Mythos in der Katzenernährung: Das Hühnerei

Hühnerei – Mythen und Legenden. Vielfach, wenn ich in den Katzengruppen so quer lese, stoße ich immer wieder auf Beiträge in denen gefragt wird ob man der Katze nur das Eigelb oder auch das Eiweiß geben darf.

Da kommen dann meist die abenteuerlichsten Antworten zu Tage – angefangen von „niemals Eier roh verfüttern wegen Salmonellen“ bis zu „Nur das Eidotter, ansonsten kommt es zu einer Mangelernährung“.

Katzenernährung, Hühnerei, Avidin, Biotin, Taubertalperser, Info, BiotinmangelDas Wort Mangelernährung löst in mir nervöses Augenzucken aus, denn dieses Wort klingt dramatischer als es ist. Gemeint ist hier, dass es zu einem Biotinmangel kommen kann.

Und weil mich das ehrlicherweise ein klein wenig nervt war ich so „bequem“ mir mal alles zusammenzusuchen und hier in einem Beitrag zusammenzufassen. Einfach um mir die Mühe des tippen zu ersparen, falls mal wieder wer fragen sollte „Darf ich das ganze Ei verfüttern?“

Bequem steht absichtlich in Anführungszeichen, denn bequem ist nur dann das Ergebnis, die Suche und Recherche war äußerst zeitaufwendig.

Aber die einfachste Antwort auf die Frage „Kann ich meiner Katze ein Ei verfüttern oder nur Teile davon?“ ist

„Ihr könnt ohne Bedenken der Katze das ganze Ei verfüttern“

Aber ich will euch auch ein wenig erklären warum dies so ist und warum ihr vor einem Biotinmangel bei euren Katzen keine Angst haben braucht.

Das Vitamin Biotin

Biotin, oder auch als Vitamin H oder Vitamin B7 bezeichnet ist ein wasserlösliches Vitamin aus dem B-Komplex und spielt eine wichtige Rolle im Stoffwechsel eines jeden Lebewesens. Es ist verantwortlich für das Zellwachstum, Verstoffwechselung von Fettsäuren aber auch für die Gesunderhaltung der Haut und Haare/Fell.

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Egal ob es nun Mensch oder Tier ist, es partizipieren alle von dem Hühnerei, das als Gesamtes ein wahres „Nährstoffpaket“ ist.

Denn neben Biotin sind noch viele andere Vitamine und Mineralstoffe enthalten.

Nährstoff in 100 g Ei sind enthalten
 Protein 13 g
Kohlenhydrate 1g
Fett 11g
Vitamin A 0,27 mg
Vitamin D 1,75 µg
Vitamin E 2,02 mg
Vitamin K 0,05 mg
Vitamin B1 0,10 mg
Vitamin B2 0,31 mg
Vitamin B6 0,08 mg
Folsäure 0,07 mg
Natrium 144 mg
Kalium 147 mg
Calcium 56 mg
Phosphor 216 mg
Magnesium 12 mg
Fluor 0,1 mg
Eisen 2,1 mg
Jod 52 µg

Aber im Ei ist auch Avidin enthalten, genauer gesagt im Eiklar welches Biotin im Gastrointestinalrakt. Und das ist der Punkt der viele Katzenhalter verunsichert und man der Überzeugung ist, man dürfe nur das Eidotter verfüttern.

Abgesehen davon, dass auch im Eiklar Biotin enthalten ist, finden sich in den unterschiedlichen Studien auch extrem abweichende Werte sowohl vom Biotin-Gehalt im Ei als auch von Avidin.

Aber was ist eigentlich Avidin?

Unter Avidin versteht man ein Glykoprotein, das besonders für sein Vorkommen im Hühnerei bekannt ist. Es hat die Eigenschaft, Biotin (Vitamin B7 / Vitamin H) binden zu können.

Die Form des Proteins ist ein Tetramer, wobei vier Biotin-Moleküle je Tetramer gebunden werden können. Die Fähigkeit von Avidin, Biotin zu binden, führt unter anderem auch dazu, dass Biotin im Gastrointestinaltrakt nicht aufgenommen werden kann, wenn man viel rohes Ei isst.

So ganz genau ist die biologische Funktion von Avidin bis heute noch nicht zweifelsfrei geklärt. Es wird vermutet das Avidin eine Abwehrsubstanz im Hühnereiweiß darstellt um das Wachstum von Bakterien zu hemmen.

Ich habe nun unterschiedliche Werte in den verschiedenen Unterlagen und Studien gefunden so ist z.B. von einer Avidinmenge von ca. 2 mg im rohen Ei die Sprache sowie von 20µg  Biotin.

Ursache für diese Abweichungen sind die unterschiedlichen Fütterungsmethoden der Hühner. Je besser die Hühner ernährt und gehalten werden, umso hochwertiger und nahrhafter das Ei an sich.

In einer der weiter unten aufgeführten Quellen wird einer höchsten Aktivität von hochgereinigten Avidin bei 13-14 Einheiten pro mg Proteingeschrieben. Eine Einheit kann 1 mcg Biotin binden.
Rein rechnerisch bindet somit das vorhandene Avidin genau die Menge an Biotin, die in einem Eigelb vorhanden ist.

So gesehen geht die Sache 0 auf 0 auf und es kann hier kein Biotinmangel durch den Verzehr von einem ganzen Ei entstehen. Avidin kann nicht unendlich Biotin binden sondern nur in der Menge seiner vorhandenen Struktur und Form.

Wenn man nun bedenkt dass nur ganz wenige Fälle bekannt sind, die ausnahmslos auf den übermäßigen Verzehr von rohen Eiklar zurückzuführen sind, erscheint die Zahl durchaus glaubwürdig.

Den besten Satz fand in einem Artikel von Prof. Dr. Helmut Heseker von der Fachgruppe Ernährung und Verbraucherbildung an der Fakultät für Naturwissenschaften Universität Paderborn

„Experimentell kann daher ein klinisch relevanter Biotinmangel durch die Verabreichung exzessiver Mengen von rohem Ei erzeugt werden.“

Durch Kochen kann man das Avidin im Übrigen inaktivieren, so dass keine Biotinbindung mehr stattfindet.

Mir war bis zu meiner Recherche auch nicht bekannt das Avidin erst in den wissenschaftlichen Fokus rückte als Hühner, die ausschließlich mit viel Eiklar gefüttert wurden Mangelerscheinungen bekamen. Aber man lernt ja bekanntlich immer dazu :-)

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Der Mythos – das Ei ist eine Biotinbombe

Jetzt kommen wir zum wirklich interessanten Teil des Mythos. Das Eidotter soll man ja laut einigen verfüttern, wenn das Fell schlecht ist weil es eine wahre Biotinbombe sei.

Ich habe mir die Mühe gemacht, den Biotingehalt verschiedener Lebensmittel herauszufinden, denn überraschenderweise steckt Biotin ja nicht nur im Eidotter, sondern auch noch im ganz vielen Lebensmittel drinnen.

Und da kam aus meiner Sicht doch die eine oder andere Überraschung zu Tage.

Oder war euch klar dass in Rinderleber 100 µg Biotin auf 100 Gramm enthalten sind? Im Vergleich bei einem Ei liegt der Biotingehalt gerade mal bei  23,8 – 53 µg/100 g je nach Herkunft der Eier.

Aber nicht nur in den Rinderlebern ist Biotin enthalten, auch in den Rindernieren, Möhren oder Weizen, wobei wir letzteres ja nicht wirklich unseren Katzen verfüttern.

Aber auch hier wäre genügend Biotin enthalten um den Tagesbedarf unserer Katzen zu decken.

Hier ein paar Werte für euch:

Eier: 23,8 – 53 µg/100 g

Fleisch:

  • Rinderleber: 100 µg/100 g
  • Rinderniere 58 µg / 100g
  • Schweineleber: 30 µg/100 g
  • Schweinefleisch: 3,3 – 5 µg/100 g
  • Rindfleisch: 1,9 – 3 µg/100 g

Fisch:

  • Hering: 4,5 – 9 µg/100 g
  • Forelle: 7,7 µg/100 g
  • Rotbarsch: 4,8 µg/100 g
  • Kabeljau: 2,2 – 2,7 µg/100 g

Ihr seht auch bei einigen Produkten, dass hier die Angaben variieren. Hierfür ist der Grund die unterschiedlichen Haltungs-/Lebensbedingungen.

Der Bedarfswert unserer Katzen

Unsere Fellnasen benötigen bei einem Gewicht von 4kg ca. 12 µg Biotin/Tag. Der Bedarf wäre also durch ein Stückchen Rinderleber von 12 (!!) Gramm bereits gut gedeckt.

Katzenernährung, Hühnerei, Avidin, Biotin, Taubertalperser, Info, BiotinmangelAuch durch das normale handelsübliche Katzenfutter ist der Bedarf an Biotin bei unseren Stubentigern ausreichend gedeckt (außer natürlich man verfüttert seltsame Plörre, machen wir alle ja nicht, und auch da wird es schwierig da in fast allen Lebensmitteln Biotin enthalten ist.)

Bei Biotin handelt es sich um ein wasserlösliches Vitamin das somit nicht überdosiert werden kann. Ein zu viel an Biotin wird über den Urin ausgeschieden. Das bedeutet aber auch, das ein zu viel an Biotin keinen nennenswerten Nutzen hat.

Ganz wichtig sei aber noch anzumerken: Durch die Einnahme von Biotin werden Labortests verfälscht. Dadurch kann es sowohl zu falsch positiven als auch zu falsch negativen Ergebnissen kommen. Davon betroffen sind insbesondere Untersuchungen der Schilddrüsenhormone.

Ja aber es heißt doch immer „es macht die Haare schön“

Naja nicht ganz. Das es Haare schön macht stammt noch aus einer längst vergangenen Zeit als das Vitamin B7 noch Vitamin H (H stand für Haut und Haare) stand, als man seine Wirkung 1898 entdeckte (also vor mehr als 100 Jahren).

Und dies hält sich dank diverser Nahrungsergänzungsmittelhersteller und ihren „Slogans“ seit Ewigkeiten und noch drei Tagen.

Interessant ist diesbezüglich auch das die Europäische Union nach Bewertung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) folgende gesundheitsbezogene Angaben zugelassen, hat da Biotin an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt ist:

  • trägt zur Erhaltung normaler Schleimhäute bei
  • trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei
  • trägt zur normalen psychischen Funktion bei
  • trägt zu einem normalen Stoffwechsel von Makronährstoffen bei
  • trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei

Der Augenmerk liegt hier eindeutig auf „zu einem normalen ….bei / zur Erhaltung …bei“. Da ist nichts von „verbessert“ sondern nur „Erhalt“.

Die EFSA weist auch darauf hin, dass die Biotin-Aufnahme in der Bevölkerung ausreichend ist. Somit ist von einer zusätzlichen Aufnahme keine weitere Wirkung auf Haut oder Haare zu erwarten.

Aber wie bei so vielen im Leben – man liest auf den Packungen nur das was man lesen will oder verdammt groß geschrieben ist so das, das Kleingedruckte nicht mehr auffällt.

Kurzgefasst: Biotin macht nicht die Haare schön sondern sorgt nur für den Erhalt.

Einen Punkt haben wir noch –  Salmonellen

Ganz, ganz wenige finden noch das Gegenargument „Salmonellen“.

Allerdings befinden sich Salmonellen in erster Linie, wenn überhaupt, auf den Eierschalen und es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Salmonellen ihren Weg ins Ei finden, es sei denn, die Eierschale ist beschädigt. Solche Eier sollte man immer schnell verbrauchen und vor dem Verzehr erhitzen.

Generell gehen die meisten Salmonellenfälle, die mit Ei in Verbindung stehen, nicht einmal vom Ei aus sondern es handelt sich hierbei meist um eine Kreuzkontaminationen, d.h. die Eier wurden erst von Salmonellen in der Küche kontaminiert.

Allerdings um die Salmonellen abzutöten müsste das Ei mindestens 15 Minuten auf eine Kerntemperatur von 75 Grad erhitzt werden. Ob dann aber so ein Ei, ernährungsphysiologisch noch Sinn macht, darf mit guten Gewissen angezweifelt werden.

Eier sollten im Übrigen IMMER im Kühlschrank aufbewahrt werden.

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Ihr solltet aber generell darauf achten woher eure Eier stammen. Sind es Käfigeier wo die Hühner mit billigen Soja ernährt wurden oder stammen sie aus Freilandhaltung? Eventuell sogar direkt vom Bio-Bauernhof?

Die in Soja enthaltenen Isoflavone stehen im Verdacht Schilddrüsen- und Lebererkrankungen auszulösen und diese billige Komponente ist in den meisten Fertigfuttermischungen für Käfighühner enthalten.

Ich habe hier das unwahrscheinliche Glück Eier direkt vom Bauern beziehen zu können und abgesehen davon, dass sie nur minimal teurer sind als die Supermarkteier – sie schmecken weitaus besser.

Die beste Lösung ist also daher nicht nur für die Katze, sondern auch für uns, Bioeier von freilaufenden Hühnern.

Wenn ihr euch aber noch immer unsicher seid – gebt den Katzen das Ei weichgekocht, so dass das Eigelb noch flüssig ist. Dann habt ihr das Avidin „ausgeschaltet“ und das Biotin aber erhalten. Auch wenn es, wie schon geschrieben keinen Sinn macht :-)

Und bevor ich nun bombardiert werde mit der Frage „Wo hast du die niedlichen Eierbecher her?“ verrate ich euch es einfach gleich, dass ich die bei Amazon* entdeckt habe (hier bitte Herzchen vorstellen).



* Ich nutze Partnerlinks (Was sind Partnerlinks?)

Quellen:

Verbraucherzentrale – Biotin für gesunde Haut, glänzende Haare und feste Nägel – https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/sorgt-biotin-fuer-gesunde-haut-glaenzende-haare-und-feste-naegel-13635 (abgerufen am 30.04.2019)

Heseker H; Stahl A (2009): Biotin: Vorkommen, Funktionen, Physiologie, Referenzwerte und Versorgung in Deutschland, Ernährungs Umschau (5): 288-93 (abgerufen am 30.04.2019)

Dillitzer, Natalie; Fritz, Julia; Kölle, Petra; Liesegang, Annette (2012-09-12). Tierärztliche Ernährungsberatung: Diätetik und Fütterung von Hunden, Katzen, Reptilien, Meerschweinchen und Kaninchen (German Edition) (Kindle Locations 3055-3057).

Schenck, Patricia (2011-11-16). Home-Prepared Dog and Cat Diets (Kindle Location 1296).

https://www.affiland.com/avidin.htm

Zu wenig bekannt und zum Teil folgenschwer – durch Biotin verfälschte Laboruntersuchungen. arznei-telegramm 50 (1): 14, 2019 – https://www.arznei-telegramm.de/html/htmlcontainer.php3?produktid=014_01&artikel=1901014_01k

3 Gedanken zu „Mythos in der Katzenernährung: Das Hühnerei

  • 5. Mai 2019 um 11:58
    Permalink

    Vielen Dank für diese sehr interessante und umfangreiche Ausführungen. Nicht nur sind da einige Aspekte erwähnt, die mir bislang entgangen waren, auch ich werde mir in Zukunft in diversen Foren wohl Tipparbeit sparen können und einfach auf Deinen Beitrag verweisen!

    Liebe Grüße
    Sabine und Slimmy

    PS: Wie immer besonders schön: Die Quellenangaben!!!

    Antwort
  • 6. Mai 2019 um 08:44
    Permalink

    Vielen Dank für die umfassende und detaillierte Ausführung. Ich freue mich immer, wenn ich etwas Neues lernen kann, gerade zum Thema Ernährung. Und besonders, wenn die Ausführungen so gut mit Quellenangaben belegt sind (;

    Liebe Grüße
    Sabine und Slimmy

    Antwort

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