Familie weggerissen. In einem Alter, in dem es nicht mehr so einfach ist sich umzugewöhnen und so haben wir dir zu Liebe entschieden dich wieder in deinem Revier frei zulassen.

Oma Lissy RückkehrAber wir wussten binnen weniger Minuten und Stunden das dies die absolut richtige, goldrichtige Entscheidung war.

Mach es gut Oma Lissy, pass auf dich auf und wir kommen dich öfters besuchen und sehen nach dem Rechten.

Wir schaffen es noch, die eine oder andere Seifenblase in deiner Kiste zum Platzen zu bringen.

Oma Lissy schmusigFazit der Aktion

Es war keine leichte Zeit, nein ehrlicherweise war die sogar etwas stressig. Normaler Job, eigene Tiere, Koordination, hinfahren Katzen einsammeln, zum Tierarzt bringen, um sie danach wieder abzuholen und einige davon an „ihrem“ Ort wieder rauszulassen.

Aber es wurden doch 9 weibliche Katzen kastriert. 9 weibliche Katzen, die spätestens im Frühjahr durchschnittlich 3 Jungtiere zum Aufziehen gehabt hätten und wenn es doof läuft im Herbst gleich noch einmal.

Streunerkatze Dafür hat sich der Aufwand definitiv gelohnt – weniger Elend und auch weniger Schäden durch freilaufende streunende Katzen.

Ja, dies darf und muss man eindeutig auch ansprechen. Wir sind hier wie eingangs schon erwähnt sehr ländlich.

Wir haben hier sehr viele Vögel und davon einige Bodenbrüter wie Feldlerche, Kiebitz oder auch die Lerche. Diese Nester sind für hungrige Streuner ein im wahrsten Sinne des Wortes „gefundenes Fressen“.

Wenn einmal ein Gelege von einer Katze gestört/zerstört wird ist es zwar übel und nicht schön, aber verkraftbar – wenn aber unzählige hungrige Katzen auf der Suche nach Nahrung sind, ist das nicht mehr fein und könnte so die Natur hier massiv aus dem Gleichgewicht bringen.

StreunerkatzeDas es auch unter den Katzen Revierkämpfe gibt brauch ich nicht extra erwähnen, aber auch dies ist der Fall und so kann es zu schweren Verletzungen kommen, die nicht behandelt unweigerlich früher oder später zum qualvollen Tod der Katze führt.

Auf die Übertragung von Zoonosen will ich hier gar nicht näher eingehen, das würde nun zu ausschweifend werden.

Katzenschutzverordnung muss her – JETZT!

Es muss jetzt echt etwas getan werden, soviel Katzenelend was ich die letzten Wochen gesehen habe – das bleibt auch von anderen Menschen nicht unbemerkt.

Als wir die Kastrationsaktion hatten wurden wir immer wieder darauf angesprochen „was wir denn hier machen“.

streunerkatzeWir mussten den Leuten tatsächlich nicht viel erklären. Als wir sagten „Kastrationsaktion“ kam von allen ungefähr die gleiche Aussage

„Gott sei Dank kümmert sich mal jemand“

Wir haben vielfach Anfragen auch bekommen, ob wir nicht auch mal bei „XY“ aktiv werden können, weil da so viele Katzen sind.

Die Grundbesitzer auf den wir so aktiv die Katzen „eingesammelt“ haben sind im Übrigen von dieser Aktion bzw. von dem Ergebnis so begeistert, dass sie sich mit dem einen oder anderen zusammensetzen wollen, um ihn auch von der Kastration seiner Katzen zu überzeugen.

Eine der Aussagen, die wir hörten, war

Die Katzen sind so viel zutraulicher geworden und fangen trotzdem weiter die Ratten und Mäuse“

Liebe Gemeinde, wie lange wollt ihr warten?

Es ist an der Zeit zu handeln um weiteres Leid und Elend zu vermeiden. Auch die Kosten würden explosionsartig steigen, wenn man zu lange wartet.

Die Kastration von 20 Streunerkatzen kostet weitaus weniger, als wenn ein Vielfaches davon hier zum Kastrieren wäre.

Viele Gemeinden deutschlandweit haben es vorgemacht und als besonders tolles Beispiel würde sich das Paderborner Modell anbieten.

Es gibt seitens des Landestierschutzbeauftragten Hilfestellung, Vorlagen für eine entsprechende Verordnung und vieles mehr.

Man muss nur in die Pötte kommen und es angehen.

Es muss Aufklärung betrieben werden, die Leute müssen mehr und vor allem besser informiert werden.

Ich habe mich hingesetzt und ein Schreiben an unseren ersten Vorsitzenden vom NABU geschrieben mit der Bitte um Unterstützung bei der Einführung einer Katzenschutzverordnung. Mein Schreiben liegt nun auch der Stadtverwaltung vor und ich harre nun der Dinge und werde beizeiten nachfragen und dranbleiben.

Streunerkatzen, Katzenschutzverordnung


3 Gedanken zu „Das stille Leid der Streunerkatzen….

  • 26. September 2022 um 15:47
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    Ein so so wichtiger Beitrag und herzlichen Dank, daß Du (ich darf hoffentlich Du sagen) das Thema aufgreifst – und aktiv geworden bist. Kastration ist das Um und Auf hier um weiteres Elend zu vermeiden! Schön auch, daß Hilfe angenommen wurde – ist auch nicht selbstverständlich. Und ja, ES GEHÖRT EINE VERORDNUNG her! In Österreich gibt es zwar eine, daß Katzen mit Freigang kastriert werden müssen, aber wer kontrolliert denn das? Und unzählige Vereine übernehmen die oft ehrenamtliche Drecksarbeit (nicht böse gemeint, die Katzen selber können ja nichts dafür!) mit Einfangen, Kastrieren und wieder Freilassen. Und dann gibts so ehrenwerte Gemeinden, die sich nicht mal an den Kosten der Aktion beteiligen wollen. Danke also auch, daß Du den NABU angeschrieben hast – ES MUSS ENDLICH WAS PASSIEREN! Bitte bleib dran und halte uns hier am Laufenden. Vielen vielen Dank für Deinen Einsatz.

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  • 26. September 2022 um 22:05
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    Excelente articulo. Es una hermosa labor la que usted realiza por el bienestar de los gatos. La felicito!

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  • 13. Oktober 2022 um 16:53
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    Hey :)

    Ich finde es persönlich sehr schön, dass du so einen Beitrag schreibst und die Menschen drauf aufmerksam machst. Ich war in Tunesien, Griechenland usw. und es ist schrecklich zu sehen, wie die Katzen aber auch Hunde leiden. Ich habe selbst mehrere Straßenkatzen aus Griechenland und einen Straßenhund aus Griechenland.

    Aber leider kann man nicht allen Tieren helfen aber ein Zauberwort wäre kastrieren. Aber leider denken viele Menschen nicht so weit.

    Liebe Grüße Shelly

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