Sorgen, Sorgen – nichts als Sorgen …..

Ja, ich bin zurück aus Wien.

Wie einige von Euch mitbekommen haben, bin ich am Freitag nach Wien gefahren, um endlich nach fast einem Jahr meine Eltern wiederzusehen.

Das wir uns entsprechend vernünftig und vorsichtig verhalten haben brauche ich wohl nicht näher erwähnen?

Oder vielleicht doch, denn offensichtlich ist das nicht so ganz klar, dass ich selbstverständlich nur unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen meine Eltern besuchte.

Wenn Eltern älter werden ….

stellen sich leider die diversen Krankheiten ein. Manche sind nur „kleine“ Zipperlein, die einen jeden von uns mehr oder weniger plagen aber bei meinem Vater ist es leider etwas gravierender.

So hat mein Vater nur noch eine Lungenfunktion von an die 35% und ist, vor allem an schlechten Tagen auf seine Sauerstoff-Flasche angewiesen.

Er leidet schon seit Jahren an COPD und ist hier leider im GOLD-III-Stadium. Leider hat er aber noch ein paar andere Krankheiten wie Diabetes, nur noch eine Niere und kaputte Kniegelenke, die seine Lebensqualität nicht wirklich verbessern.

Aber ganz schlimm ist seine altersbedingte Demenz, die eine Unterhaltung mit ihm ausgesprochen schwierig und mühsam machen.

So habe ich ihn letztes Jahr im August das letzte Mal gesehen und danach ging es mit diversen Lockdowns, Ausgangsbeschränkungen weiter.

Österreich hatte sogar Einreiseverbote ausgesprochen bzw. man durfte bis Mitte Mai nur einreisen, wenn man sich in eine 10-tägige Quarantäne begab.

Ja klar, wie soll man dies machen?

Quarantäne in einem Hotel? Unbezahlbar, davon mal abgesehen so viele Urlaubstage hat auch kein Mensch das er da mal frisch fröhlich permanent sich in Quarantäne begibt.

Es war eine schwierige Entscheidung so lange abzuwarten, bis meine Eltern als auch ich endlich geimpft wären.

Mir war und ist leider bei meinem Vater bewusst das jeder Tag zählt und ich hoffte, ihn noch lebend wiederzusehen. Die Anspannung war riesig, wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt.

Goldfischteich im Schloßpark LaxenburgEndlich war es soweit …..

Mitte Mai war es so weit, nicht nur die Reisebeschränkung nach Österreich fiel, auch ich erhielt meine Impfung, meine Mutter hatte auch schon ihre erste Impfung erhalten. Nun hieß es noch die Zeit abzuwarten und am 18. Juni war endlich der Tag gekommen und ich durfte ganz offiziell reisen und meine Eltern besuchen.

Nichtsdestotrotz haben wir noch weiter gewisse Regeln beachtet.

Einfach auch um meinen Vater zu schützen. Denn, sollte er sich infizieren mit diesem Virus – man braucht hier kein medizinisches Studium, um zu wissen, diese Infektion wäre für ihn tödlich.

Und es war gut, dass ich nach Wien gefahren bin, während sich meine Mutter fantastisch erholt hatte von ihrem Wirbelsäulenbruch sieht es bei meinem Vater leider nicht so toll aus.

Und ihr könnt euch gleich merken, Telefonate ersetzen keinen persönlichen Besuch. Eltern lügen IMMER am Telefon, wenn es um ihren Gesundheitszustand geht.

Schloßpark LaxenburgMein Vater hatte seit dem letzten Besuch zwischen 15 und 20 Kilo abgenommen. Abgenommen, ohne zu fasten oder sich zu bewegen …… Arztbesuch kommt für ihn überhaupt nicht in Frage, dagegen verwehrt er sich und sein Starrsinn macht ein entsprechendes Unterfangen ihn zum Arzt zu bringen unmöglich.

So habe ich die kurze Zeit, die ich in Wien war genutzt mich von meinem Vater mehr oder weniger zu verabschieden.

Jetzt in den Sommermonaten Juli, August brauche ich gar nicht daran denken runterzufahren, frühestens ist ein Besuch wieder im September möglich – mal sehen.

Ich habe ihn zum Abschied am Sonntag als ich wieder heimgefahren bin umarmt und gesagt

„Papa ich hab‘ dich lieb“.

Ich hoffe es sind nicht die letzten Worte an ihn, aber sollte es so sein – er hatte sie noch einmal von mir gehört.

Und mit meiner Mutter hatte ich einen wundervollen Tag im Schloßpark Laxenburg an den wir beide uns noch sehr, sehr lange erinnern werden.

Aber daheim gehen die Sorgen weiter ….

Bevor ich nach Wien gefahren bin, habe ich den ältesten Katzen hier im Haus die Haare geschnitten. Ich hatte bemerkt das Dividi, je älter er wird, enorm unter der Hitze gelitten hat. Also runter mit seiner enormen Fellpracht :-) Und gut war es, danach sprang er herum als wäre er maximal 6 Jahre und keine 12.

Und weil Zwetschke so hoch interessiert war, bekam sie auch gleich eine schicke Sommerfrisur. Nur dann bemerkte ich etwas, das ich nicht bemerken wollte – Knoten an der Gesäugeleiste ……

Nun ging es zum Tierarzt mit dem Verdacht auf Mammatumore, wobei es ist kein Verdacht war meinerseits, sondern es erschien mir mehr als offensichtlich.

Zwetschke mit SonnenbrilleDie Frage, die sich nur stellte – haben sie schon gestreut? Gibt es Metastasen und wenn ja wo …..gerade Siam und Perserkatzen sind prädestiniert für Gesäugetumore und vor gerade bei diesen Rassen sind sie hoch aggressiv.

Mein süßes, kleines Mädchen ist ja doch auch schon 10 Jahre alt und Narkosen sind, wie ich aus leidvoller Erfahrung weiß auch nicht ganz ungefährlich.

Hatte ich noch gehofft das ich mich irre wurde meine Hoffnung nach dem Tierarztbesuch jäh zerstört. Nicht nur dass sie mehr Tumore an der Gesäugeleiste hat als gedacht und ich gefühlt hatte, haben diese bereits Metastasen in der Lunge gebildet.

Röntgenaufnahme Metastasen Lunge bei Mammatumor
Metastasen in der Lunge

Nach Rücksprache mit meiner Tierärztin und einer ihrer Kolleginnen haben wir uns gegen eine Operation entschlossen und werden ihr noch eine wundervolle Zeit bereiten, solange es uns noch vergönnt ist.

Und wenn die Zeit für uns gekommen ist, werden wir den letzten Weg gemeinsam beschreiten. Es wird kein einfacher Weg für uns sein aber das sind wir unseren Tieren schuldig – von Anfang an, ein Leben lang.

Und bevor wer nachfragt wie es uns geht nach der Diagnose – Zwetschke ist wie immer, zeigt Gwenni wo der Frosch die Locken hat, moppert mich an wenn ich nicht schnell genug den Futterteller hinstelle und geht Dividi auf den Nerv.

Nur ich hänge noch ein wenig rum und kann es noch gar nicht fassen und will es irgendwie auch nicht wahrhaben, das dies wohl der letzte Sommer für meine kleine Zwetschke sein wird …. es ist ungerecht und unfair – aber ist dies nicht das Leben meistens?



6 Gedanken zu „Sorgen, Sorgen – nichts als Sorgen …..

  • 22. Juni 2021 um 10:47
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    Liebe Andrea,
    dein Bericht hat mich sehr berührt. Diese Tage waren wichtig für dich und deine Eltern, sie geben Kraft, jedem von euch. Deinem Vater wünsche ich von Herzen einen friedlichen Weg. Deiner Mutter weiterhin viel Kraft und weiter gute Genesung.
    Welch schreckliche Diagnose für Zwetschke und dich. Es wird kein einfacher Weg, dennoch ein intensiver, voller Liebe und Hingabe, auch wenn es einem das Herz zu zerreißen droht. Ich entsinne mich gut an den Weg mit meiner Lucy (und natürlich auch allen anderen meiner Regenbogenlieblinge). Im Nachhinein erfüllt es das Herz mit Wärme und Dankbarkeit, dass man alles getan hat, was möglich und sinnvoll war. Ja, das Leben ist manchmal ein mieser Verräter :-(
    Ich wünsche dir von ganzem Herzen alle Kraft für diese Zeit und die schönsten Stunden.

    Antwort
    • 22. Juni 2021 um 11:08
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      Ganz, ganz lieben Dank für deine Worte, die mich sehr berührt haben. Ich versuche aktuell noch ein wenig mich zu fangen, denn um ehrlich zu sein, auch wenn ich es vermutet hatte. Die Diagnose bei Zwetschke war dann doch wie ein Schlag in die Magengrube.

      Antwort
      • 24. Juni 2021 um 00:10
        Permalink

        Hey Andrea,
        Auch mir tut das alles unfassbar leid.
        Ich drück Euch alle unbekannter Weise sehr.

        Liebe Grüsse von mir
        Biggie

        Antwort
  • 1. Juli 2021 um 08:15
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    Liebe Andrea,
    ich fühle ihre Ohnmacht, Verzweiflung und Trauer. Wir haben am 27.03.21 unsere geliebte Katze Beverly mit einer T-Zell Leukämie, im Alter von fast 13 Jahren, über die Regenbogenbrücke gehen lassen müssen. Monatelang war ich sprichwärtlich „im falschen Film“.
    Aber das Wissen, dass die Seele unsterblich ist und es ein Wiedersehen gibt, tröstet mich sehr.
    Ihre Tiere wissen und spüren täglich, wie sehr sie bei Ihnen geliebt werden und das verbindet – für immer!
    Ich lese oft ihre wunderbaren Berichte und bin sehr dankbar, dass es Menschen wie Sie gibt, die sich diese Mühe machen u. all die wichtigen Infos für andere weitergeben.
    Genießen Sie die verbleibende Zeit miteinander.
    Ich drücke Sie ganz fest und schicke Ihnen viel Kraft, auch für Ihre Eltern.
    Alles Liebe,
    Sonja

    Antwort
  • 3. Juli 2021 um 22:27
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    Liebe Andrea

    Ich drücke dich ganz lieb aus der Ferne. Geniess‘ die Zeit mit deinem Schmusetier. Ich habe schon viele Diagnosen und sogar Berichte gehört und erhalten für meine Tiere. Und in der Traurigkeit versuche ich, mit der bewussten Wunscherfüllung zu sein und mir meinen Liebling einfach glücklich vorzustellen. Was das auch immer bedeuten mag. Genau das selbe mache ich mit meinem fortgeschritten dementen Vater, ich stelle ihn mir glücklich vor. Erst dachte ich, er will doch sicher gesund sein und dann sagte er mir, er möchte bei seiner Frau im Himmel sein. Manchmal wissen wir ganz einfach nicht, was sich der andere tatsächlich tief in sich drinnen wünscht. Und egal, was im Aussen ist, ich bleibe beständig und im Vertrauen in dieser Vorstellung. Alles Liebe für dich, Mylène

    Antwort
  • 20. Juli 2021 um 08:06
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    „….haben wir uns gegen eine Operation entschlossen und werden ihr noch eine wundervolle Zeit bereiten, solange es uns noch vergönnt ist.“

    Das zeugt von deiner Stärke und ich wünschte ich hätte diese damals auch gehabt. Als meine Kleine rasant an FIP erkrankte, versuchte ich alles mögliche und kämpfte mehr mit der Krankheit als meine Katze zu lieben. Ich wollte es nicht wahrhaben, dass sie bald von uns geht und jetzt denke ich mir: Warum hab ich sie nur fast täglich zu diversen Tierärzten mitgenommen, Blutabnahmen, Astronautenfutter usw. Ich glaube das werde ich mir nie verzeiehen aber ich habe aus dem Fehler gelernt.

    Ich wünsche Dir und Zwetschke noch ganz viele schöne Tage.

    Antwort

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