Was ist eigentlich eine Hobbyzucht? – Taubertalperser

Es gibt viele Worte für die „Vermehrung“ von Tieren.  Sorry, für das Wort Vermehrung aber es trifft den Pudels Kern in etwa und in weiterer Folge werdet ihr verstehen warum ich dieses Wort gewählt habe.

Alle diese Worte beschreiben die Handlung mindestens zwei Tiere unterschiedlichen Geschlechtes zu halten und diese fortpflanzen zu lassen.

Was ist aber eigentlich Zucht?

Als Zucht wird in der Biologie die kontrollierte Fortpflanzung mit dem Ziel der genetischen Umformung bezeichnet. Dabei sollen gewünschte Eigenschaften verstärkt und unerwünschte Eigenschaften durch entsprechende Zuchtauslese zum Verschwinden gebracht werden.

Um die Ziele zu erreichen, wird entweder durch den Züchter selbst oder durch einen Zuchtverband eine Zuchtprüfung durchgeführt, um dann gezielt Individuen mit gewünschten Eigenschaften auszuwählen (künstliche Selektion).

In Österreich gibt es hier eine sehr schöne Definition über „Zucht“

„Zucht: vom Menschen kontrollierte Fortpflanzung von Tieren durch gemeinsames Halten geschlechtsreifer Tiere verschiedenen Geschlechts, gezielte Anpaarung oder das Heranziehen eines bestimmten Tieres zum Decken oder durch Anwendung anderer Techniken der Reproduktionsmedizin.“
(§4 des Bundesgesetzes über den Schutz der Tiere (Tierschutzgesetz-TSchG))

Ähnliches beschreit das deutsche Tierschutzgesetz.

Lara Croft vom Taubertal

Im Begriffsdschungel unterwegs

Wenn man in diversen Gruppen oder Foren so liest erzählen manche Personen gerne sie hätten ihre Katzen vom Hobbyzüchter, manche vom seriösen Vereinszüchter, der andere wiederum von einer Verkaufsplattform mit vier Buchstaben, „gerettet“ aus einem furchtbaren Haushalt oder von einer Tierschutzorganisation

Alle Personen haben eines gemeinsam, sie haben nun ein neues Familienmitglied aber dann enden schon meist die Gemeinsamkeiten.

Ich will heute nicht auf Tierschutzorganisationen oder ähnliches eingehen, denn auch hier wird teilweise viel Schindluder getrieben, sondern mich im heutigen Beitrag den „Hobbyzüchtern“ etc. widmen.

Hobbyzucht

Immer wieder stolpere ich über den Begriff Hobbyzüchter. Fragt man dann mal genauer nach erfährt man, dass dieser Hobbyzüchter in keinem Verein ist, seine Tiere maximal einmal im Jahr Nachwuchs bekommen und ansonsten „züchtet“ er ja nicht.

Und genau hier liegt der Irrtum, Zucht beschreibt die willentliche Verpaarung zweier Tiere zum Zwecke der Fortpflanzung. (Beamtendeutsch kann manchmal schon etwas amüsant sein). Das heißt es ist egal ob nun einmal im Jahr oder zwei-, dreimal. Und es ist auch egal wie viele Tiere derjenige hat.

Meist handelt es sich hier um Personen, die „nur einmal“ Babys haben möchten, ihre Katze einmal die „Mutterfreuden“ gönnen möchten usw.

Aber es geht hier immer um die willentliche Verpaarung zweier Katzen und da ist es unerheblich ob man nun für die Jungtiere Geld verlangt oder diese herschenkt.

Schwarzzüchter

Das sind die „vermeintlich“ ganz Cleveren. Meist mehrere Tiere, teilweise mit Stammbaum, teilweise ohne. Wobei die Qualität des Stammbaumes hier gerne angezweifelt werden darf.

Hier wird verpaart auf Teufel komm raus. Gerne werden auch neue „Rassen“ kreiert und werden dann als sogenannte „Edelmixe“ bei diversen Anzeigenportalen angeboten.

Gerne wird dem Käufer dann auch noch suggeriert das man seriöser Züchter ist und man gerne für 100 Euro zusätzlich für das Tier noch einen Stammbaum erhält.

Diese 100 Euro will der potenzielle Katzenkäufer natürlich nicht bezahlen, liegt ja eh nur „in der Schublade“ rum.

Warum sie nur vermeintlich clever sind.

Nun, bei genauerer Betrachtung kann so eine Schwarzzucht durchaus gewerbsmäßig sein und die daraus generierten Einnahmen sind steuerpflichtig und interessiert das Finanzamt ungemein.

Gewerbsmäßig handelt, wer sich durch wiederholte Tatbegehung eine fortlaufende Einnahmequelle von einiger Dauer und einigem Umfang verschaffen will.
Dabei genügt schon die erste Tatbegehung in dieser Absicht.

Quelle: Rengier, StrafR BT I, 16. Auflage München 2014, § 3 Rdn.

Vermehrer

Denen ist egal welche Rasse ihr Tier ist, wie gesund es ist, welche Vorfahren es sind usw. Hier wird ganz wild darauf losverpaart um so viel Nachwuchs wie nur irgendwie möglich zu bekommen. Und man möchte diese Katzenbabys auch so früh wie möglich los haben um ja keine unnötigen Kosten zu haben. Und wenn die daraus entstehenden Kätzchen zufällig noch langes Fell haben oder eine außergewöhnliche Zeichnung  kosten sie schon mal 500 Euro aufwärts. Impfungen nicht eingeschlossen.

Da wird einem schon gerne mal erklärt das die Mutter abgehauen ist, aggressiv zu ihrem Nachwuchs oder ähnliches. Das dies aber zum normalen Abnabelungsprozess gehört wird außer Acht gelassen.

Das auch hier das Finanzamt ein berechtigtes Interesse haben könnte liegt auf der Hand, oder? Aber auch das Veterinäramt könnte bei einer gewissen Anzahl an potenten Tieren sehr empfänglich sein.

Einhorn Lola rennt vom Taubertal Taubertalperser

Seriöse Vereinszucht

Seriöse Vereinszucht ist wohl unter all den bereits genannten, die mühsamste Form der Zucht. Hier wird entsprechende Selektion betrieben, die Tiere vorher auf alle möglichen Krankheiten getestet und auch auf Erbkrankheiten werden die als Zuchttiere geplanten Katzen untersucht.

Nur so gelingt es auf lange Sicht furchtbare Erkrankungen wie z.B. PKD als genetische Disposition zu eliminieren.
Aus einer seriösen Vereinszucht wird man niemals eine Katze ohne Stammbaum, Impfpass mit gültigen Impfungen etc. bekommen. Meist gibt es auch noch ein umfangreiches Info- und Starterpaket damit die Katze es leichter hat sich im neuen Zuhause einzugewöhnen.

Die meisten Vereinszüchter stehen auch dem Käufer noch Jahre danach mit Rat und Tat zur Seite und sind immer wieder Ansprechpartner für Fragen rund um das Lieblingsthema Katze.

Was sie aber mit den Hobbyzüchtern aus dem ersten Abschnitt gemeinsam haben?

Nun sie betreiben ihre Zucht als Hobby. Aber unter den teilweise äußerst strengen Auflagen eines seriösen Vereines. Mit entsprechender Gesundheitsvorsorge, mit Weiterbildung und vielen mehr was eine seriöse, verantwortungsvolle Zucht mit sich bringt.

Denn seriöse Zucht bedeutet NICHT einfach nur zwei Katzen miteinander zu verpaaren.

Ich habe nun lange genug selber gezüchtet und entsprechende Einblicke gewinnen können. Keiner konnte mit seiner Zucht seinen Lebensunterhalt bestreiten. Ganz im Gegenteil. Die meisten gehen noch äußerst hart arbeiten um sich ihr teures Hobby leisten zu können.

Warum sie dies dann machen? Weil sie eine Vision haben. Weil sie einen Traum haben und diesen leben. Die Preise, die sie für Liebhabertiere verlangen decken meist nicht einmal die Unkosten, die so eine Zucht mit sich bringt.

Leeloo vom Taubertal, Hobbyzucht, Taubertalperser

Gewährleistung bei Katzen

Im Übrigen wusstet ihr das seriöse Züchter der Gewährleistungspflicht unterliegen?

Bitte was? Gewährleistung?

Gewährleistung, auch Mängelhaftung oder Mängelbürgschaft, bedeutet im deutschen Schuldrecht das einstehen müssen für eine mangelhafte Leistung, insbesondere die Haftung für Sach- und Rechtsmängel (§ 365 BGB).

Hier erkennt man sofort den „Vorteil“ das Katzen im BGB als Sache dargestellt werden. Auch wenn wir dies als Katzenliebhaber absolut nicht so sehen wollen.

Aber auf diesen Punkt gehe ich in einem eigenen Beitrag näher darauf eingehen.

Zusammenfassung

Khalessi HobbyzuchtWie ihr gemerkt habt sind die Grenzen zwischen Hobbyzucht, Vermehrer und Schwarzzüchter äußerst verschwommen. Wer ein Hobbyzüchter ist kann auch ein Vermehrer, Schwarzzüchter oder auch Vereinszüchter sein, während ein seriöser Vereinszüchter niemals ein Vermehrer oder Schwarzzüchter sein wird.

Der einzige Begriff der wirklich äußerst transparent ist, ist der Begriff des seriösen Vereinszüchters.

Habe ich euch mit all den Begriffen nun verwirrt? Gut :-)

Nein natürlich nicht gut, wichtig für euch ist zu wissen, wenn ihr euch eine Rassekatze anschaffen wollt.

1) seriöser Vereinszüchter in einem anerkannten Verein
2) auf Erbkrankheiten untersuchte Elterntiere
3) Vertrauensbasis

Ich habe hier auch einen Leitfaden für den Rassekatzenkauf zusammengestellt, der euch eine kleine Hilfestellung geben soll.

Aber bitte, rettet kein Kätzchen irgendwo aus Mitleid. Das ist der falsche Weg.

Und ja, ich weiß dies fällt echt wahnsinnig schwer, da die Emotionen gerne mit einem durchgehen.

Aber bitte, ihr rettet vielleicht nur dieses eine Kätzchen, seht aber nicht die, die da noch hinten nachkommen.

Wer heute seinen Nachwuchs an den Mann/Frau bringt,
hat keinen Grund umzudenken und zu handeln.

Es gibt sehr engagierte Tierschutz- und Katzenschutzvereine. Wenn ihr so etwas seht, meldet euch bei denen. Sie stehen euch mit Rat und Tat zur Seite und vielleicht kann man ja so auch das Muttertier gleich kastrieren lassen.

Seht nicht weg! Durch eure aktive Mitarbeit kann Katzenleid und Elend gestoppt werden.

Weiterführende Links

Geiz ist geil – von Züchtern, Vermehreren und der ich-will-es billiger-Mentalität
Woher soll mein Kätzchen kommen?
Woran erkenne ich einen seriösen Züchter?
FAQ – Rassekatzenkauf
Wie sieht ein Stammbaum aus?
Seriöse anerkannte Vereine Deutschland / Österreich


Ein Gedanke zu „Was ist eigentlich eine Hobbyzucht? – Taubertalperser

  • 22. Mai 2020 um 19:10
    Permalink

    Du sprichst mir aus dem Herzen! Ein sehr gute geschriebener Artikel! Viele „Züchter“ entlarven sich schon, wenn man sie nach ihrem Zuchtziel fragt und man – außer Fragezeichen in ihren Augen – keine Antwort bekommt …
    Liebe Grüße

    Antwort

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